ThemaYouTubeRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
24.02.2010
 

Strafe für Gewaltvideo

Google will nicht für Nutzerinhalte haften

Von Ole Reißmann

Google-Sprecher Bill Echikson nach der Urteilsverkündung: "Überraschendes Urteil"Zur Großansicht
REUTERS

Google-Sprecher Bill Echikson nach der Urteilsverkündung: "Überraschendes Urteil"

Google soll büßen: Weil das von einem Nutzer hochgeladene Video einer Misshandlung nicht schnell genug von einer Seite der Firma verschwand, wurden Manager zu Bewährungsstrafen verurteilt. Google ist empört - und warnt vor den Folgen einer solch "hanebüchenen" Rechtsprechung.

Ein Nutzer lädt Aufnahmen einer Misshandlung auf eine Videoplattform, die Polizei informiert den Betreiber, der Clip wird gelöscht. Das ist bisher die gängige Praxis. Die Betreiber von YouTube, Facebook und Co. überprüfen die von ihren vielen Millionen Nutzern hochgeladenen Dateien nicht erst, bevor sie veröffentlicht werden. Stattdessen können sich Nutzer über fragwürdige Inhalte beschweren, erst dann wird kontrolliert. Damit sind die Unternehmen auch rechtlich auf der sicheren Seite.

Zumindest bisher, denn zu ihrer eigenen Überraschung wurden drei Google-Manager wegen genau eines solchen Falls am Mittwoch in Italien verurteilt, zu sechs Monaten auf Bewährung. Auf einer Videoplattform des Unternehmens war Ende September 2006 ein Clip abrufbar, in dem Jugendliche einen Autisten misshandeln. Zwei Monate später ging ein Hinweis der Polizei ein, Google sperrte daraufhin das Video. Nach eigenen Angaben binnen weniger Stunden.

Trotzdem befanden die Richter, dass Google die Privatsphäre des Prügelopfers verletzt habe und verurteilten Datenschutzchef Peter Fleischer, den Firmenjuristen David Drummond und Ex-Finanzchef George Reyes. Ein vierter Angeklagter ging straffrei aus. "Keiner der vier hatte irgendetwas mit dem Video zu tun. Sie haben es nicht gefilmt, sie haben es nicht ins Netz gestellt, sie haben es nicht überprüft. Trotzdem wurden sie zur Verantwortung gezogen", sagte ein Google-Sprecher Bill Echikson. Umgehend kündigte das Unternehmen Berufung gegen das "hanebüchene" Urteil an.

Staatsanwalt begrüßt Interneturteil

Die Mailänder Staatsanwaltschaft zeigte sich zufrieden. Es sei "zum ersten Mal in Italien ein großes Problem im Hinblick auf den Schutz der Menschenwürde in der heutigen Zeit" aufgeworfen worden. Die Richter hatten ihre Entscheidung damit begründet, dass Google es unterlassen hätte, das Einverständnis für die Veröffentlichung von Seiten aller an dem Video Beteiligten einzuholen.

Die bange Frage ist nun, ob das Gericht in seiner schriftlichen Urteilsbegründung, die bisher nicht vorliegt, allein auf diesen Grund abzielt - und ob sich diese Rechtsauffassung auch Berufungsverfahren durchsetzt. Denn das würde gravierende Einschränkungen für Internetdienstleister in Italien mit sich bringen - und eine Abkehr von der derzeitigen Praxis, die anerkennt, dass eine Vorabkontrolle jeglicher Nutzerinhalte nicht zu bewerkstelligen ist, weder von Großunternehmen wie Google, noch von kleinen Anbietern oder privaten Website-Betreibern.

"Ich bin außer mir. Diese Entscheidung schafft ein gefährliches Beispiel", protestierte der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende von Google Italien, David Drummond, der zu den Verurteilten zählt. Es gebe "klare gesetzliche Bestimmungen in Italien wie auch in der EU", die eindeutig festlegten, dass Internetunternehmen die Inhalte nicht vorab kontrollieren müssten.

In ihren Nutzungsbedingungen weisen die Anbieter ihre Nutzer ausdrücklich darauf hin, dass sie nur Material ins Netz stellen dürfen, an dem sie auch die Rechte haben. Dazu brauchen die Uploader in vielen europäischen Ländern die ausdrückliche Einverständnis der Personen auf dem Bild oder im Video. Weil die Plattform-Anbieter dies nicht kontrollieren können, reichen sie die Verantwortung weiter.

So auch im aktuell verhandelten Fall: Google half den Behörden, die Person zu identifizieren, die das Gewaltvideo ins Netz gestellt hatte.

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 91 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
11.03.2010 von Saudi-Arabien: Google

Das Fazit ist ja ziemlich eindeutig hier, dass Google nicht dafür haftbar gemacht werden soll. Das Video war ja anscheinend sehr populär und wurde auch von vielen Personen aufgerufen. Ich bin mal gespannt, ob die Situation die [...] mehr...

11.03.2010 von oberhuber: schlechtes Geschäftsmodell

Vieles an Google ist unausgegoren. Zum Beispiel Vermarktung der Privatsphäre dritter, komerzialisierte Urheberechtsverletzung. Gewöhnen sie sich daran, dass dies nicht stehen gelassen wird. Im übrigen, Microsoft war auch lange [...] mehr...

03.03.2010 von spon-1180483865220: Das verzopfte europäische Rechtsverständnis verhindert Erfolge wie Google in Europa

Die spinnen, die Deutschen! *Das Geschäftsmodell von google ist schlecht!? Glauben sie das wirklich? * Die Firma die in wenigen Jahren den ganzen Markt aufgemischt hat, von Null zu einer der weltgrößten Firmen wurde, die hat [...] mehr...

02.03.2010 von W. Robert: Google darf alles

Wenn ich beispielsweise ein Blog betreibe und es schlüpft mir ein "verfassungsfeindlicher" oder sonstwie strafwürdiger Inhalt durch die Selbstzensur bin ich geliefert, konkret haftbar. Aber beim großen Google ist das [...] mehr...

02.03.2010 von oberhuber: Auf den Punkt gebracht.

Ganz genau. Wenn das Geschäftsmodel von Google eine Moderation der publizierten Inhalte nicht tragen mag, dann ist eben das Geschäftsmodel schlecht. Google kann und darf nicht erwarten, dass das Universalrecht auf Schutz der [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
alles aus der Rubrik Netzpolitik
alles zum Thema YouTube

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Verwandte Themen

Google Video

2005 startete Google einen eigenen Videodienst, der es Nutzern ermöglichte, Clips und ganze Filme ins Netz zu stellen und auch auf fremden Seiten einzubetten. Ein Jahr später übernahm das Unternehmen YouTube. 2009 kündigte Google an, künftig keine neuen Uploads auf Google Video zu erlauben und sich auf Suchfunktionen zu konzentrieren.

Googles Geschichte

1995 - When Larry met Sergey

Angeblich konnten Larry Page und Sergey Brin einander erst einmal nicht besonders gut leiden, als sie sich im Jahr 1995 zum ersten Mal trafen. Der 24-jährige Brin war übers Wochenende in Stanford zu Besuch, der 23-jährige Page gehörte angeblich zu einer Gruppe von Studenten, die Besucher herumführen mussten. Der Legende nach stritten Brin und Page ununterbrochen miteinander.

1996 - Es begann mit einer Rückenmassage

1998 - Finanzierung

1999 - Mehr Geld und ein neues Heim

2000 - AdWords

2001 - Profit und ein neuer Eric Schmidt

2002 - Corporate Search, Google News, Froogle

2003 - AdSense und Blogger

2004 - Picasa, Googlemail, Bücher und ein Börsengang

2005 - Google Maps und Google Earth

2006 - Google Video, Web-Applikationen , YouTube - und Kritik

2007 - Googlemail für alle, DoubleClick, Streetview und Android

2008 - Knol, Chrome und kein Ende






TOP



TOP