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17.12.2009
 

Wikipedia-Spendenerfolg

430.000 Dollar an einem Tag - und eine Klage

Wikipedia-Spendenaufruf von Jimmy Wales: höchst attraktive WerbeflächeZur Großansicht

Wikipedia-Spendenaufruf von Jimmy Wales: höchst attraktive Werbefläche

Mit einem großangelegten Spendenaufruf hat Wikipedia-Gründer Jimmy Wales eine Menge Geld in die Kassen der Stiftung hinter der Online-Enzyklopädie gespült. An einem einzigen Tag kamen 430.000 Dollar zusammen. Gleichzeitig wurde eine sehr seltsame Klage gegen die Stiftung eingereicht.

Und da sage noch einer, im Internet ließe sich kein Geld machen. Die Wikimedia Foundation kann das - und zwar ganz ohne Werbung, ganz ohne Bezahlinhalte. Seit jeher finanziert sich die Stiftung, die für das Weiterbestehen der Wikipedia sorgt, aus Spendengeldern. Gestern aber stellte die Online-Enzyklopädie einen neuen Rekord auf: Seit gestern um Mitternacht ein Aufruf von Wikipedia-Gründer Jimmy Wales als Banner über jedem einzelnen Wikipedia-Eintrag erscheint, sind über 430.000 Dollar an Spenden zusammengekommen - an einem einzigen Tag. Heute, einen Tag später, sind bis zum späten Nachmittag deutscher Zeit noch einmal 128.000 Dollar dazugekommen.

In dem Aufruf, zu dem ein Klick aufs lexikoninterne Werbebanner führt, bittet Wales um finanzielle Hilfe: "Für sieben Millionen Euro pro Jahr und mit weniger als 35 Angestellten betreibt sie (die Wikimedia Foundation) eine der populärsten Websites der Welt. Ich bitte Sie um Ihre Unterstützung, damit wir unsere Arbeit fortsetzen können." Die Werbefläche könnte attraktiver nicht sein - Wikipedia ist eine der meistgenutzten Seiten im WWW, und Wales' Aufruf steht derzeit über jedem einzelnen Artikel.

Seit dem Beginn der aktuellen Fundraising-Runde am 10. November 2009 sind bis zum 17. Dezember gut 3,5 Millionen Dollar zusammengekommen.

Der deutsche Wikimedia e.V. profitierte auch von Wales' Aufruf - allerdings in deutlich bescheidenerem Rahmen. Seit gestern kamen auf der Spendenseite gut 17.500 Euro zusammen. Pavel Richter, Geschäftsführer von Wikimedia Deutschland, kommentierte den Spendensegen auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE mit den Worten: "Wir freuen uns sehr über diese tolle Unterstützung und sehen sie als Ansporn für das kommende Jahr."

Wikipedia als "steuerbefreite, prosozialistische Betrugsmasche"?

Nicht jeder gönnt den Enzyklopädisten ihren Erfolg. Der Republikaner Andy Martin, der für einen Sitz im US-Senat kandidiert, will die Wikimedia Foundation verklagen. Es handele sich bei der gemeinnützigen Organisation in Wahrheit um eine "steuerbefreite, prosozialistische Betrugsmasche" die dazu diene, "Republikaner, Konservative und Obama-Gegner zu belästigen". Wikipedia sei eine "steuerbefreite Abteilung von Barack Obamas politischen Aktivitäten".

Martin gilt als notorischer Querulant und extremer Rechtsaußen. Er gilt unter anderem als der Urheber des Gerüchtes, Obama sei in Wahrheit Muslim. Solche und andere Informationen über Martins Lebensweg sind auch auf seiner englischsprachigen Wikipedia-Seite nachzulesen, was ihn offenbar in seiner Ansicht über die Online-Enzyklopädie bestärkt. Es handelt sich nach Martins Einschätzung bei dem Eintrag um "offensichtlich nicht mehr als eine politische Schmierkampagne von Barack Obamas tollwütigen Unterstützern", so der Republikaner in einer Presseerklärung.

Die öffentlichkeitswirksame Klage dürfte eine Menge mit Martins Kandidatur für den Senat zu tun haben - und mit Marketinganstrengungen für sein Buch mit dem Titel "Obama: Der Mann hinter der Maske".

Anmerkung: Auch im Online-Wissensportal SPIEGEL WISSEN sind Wikipedia-Inhalte eingebunden.

cis

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18.12.2009 von John.Moredread: ...

Was hat das mit Zynismus zu tun? Die Arbeitsplätze verschwinden nicht, weil irgendeine "Heuschrecke" ein paar Millionen scheffeln will, sondern, damit Wissen weltweit abrufbar ist. Wie sähe es denn aus, wenn ein [...] mehr...

18.12.2009 von Oggy: .

Was glauben Sie, wie viele Menschen durch die Erfindung des Reizverschlusses arbeitslos geworden sind oder welche Berufe durch Roboter ersetzt wurden. Wikipedia hat etwas sehr großes getan und zwar Wissen für "fast [...] mehr...

18.12.2009 von docstrangeluv: zynisch?

Zunöächst ist das nicht das Bankkonto von Herrn Wales. sondern von einem Verein. (non profit organization) Wenn man bedenkt, wieviel mehr Menschen weltweit nun zumindest theoretisch (fast) kostenlosen Zugang zu wertvollem [...] mehr...

18.12.2009 von dsiemon: @Ignorant00

Nur einmal ein kleiner Hinweis: Im Spiegel-Artikel-Autor wird den möglicherweise hinter der Kritik stehenden persönlichen Interessen von A.Martin ein weitaus größerer Raum gegeben als der von A.Martin geäußerten Kritik. [...] mehr...

18.12.2009 von spiegel-hai: hihi

... so besehen ist die Klage eigentlich als Kompliment zu nehmen. Eigentlich müßte man rein der Neugierde halber nachschauen, ob bereits versucht wurde, den Artikel über Martin zu löschen oder in seinem Sinne zu verändern etc... [...] mehr...

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