Peking - Mit dem Vorschlag, alle privaten Internetcafés zu verbieten, hat eine chinesische Abgeordnete den Zorn der Netzgemeinde auf sich gezogen. Wie staatliche Medien am Donnerstag berichteten, forderte Yan Qi von dem ab Freitag tagenden Nationalen Volkskongress, nur noch staatliche Internetcafés zuzulassen. Yan sieht private Internetcafés demnach als Ursache für eine Reihe sozialer Probleme, von Schulschwänzern bis zur Sucht nach Computerspielen.
Die werden in China seit längerem als wachsendes Problem gesehen: Im Reich der Mitte sind vor allem Online-Spiele populär, die vom Spieler ein erhebliches zeitliches Engagement verlangen, wenn man Erfolg haben will. So setzte die chinesische Zensurbehörde im vergangenen Jahr mehrere Male den Vertrieb und Betrieb des weltweit populärsten Online-Spiels World of Warcraft aus, seit November 2009 sind die Server wieder einmal offline. Auch Betreiber anderer Online-Spiele geraten immer wieder ins Visier der Behörden.
Die nach wie vor mangelhafte Infrastruktur und die für die meisten Chinesen unerschwinglichen Hardware-Preise sorgen dafür, dass solche Spiele vornehmlich in Internetcafés gespielt werden, die eher Spielhöllen als Kommunikationszentren ähneln. Neben den direkt vom Staat kontrollierten Cafés gibt es zahlreiche kleine Privatcafés, die Netzzugang bieten. Auch dort müssen sich die Nutzer prinzipiell namentlich identifizieren und anmelden, um missliebige Netznutzungen zu kontrollieren und zu verhindern. Die Kontrollen sind in den privaten Cafés aber oft weniger genau als in den staatlichen.
Von diesen Cafés gibt es zahlreiche in allen chinesischen Städten, obwohl es immer wieder zu Schließungswellen kommt. Kritik an Internetcafés ist also durchaus nichts Ungewöhnliches, eine Forderung nach einem generellen Verbot dagegen schon: Mit der Schließung der Cafés würde ein großer Teil der chinesischen Bevölkerung vom Internet ausgeschlossen.
Entsprechend heftig fiel die Reaktion aus dem Netz aus: Umgehend legten Hacker die Internetseite der Restaurantkette lahm, die Yan in der Stadt Chongqing im Südwesten des Landes betreibt.
"Schlimme Krankheiten verlangen nach drastischen Heilungen", begründete Yan ihren Vorstoß. "Viele soziale Probleme sind mit den Internetcafés verbunden, und die Geschäftsleute vernachlässigen in der Regel ihre Verantwortung für die Gesellschaft." China hat mehr als 81.000 Internetcafés, insgesamt sind in dem Land rund 384 Millionen Menschen online - die größte Netzgemeinde der Welt.
Yan ist eine der 2374 vom Staat ausgewählten Delegierten der Konsultativkonferenz des chinesischen Volkes, die das Parlament berät. Die Sitzung der Konsultativkonferenz begann am Mittwoch, zwei Tage vor der jährlichen Tagung des Nationalen Volkskongresses.
pat/AFP
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Das Verbot liegt doch nicht an den Online-Spielen und dem damit verbundenen Arbeitsausfall. Es geht darum, die Bevölkerung vom Internet und damit von eventuell unangenehmen Informationen abzuschneiden. mehr...
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