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24.02.2010
 

Medien auf dem iPhone

"Wir werden unsere Seele nicht verkaufen"

Von Isabell Hülsen

Apps auf einem iPhone: Wie weit darf Apple in die angebotenen Inhalte eingreifen?Zur Großansicht
dpa

Apps auf einem iPhone: Wie weit darf Apple in die angebotenen Inhalte eingreifen?

Wie weit dürfen Hightech-Konzerne gehen? Deutsche Zeitschriftenverleger sehen sich durch Zensur im App Store in ihrer Freiheit bedroht. Noch sind sie zu Gesprächen bereit, wollen mit dem US-Konzern Rahmenbedingungen festlegen. Doch wenn das scheitert, könnte man andere Maßnahmen ergreifen.

Mit seiner Zensurpolitik im App Store bringt der US-Konzern Apple die deutschen Verlage gegen sich auf. "Wir können und werden als Verlage unsere Seele nicht verkaufen, nur um ein paar Kröten von Apple zu bekommen", sagte Wolfgang Fürstner, Geschäftsführer des Zeitschriftenverbandes VDZ. Heute passten dem Konzern nur nackte Brüste und andere angeblich sexistische Inhalte nicht, "und morgen sind es wichtige gesellschaftliche und politische Themen, die den Verantwortlichen von Apple missfallen. Das ist Zensur und davor müssen wir uns schützen".

Bei der Vorstandssitzung des Weltverbandes der Verleger FIPP, nächste Woche in Berlin, will der VDZ-Vorsitzende erwirken, dass der Weltverband bei Apple vorstellig wird, um das Anliegen der Verlage geschlossen vorzubringen. "Wir werden erst einmal für Verständnis werben und Apple ist ein willkommener Partner. Aber die Rahmenbedingungen müssen stimmen", so Fürstner. "In keinem deutschen Verlag wird ein Geschäftsmodell eine Chance haben, bei dem sich die Verleger dem Diktat von Apple unterwerfen müssen und ihre Pressefreiheit der Marktmacht von Apple opfern."

Apple hatte in den vergangenen Wochen Tausende Anwendungen aus dem App Store entfernt, vor allem solche mit vermeintlich erotischen Inhalten. Nachdem schon im November die "Stern"-App ohne Vorankündigung wegen einer Bildergalerie kurzzeitig aus dem App Store flog, traf es zuletzt die Miezen in Springers "Bild"-App, die sich beim Schütteln des Telefons nackig machen. Apple verlangte gar, dass die Brüste per Bildbearbeitung überdeckt werden. Erotikmarken wie "Playboy" oder das Magazin "FHM" dürfen ihre Apps dagegen weiter unzensiert vertreiben.

"Gegen Marktmacht helfen irgendwann nur Gerichte"

"Wenn Apple vorher klare Regeln vorgegeben und gesagt hätte, 'nacktes Fleisch verstößt gegen unsere ethischen Grundregeln', wären das nachvollziehbare Bedingungen, dafür könnte man noch Verständnis haben", sagte Fürstner. Aber dass der Konzern nachträglich bestimmte Inhalte entferne oder die Regeln verschärfe und nach eigenem Gutdünken einzelne Marken verschone, sei nicht hinnehmbar. Natürlich suche man zunächst den Dialog mit Apple, "aber gegen Willkür und die Ausnutzung von Marktmacht helfen irgendwann nur Gerichte", erklärte Fürstner. Allerdings zeige Apples Verhalten auch, dass die Verlage dringend eigene Plattformen für ihre Inhalte im Internet entwickeln müssten, um sich unabhängiger zu machen.

In der Verbannung nackter Brüste sieht auch der VDZ-Chef noch keine absolute Gefährdung der Pressefreiheit, aber es geht ums Prinzip. Der Konzern verstand sich bisher als eine technische Plattform, nicht als Anbieter eigener Medieninhalte. Apples rigides Gebaren in den vergangenen Wochen hat auch die Euphorie der Verlage über das iPad mächtig gedämpft, das ihnen doch eigentlich die lange ersehnten Einnahmen aus dem Internet bescheren soll. "Die Verlage müssen nun mit allergrößter Sorgfalt solche Fragen klären, bevor sie sich mit Apple einlassen, sonst kann man ihnen nur raten, die Finger davon zu lassen", sagte Fürstner.

Bisher hatten sich die deutschen Verlage vor allem auf Google eingeschossen, nun droht auch Apple sein sympathisches Antlitz zu verlieren. "Apple wäre gut beraten, auf der Seite der Sympathieträger zu bleiben", so Fürstner. Das Verhalten offenbare aber ein Problem weltweit agierender Technologiekonzerne, "die in ihrer Herrschaftsmacht glauben, sie seien unbegrenzt und können sich über alle Regeln hinwegsetzen".

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insgesamt 41 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
28.02.2010 von Ekart: Apple wird zum ideologischen Moralwächter

So weit voraus Apple mit Hard- und Software auch sein mag, wie sehr man dieses Unternehmen bewundern mag, nun hat Apple eine Grenze überschritten: Apple macht sich zum Wächter über ideologische Grundlagen unseres Lebens. Leider [...] mehr...

25.02.2010 von einklarerblickindieferne: Was für ein Schwachsinn... (!!!)

Wenn ich mir das Gesülze hier und das Blabla von VDZ-Oberschmacko Fürstner durchlese frage ich mich, wie diese Dünnbrettbohrer auf ihre Posten gekommen sind. Dabei hilft ein bißchen Nachdenken oft wirklich weiter ;-)) Die [...] mehr...

25.02.2010 von opar: Apple unverhüllter Monopolist

Das ist auch nicht das Problem, sondern dass Apple andere Nicht-Apple Stores nicht zulässt und sich ungeniert ein Monopol aufbaut. Das mag jetzt noch klein sein, aber auch Microsoft war mal ganz ganz klein... Jeder der sich [...] mehr...

25.02.2010 von ernsdie: komische diskussion

was mir in den beiträgen hier fehlt ist die tatsache dass jeder die freie wahl hat was er wo kauft. und es gibt noch einige andere smartphones zur auswahl. ich habe mich für ein nicht gehacktes iphone bewusst entschlossen da [...] mehr...

25.02.2010 von wiwimuc: BILD verbieten!

"Bild" verbieten ist sicher ein kleiner Schritt für Apple, aber ein großer Sprung für die Menschheit. Nur muss man wirklich prüde mit den Titten anfangen. Das ist doch noch das Beste an dem Schmierblatt! mehr...

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