Von Konrad Lischka
Der CDU-Politiker zitierte Ende Dezember aus einem Zwischenbericht der Untersuchung, bei 80 Prozent der geprüften Shops seien die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) "mangelhaft" gewesen. In rund "95 Prozent der Fälle wurde mindestens ein Verstoß gegen geltendes Verbraucherschutzrecht festgestellt". Kurz: Die Geschäftsbedingungen seien "häufig wenig verbraucherfreundlich gestaltet".
Die komplette Studie soll im März fertig sein, und der Auftritt des Ministers macht klar: Der Online-Handel dürfte darin nicht allzu gut wegkommen. Es gibt zu viele Fehler bei Geschäftbedingungen und Widerrufsbelehrungen, zum Schaden der Verbraucher.
Aber an wem liegt's?
Die Antwort: In einigen Fällen zweifellos am bösen Willen dubioser Händler. Doch in der Mehrzahl der Fälle eher am recht komplexen Regelungsgewirr in Deutschland zu jenem Bereich, der bürokratisch "Fernabsatz" genannt wird.
CDU-Shop scheitert an der Widerrufsbelehrung
Dieses Problem erkennt jeder, der die Musterwiderrufsbelehrung des Justizministeriums liest, an die sich Online-Händler halten sollen. Dieser Mustertext soll Mitte Juni sogar in das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) überführt werden, was mehr Rechtssicherheit bringen wird - doch er liest sich, wie sein Titel klingt: "Anlage 2 zu § 14 Abs. 1 und 3 der Verordnung über Informations- und Nachweispflichten nach bürgerlichem Recht". Mit allen Fußnoten bringt es allein dieser Text auf mehr als 11.000 Zeichen Text - etwa vier Seiten in einem Taschenbuch. Und hierbei handelt es sich schon um eine entschlackte Version im Vergleich zu früheren Musterwiderrufsbelehrungen.
Carsten Föhlisch, Justitiar des Online-Shop-Dienstleisters "Trusted Shops", bringt es auf den Punkt: "Über eine zu komplizierte Rechtslage kann man nicht klar und verständlich belehren."
Eine Recherche von SPIEGEL ONLINE zeigt nun: Pikanterweise gelingt dies auch den Parteien nicht.
In ihren Webshops verkaufen die Parteien T-Shirts und allerlei Kuriositäten. Dort müssen sie wie jeder andere Shopbetreiber Kunden ordnungsgemäß über das Widerrufsrecht belehren. Und das klappt nicht immer.
Die Verstöße in den Shops der CDU und der Jungen Liberalen haben Tobias Schmitz überrascht: "Das waren teils richtig derbe Verstöße wie fehlerhaftes Impressum, fehlende Widerrufsbelehrung. Das weiß jeder kleine Ebay-Händler besser." Schmitz mahnte die T-Shirt-Vertreiber der Parteien ab, weil das "im Sinne des Gesetzgebers" sei. "In Deutschland sollen die Marktteilnehmer untereinander die Detailfragen bei wettbewerbsrechtlich relevanten Verstößen regeln", sagt er. "Das ist so gewollt."
Grüne und Linke hatten Rechtsärger mit ihren Webshops
Besonders ärgert Schmitz angesichts der komplexen Rechtspraxis, dass Politiker angeblich verbraucherfeindliche Regelungen bei vielen Händlern kritisieren. "Klar, bei der aktuellen Rechtslage ist es ein leichtes, in fast jedem Shop einen 'Verstoß gegen Verbraucherschutzrechte' festzustellen", sagt er.
Das können die Parteien bestätigen:
Es ist erstaunlich, dass Parteien an einer rechtlich korrekten Gestaltung ihrer Webshops scheitern - trotz ihrer Rechtsexperten, trotz ihres im Vergleich zu vielen Webshops immensen Mitarbeiterstabs. Wie sollen Ein-Mann-Antiquariate oder Kunsthandwerker ihren Online-Auftritt rechtssicher gestalten, wenn CDU, Grüne und Junge Liberale daran scheitern?
Auf anderen Social Networks posten:
Sorry, ein wenig Off-Topic, bin heute aber beim vom Artikel angeregten Weiterlesen hierauf gestossen: Das Bundesministerium für Wirtschaft verlinkt auf seinen Seiten zum Thema "Rechtliche Bestimmungen im E-Commerce" [...] mehr...
Rechtssicherheit ist eine der Grundpfeiler von Freiheit und Demokratie. Es gelingt den Regierenden leider nicht, diese herzustellen. Leider gibt es hierfür viele Veispiele im Steuerrecht, im Strafrecht und im Handelsrecht. mehr...
Die Mehrheit der Abgeordneten im Bundestag sind Juristen oder Verwaltungsfachangestellte. Wundert mich nicht, dass diese Bande auch hier versagt. Unsere Politiker sind halt nichts anderes als wichtigtuerische Gernegroße, [...] mehr...
---Zitat--- Im Umkehrschluss bedeutet das: Union und SPD gehen davon aus, dass 80 Prozent der Webshop-Betreiber absichtlich oder zumindest grob fahrlässig gegen die gesetzlichen Vorgaben verstoßen, um ihre Kunden zu [...] mehr...
Ich denke die lieben Bundestagsabgeordneten sind voll und ganz damit beschäftigt zig MILLIARDEN EURO im zuge des Wachstumsbeschleunigungsgesetzes zu verbrennen statt sich um so nebensächlichkeiten wie (und das so lange ich denken [...] mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Netzwelt | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Netzpolitik | RSS |
| alles zum Thema Internetrecht | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH