ThemaBundestagRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
04.03.2010
 

"Internet und digitale Gesellschaft"

Bundestag beschließt Web-Enquete

Sitz des Bundestags in Berlin: Politiker werden oft als Internet-Ausdrucker verlachtZur Großansicht
dpa

Sitz des Bundestags in Berlin: Politiker werden oft als Internet-Ausdrucker verlacht

Zwei Jahre lang sollen 17 Abgeordnete die Auswirkungen des Internets erforschen. Doch der Bundestag hat seine Enquete-Kommission zur digitalen Gesellschaft kaum beschlossen, da hagelt es schon Kritik: SPD und Piratenpartei fürchten reine "Symbolpolitik".

Berlin - Der Bundestag lernt Internet: Am Donnerstag stimmten die Abgeordneten für eine Enquete-Kommission, die zwei Jahre lang den Einfluss des Internets auf Gesellschaft und Politik untersuchen soll. Dem neuen Gremium gehören 14 männliche und drei weibliche Abgeordnete an, hinzu kommen 17 Sachverständige. Bis zur Sommerpause 2012 sollen sie ihre Ergebnisse und Empfehlungen vorlegen.

In dem gemeinsamen Antrag von Union, SPD, FDP und Grüne ( PDF-Datei) heißt es, das Internet sei nicht länger eine technische Plattform, sondern unverzichtbarer Bestandteil des Lebens vieler Menschen. Gesellschaftliche Veränderungen fänden maßgeblich im und mit dem Internet statt. Daher müssten die soziologischen und politischen Auswirkungen gründlich beleuchtet werden.

Der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Michael Kretschmer erklärte, sein Ziel sei eine breite Bürgerbeteiligung in Blogs, Foren und sozialen Netzwerken. Auch ein offenes Wiki soll zum Einsatz kommen. "Das Internet ist Teil unseres Alltagslebens und unseres Rechtssystems, und es gilt sicherzustellen, dass alle Bürger gleichermaßen die Möglichkeit haben, an der digitalen Entwicklung teilzuhaben", sagte er. Die Kommission solle Fragen der Medienkompetenz und Medienerziehung klären, sowie die Bereiche Kultur, Recht, Innovation, Verbraucherschutz und Wirtschaft untersuchen.

Die FDP hat parallel eine eigene Website gestartet. Auf open-enquete.de wollen die FDP-Mitglieder von ihrer Arbeit berichten und bitten die Netzgemeinde um Beteiligung.

Piraten wollen außerparlamentarische Enquete

Die Piratenpartei kritisiert die Enquete-Kommission als "Alibi-Veranstaltung" - noch bevor diese ihre Arbeit überhaupt aufgenommen hat. Deutschland habe keinen Bedarf nach weiteren "Schwatzrunden" zum Thema Internet, sondern netzpolitischen Handlungsbedarf, poltert Nico Kern, Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen. Die Internetkommission sei überflüssig, sie dürfe sich weder mit heißen "Interneteisen" wie dem Abmahnwesen, noch mit dem Jugendmedienschutz-Staatsvertrag beschäftigen.

In diese Kerbe schlägt auch die SPD-Fraktion: Auf ihrer Website ätzt die Oppositionspartei, dass es der Union nicht besonders ernst sei mit der Enquete-Kommission und es sich dabei "vor allem um einen symbolischen Akt handelt, um die Internetcommunity zu beschwichtigen". So würden die entscheidenden Fragen ohnehin in den zuständigen Ausschüssen des Bundestags verhandelt - und nicht in der heute eingesetzten Enquete.

Die Piratenpartei, offenbar reichlich beschwingt von ihrem Zwei-Prozent-Achtungserfolg bei der Bundestagswahl, will nun gemeinsam mit anderen Netzaktivisten den Bundestag mit Initiativen von außen "auf den richtigen Weg" bringen. Außerdem wollen sie eine alternative Enquete-Kommission gründen - müssen sich allerdings auf einen harten Wettbewerb gefasst machen. Denn auch die Parteien buhlen um profilierte Netzexperten.

Mindestens eine Netzaktivistin hat sich bereits entschieden: Constanze Kurz vom Chaos Computer Club steht als Sachverständige für die Linke fest, berichtet politik-digital.de.

ore/apn/ddp

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 9 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
05.03.2010 von Button: ?

Vielleicht weil "poltern" nicht "sprechen" oder "sagen" bedeutet, sondern eher "schimpfen" oder "schelten". Nicht unpassend und nicht negativ. So what? mehr...

04.03.2010 von Zweck-Los: Dein Internet, das unbekannte Wesen

Ohne den Beschluss des Bundestags überhaupt zur Kenntnis genommen zu haben, stösst mir sauer auf, dass der Bundestag erst etwas beschliessen muss, um etwas zu begreifen. mehr...

04.03.2010 von Peselius: Weltweite Standards bei der Netzregulierung

Leider wurde folgendes Zitat von Herrn Kretschmer im Artikel nicht erwähnt, zeigt es doch die Inkompetenz auf diesem Gebiet recht deutlich: Herr Kretschmar erwartet "ganz konkrete Ansätze", um zu "weltweiten [...] mehr...

04.03.2010 von judäer: Die Form der Darbietung hat sich gewandelt

Das Internet entwickelt sich mit einer Geschwindigkeit, dass die Gesetzgebung fast nicht hinterherkommt. Im weltweiten Netzwerk schien die Gesetzgebung ausgehebelt zu sein. Was sonst verpönt wäre, scheint im öffentlichen Internet [...] mehr...

04.03.2010 von Jeeeves: Spiegel poltert

Wieso "poltert" der Piratenpartei-Mann? Weil er dem Spiegelschreiber unsympatisch ist? Ihm die ganze Richtung dieser Partei nicht passt? Und weil "poltern" geiler als "sagen", "sprechen" [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
alles aus der Rubrik Netzpolitik
alles zum Thema Bundestag

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



ABGEORDNETE IN DER ENQUETE
Union
1. Axel E. Fischer (Vorsitzender)
2. Reinhard Brandl
3. Ansgar Heveling
4. Thomas Jarzombek
5. Jens Koeppen
6. Peter Tauber
FDP
7. Manuel Höferlin
8. Sebastian Blumenthal
9. Jimmy Schulz
SPD
10. Martin Dörmann
11. Johannes Kahrs
12. Lars Klingbeil
13. Aydan Özoguz
Grüne
14. Konstantin von Notz
15. Tabea Rößner
Linke
16. Herbert Behrens
17. Halina Wawzyniak
Nach Informationen von politik-digital.de

Hintergrund

Enquete-Kommissionen sind parlamentarische Gremien im Bundestag und in Landtagen. Im Gegensatz zu Ausschüssen gehören ihnen nicht nur Abgeordnete, sondern auch externe Sachverständige an. Eine «Enquete» (französisch für Untersuchung) soll wichtiges Material zusammentragen und gesetzgeberische Entscheidungen über umfangreiche und bedeutsame Sachkomplexe vorbereiten.

Mehr auf SPIEGEL ONLINE






TOP



TOP