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13.01.2010
 

Googles Absage an Chinas Zensoren

Comeback des Guten

Von Matthias Kremp

Foto: REUTERS

Don't be evil: Googles alter Wahlspruch wird durch die Kampfansage an Chinas Zensurbehörden wiederbelebt. Die Aktion begeistert Blogger, Experten und Menschenrechtler. Der Konzern und die Regimekritiker können mit dem Schritt wohl gut leben - aber der restlichen Internetindustrie wird jetzt Druck gemacht.

Es trauen sich nicht viele, ihre Freude öffentlich auszudrücken. Einige aber doch. Vor dem Firmensitz von Google in Peking legen an diesem Mittwoch Internetnutzer Blumen ab - offensichtlich, um dem Konzern dafür zu danken, dass er seine Zusammenarbeit mit den chinesischen Zensurbehörden beenden will.

Im Netz wird die Aktion des Suchkonzerns bejubelt. Harry McCracken, Journalist und Betreiber des Hightech-Blogs Technologizer, kann seine Begeisterung kaum zügeln. "Genau richtig, Google, genau richtig", schreibt er über den Plan, in China ab sofort nur noch ungefilterte Suchergebnisse anzuzeigen - und sich den Zensurbehörden nicht mehr zu beugen.

Die Distanzierung vom Regime sei überfällig gewesen, schreibt McCracken. Bisher seien US-Internetfirmen zu nachgiebig gewesen, um ihre Dienste im Zukunftsmarkt China anbieten zu können - mit dem Argument, es sei besser, den Chinesen wenigstens einige Informationen zu liefern, statt sie ganz im Dunkeln zu lassen. Damit sei es jetzt endlich vorbei. Googles Aktion werde Signalwirkung haben.

Zigtausende äußern sich auf Twitter und in privaten Blogs ähnlich enthusiastisch. Web-Legende Dave Winer, Miterfinder von Weblogs, Podcasts und RSS-Feeds, lobt via Kurznachricht knapp: "Google tut etwas, das unseres Stolzes als Amerikaner wert ist." Die Electronic Frontier Foundation (EFF), die für Freiheitsrechte in der digitalen Welt kämpft, applaudiert mit einem schlichten: "Bravo, Google." 2006 sei man mit dem Konzern noch hart ins Gericht gegangen, weil er sich den chinesischen Behörden beugte und Suchergebnisse gemäß Regierungsvorgaben filterte. Nun sei es umso angemessener, die Lossagung von der staatlichen Kontrolle zu loben. Man hoffe, dass andere Firmen dem Beispiel folgen.

"Was es für China bedeutet? Nicht viel"

Manche Kommentatoren reagieren auf Googles Entscheidung allerdings mit Skepsis. Adam Ostrow von mashable.com findet den Beifall verfrüht. Zwar sei Google jetzt mal wieder als Unternehmen wahrzunehmen, für das es mehr gibt als Profite und Marktanteile. Trotzdem solle man abwarten, ob es sich nicht doch noch mit den chinesischen Behörden einigt.


Ben Parr fragt nach den Folgen des Beschlusses für die chinesische Zensurpolitik - und gibt sich die Antwort gleich selbst: "Was es für China bedeutet? Nicht viel." Google habe weder die technische noch die politische Macht, irgendeinen Einfluss auf das Regime zu nehmen. Es sei naiv zu glauben, dass sich ein Land mit einer langen Zensurtradition wie China von einem Unternehmen wie Google mal eben umbauen lässt. Vielmehr werde Google wohl einfach aus dem Land geworfen und die Zensur ohne die US-Suchmaschine weitergehen.

Allerdings - auch Parr glaubt, dass Googles Ausstieg letztlich die richtige Entscheidung war und die Folgen "in technologischen, sozialen und politischen Kreisen noch Jahre zu spüren sind". Zumal der Rückzug die Netznutzer in China keineswegs komplett von der Suchmaschine abklemmen dürfte: Die Menschenrechtsaktivisten von EFF erwarten, dass "Google nicht aus dem chinesischen Internet verschwinden wird - egal wie die chinesischen Behörden reagieren". Schließlich gebe es erprobte Mittel, die Zensur zu umgehen.

Gemeint sind damit in erster Linie Internetdienste, über die man Anfragen aus China auf ausländische Server umleiten kann, um Netzfilter zu umgehen. EFF hofft deshalb, dass Google weiter eine chinesischsprachige Version seiner Seiten anbieten wird - wenn nötig von Servern außerhalb Chinas aus.

PR-Coup oder politisches Engagement?

Und was bedeutet die Entscheidung für Google selbst? Letztlich werde der Konzern von der Weigerung profitieren, Suchergebnisse zensieren zu lassen, glaubt Ron Deibert vom Citizen Lab an der University of Toronto in Kanada. "Don't be evil", "Tu nichts böses" - dieser alte Wahlspruch des Konzerns werde aufpoliert, nachdem er zuletzt reichlich gelitten hatte.

Das einflussreiche Technik-Blog Techcrunch ist sich sicher, dass Googles Entscheidung vor allem auch geschäftliche Gründe hatte. Der Konzern mache das Beste aus einer "schlechten Situation". Sein Engagement in China sei stets umstritten gewesen und das Unternehmen in dem Land alles andere als erfolgreich. Es müsse sich lokalen Mitbewerbern geschlagen geben und habe vermutlich längst die Brücken zu chinesischen Behörden abgebrochen, bevor es jetzt den aufsehenerregenden Blog-Eintrag veröffentlichte.

Investor Bill Bishop rechnete schon vor vier Jahren vor, dass sich das China-Geschäft für Google angeblich nicht lohnt und das riesige Land zum Gesamtumsatz der Suchmaschine nur einen winzigen Beitrag leistet. Yahoo habe sich dort viel besser aufgestellt: Der Google-Konkurrent sei mit gut einem Drittel an der chinesischen Alibaba Group (mehr auf Wikipedia...) beteiligt, einem Unternehmen, das sich bestens in seinem Heimatmarkt auskennt. Bishop verweist jetzt nur auf seinen Aufsatz von damals - gekrönt von dem Resümee: "Es kommt nicht oft vor, dass Yahoo schlauer aussieht als Google."

Allerdings sieht Yahoo jetzt auch schlechter aus. Die Entscheidung, keine Kompromisse mehr mit Regierungen einzugehen, erhöhe den Druck auf die gesamte Industrie, schreibt Ron Deibert. Branchenriesen wie Microsoft und Yahoo müssten jetzt darüber nachdenken, "was sie tun können, um das Internet frei und offen zu halten".

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insgesamt 385 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
12.02.2010 von perpendicle:

muss man sicher Alles wörtlich nehmen mehr...

07.02.2010 von alfredoneuman:

"mehrere Seite gesperrt" hört sich bei Ihnen mal wieder so verharmlosend an. Das sind keine Kinderporno- oder Nazi-Seiten so wie bei uns gelegentlich, sondern u.a die Seite von Amnesty International. Warum wohl? [...] mehr...

07.02.2010 von Saudi-Arabien:

Nun, mit "witzig" ist eher etwas anderes gemeint. Der Bericht auf der Seite von "Amnesty International" ist recht neutral gehalten und deshalb auch informativ und er ist schön zu lesen. Gut, dieser [...] mehr...

06.02.2010 von alfredoneuman:

Darauf muss man natürlich erst kommen, dass wenn Sie das meinten, dass Sie dann so etwas wie hier unten schreiben. ---Zitat--- So überspitzt gesehen haben Sie natürlich recht. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass [...] mehr...

06.02.2010 von susi_03: Wissen ist Macht

Wie Sie hier jetzt auf Chodorkowski kommen, weiß ich zwar nicht, aber ich meinte US-Denkfabriken im Zusammenhang mit Wirtschaftsnachrichten, die das Börsengeschehen und Investionsentscheidungen beeinflussen. So überspitzt [...] mehr...

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Googles Geschichte

1995 - When Larry met Sergey

Angeblich konnten Larry Page und Sergey Brin einander erst einmal nicht besonders gut leiden, als sie sich im Jahr 1995 zum ersten Mal trafen. Der 24-jährige Brin war übers Wochenende in Stanford zu Besuch, der 23-jährige Page gehörte angeblich zu einer Gruppe von Studenten, die Besucher herumführen mussten. Der Legende nach stritten Brin und Page ununterbrochen miteinander.

1996 - Es begann mit einer Rückenmassage

1998 - Finanzierung

1999 - Mehr Geld und ein neues Heim

2000 - AdWords

2001 - Profit und ein neuer Eric Schmidt

2002 - Corporate Search, Google News, Froogle

2003 - AdSense und Blogger

2004 - Picasa, Googlemail, Bücher und ein Börsengang

2005 - Google Maps und Google Earth

2006 - Google Video, Web-Applikationen , YouTube - und Kritik

2007 - Googlemail für alle, DoubleClick, Streetview und Android

2008 - Knol, Chrome und kein Ende





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