Von Gregor Peter Schmitz
Van de Laar, 27, dunkler Anzug, sitzt in einem Berliner Café, er ist Deutschland-Chef von Avaaz.org, einem Online-Netzwerk, inspiriert von MoveOn.Org - der amerikanischen Internetbewegung, die Barack Obama ins Weiße Haus tragen half. Deren Organisatoren jonglieren meist Blackberrys beidhändig.
Jetzt will Avaaz den Rest der Welt missionieren. Avaaz operiert in 14 Sprachen, von Portugiesisch bis Koreanisch, über drei Millionen Aktive hat es nach eigenen Angaben weltweit, mehr als 200.000 in Deutschland. Sie möchten die erste wirklich moderne Globalisierungsbewegung sein, für Klimaschutz, für Menschenrechte, für eine gerechtere Erde. Hauptamtliche Mitarbeiter wie van de Laar werden aus Spenden finanziert, bei wichtigen Entscheidungen sind die Vorreiter aus Übersee blitzschnell per Konferenzschaltung erreichbar.
Denen muss ihr deutscher Online-Arm derzeit noch fast so altmodisch vorkommen wie das Notizbuch des Deutschland-Koordinators. Es dauert beinahe eine Woche, bis Reportern deutsche Avaaz-Freiwillige zum Gespräch vermittelt werden können. Der Datenschutz. Und wohl die Personalknappheit. Van de Laar lächelt: "Die Deutschland-Organisation bin derzeit mehr oder weniger ich."
Sein Vorteil aber: Er kennt die so viel schnellere US-Welt gut. Der Hüne war Basketballstipendiat an einer Uni in South Carolina, er träumte wie so viele von einer NBA-Karriere, dann kam ein doppelter Kreuzbandriss - und doch noch die Nähe zum wohl bekanntesten Basketballfan der Welt: Während van de Laars Politikstudium begann das Obama-Fieber in den USA, er ließ sich mitreißen, in Missouri half er 2008 monatelang, als "Youth Vote Director" junge Wähler für Obama zu begeistern. Seine Facebook-Seite ziert ein Foto von dessen Wahlkampfbus, van de Laar steht davor. Ein anderer Schnappschuss zeigt ihn mit dem Präsidentschaftskandidaten im Aufzug vor einem Auftritt, die beiden plaudern munter.
"Wie machen die das, immer Leute da zu haben?"
Jetzt will er seine Begeisterung nach Deutschland tragen. Er kämpft, wie einst auf dem Basketballfeld, er verschickt bis zu 600 E-Mails am Tag: "Ich weigere mich zu glauben, dass Deutsche für diese Art von politischem Engagement nicht zu begeistern sind", beharrt van de Laar.
Im Juli 2009 hat er übernommen, und er kann schon Erfolge vorweisen. Als Bundeskanzlerin Angela Merkel im September per Zug durch Deutschland reiste, erinnerten Avaaz-Aktivisten sie bei jedem Stopp an ihre Klimaversprechen. Beim ersten Stopp fielen die Avaaz-Bewegten, meist in ihren Zwanzigern oder Dreißigern, der Kanzlerin noch kaum auf - obwohl sie strahlend grüne Arbeitshelme auf dem Kopf trugen, als Symbol für eine umweltfreundlichere Energiepolitik. Beim zweiten Stopp schaute Merkel länger, beim vierten fragte die Regierungschefin verblüfft: "Wie machen die das, immer Leute da zu haben?"
Vor der Weltklimakonferenz setzte Avaaz - in vielen Sprachen das Wort für "Stimme" - eine Online-Petition an die Staats- und Regierungschefs auf: "Wir fordern jeden Einzelnen von Ihnen auf, die notwendigen Zusagen zu machen, um Ihrer historischen Verantwortung in dieser Krise gerecht zu werden." 15 Millionen Menschen unterschrieben angeblich weltweit per Mausklick, die Namen lasen Avaaz-Aktivisten im Konferenzzentrum in Kopenhagen laut vor. Als es schien, Union und FDP wollten sich vor mehr Geldzusagen für internationalen Klimaschutz drücken, bombardierte der deutsche Avaaz-Ableger die Büros der Fraktionsvorsitzenden mit Protestmails.
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Das Klima kümmert sich wenig um Ihre Proteste. Noch weniger als um den CO2-Anteil in der Luft. An Ihrer Stelle würde ich erstmal selber recherchieren, wie das überhaupt zusammenhängt, wie der Treibhauseffekt eigentlich [...] mehr...
Ganz toll, danach kann man im Schick-Mick-Szene-Cafe im Prenzberg bei einem Latte Macchiato sich gegenseitig auf die Schultern klopfen und sich im guten Gewissen suhlen einen gesellschaftlich echt total wichtigen Beitrag [...] mehr...
2009 ist gleichzeitig mit Avaaz ein weiteres sehr spannendes Phänomen nach Deutschland gekommen: Im Wahlkampf, als Klimaschutz und die internationalen Klimaverhandlungen von fast allen Parteien fast vergessen wurden, keimte im [...] mehr...
Seien Sie doch nicht so hart. Der Forist hat sich doch extra für die Werbung hier angemeldet... mehr...
Nie gehört. Dem Bericht zu Folge scheint das auch nicht weiter schlimm zu sein. mehr...
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