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10.03.2010
 

Politische PR

Das Weiße Haus zwitschert

Offenbar ansteckend: Barack Obama ist der kommunikativste US-Präsident aller ZeitenZur Großansicht
AP

Offenbar ansteckend: Barack Obama ist der kommunikativste US-Präsident aller Zeiten

Die US-Präsidentschaftswahl gewann Barack Obama einst auch deshalb, weil er unmittelbarer als jeder US-Politiker vor ihm mit seinen Unterstützern kommunizierte. Als Präsident ist er inzwischen im Polit-Alltag angekommen und seltener Online - dafür zwitschert inzwischen das ganze Weiße Haus.

Washington - Eine Pressemitteilung aus dem Weißen Haus? Das war gestern. Heute twittern Regierungssprecher Robert Gibbs und sein Stellvertreter Bill Burton die Neuigkeiten über POTUS in alle Welt. POTUS ist die Abkürzung für "President of the United States".

Mit mehr als 35.000 beziehungsweise 6000 Followern reichen Gibbs und Burton noch nicht an die Anhängerschaft von Filmschauspielern oder Sportlern heran - Ashton Kutcher etwa hören 4,6 Millionen bei Twitter zu, wenn er mitteilt, dass er gerade Lady Gaga getroffen habe und sehr beeindruckt sei. Aber dafür berichten Gibbs und Burton, was der Präsident gerade macht.

"Wow unreal game... POTUS watched OT in his office right off the Oval Office", twitterte Gibbs über das olympische Finale im Eishockey zwischen den USA und Kanada - OT war die Verlängerungszeit (Overtime) bei dieser Entscheidung, die den USA letztlich nur die Silbermedaille brachte.

Auch die Regierungssprecher im Weißen Haus gehen spielerisch mit Twitter um, so dass mancher Tweet nur von Insidern zu verstehen ist. So twitterte Burton, als es beim Eishockey noch unentschieden stand: "Tied! White House response, on bgnd, from a low- to midlevel administration official: USA! USA! USA!" - "bgnd" bedeutet "on background" und spielt auf eine übliche Praxis im Umgang der Regierung mit Journalisten an, wenn ein Beamter namentlich nicht genannt werden will.

Völlig gewandelte Kommunikationskultur

Auch an anderen Ecken des Weißen Hauses wird fleißig getwittert. Aus der großen weiten Welt der Diplomatie berichten UN-Botschafterin Susan Rice und der Staatssekretär im Außenministerium, Arturo Valenzuela. Handelsminister Gary Locke freut sich über einen Besuch von Michelle Obama und begrüßt die erst seit kurzem twitternde Leiterin der Umweltbehörde EPA, Lisa Jackson. Und Verkehrsminister Ray LaHood wendet sich auf Twitter nicht nur an die Öffentlichkeit, sondern auch ganz gezielt an die eigenen Mitarbeiter im Department of Transportation (DOT): "Welcome back, furloughed DOTers!"

Sie alle haben erkannt, dass sich die Regierung derselben Mittel bedienen muss wie Journalisten und Kritiker. Manchmal wirken ihre Tweets noch etwas ungelenk, und Gibbs gesteht freimütig ein: "Da gibt es offenbar eine ganz eigene Sprache, mit Ziffern und Symbolen, die mir bisher entgangen ist. Ich bin sicher, dass mir mein Sohn das viel besser beibringen kann, als wenn ich mir alles selbst aneigne."

Aber die Berater von Präsident Barack Obama lernen schnell. So kündigten sie im vergangenen Jahr die erste Pressekonferenz des neuen Amtsinhabers auf Twitter an. Und Burton twittert manchmal, um Ausführungen seines Chefs Gibbs klarzustellen, wenn sich dieser am Rednerpult im Weißen Haus missverständlich ausgedrückt hat. Auch weisen die twitternden Regierungsmitglieder ihre Follower auf Medienberichte im Netz hin, die sie besonders gut finden.

Auf eine Direct-Message-Anfrage zur Nutzung von Twitter erklärte Burton: "@PressSec is using this new medium in a way that gets information out quickly and effectively tracks what is on the minds of our press corps" - der Sprecher des Weißen Hauses nutzt dieses neue Medium, um schnell Informationen zu verbreiten und wirksam zu verfolgen, was Journalisten beschäftigt.

Und Obama? Muss sich heute stärker zurückhalten

Das sind bereits andere Motive als noch im Wahlkampf. Damals nutzte Obama Twitter und weitere Möglichkeiten sozialer Netzwerke, um eine direkte Bindung zu Wählern aufzubauen.

Und wie twittert Obama heute? Der Präsident hat zum einen seinen persönlichen Account namens BarackObama, wo aber auch seine Berater schreiben. Zum anderen gibt es den offiziellen Twitter-Account des Weißen Hauses, WhiteHouse, dessen Tweets ebenso behandelt werden wie andere politische Dokumente der Regierung. "All dies ist grundsätzlich völlig neu für eine Regierung", sagt Regierungssprecher Nick Shapiro, "ist aber zum Standard für den Betrieb im Weißen Haus geworden".

Über den größten Teil der Geschichte hinweg habe die Regierung über Medien und Interessengruppen mit der Öffentlichkeit kommuniziert. Inzwischen werde mehr und mehr auch der direkte Kontakt möglich. So verfolgten im Herbst vergangenen Jahres 60.000 Menschen auf der Website des Weißen Hauses eine Rede Obamas zur Gesundheitsreform. Anschließend blieb jeder dritte weiter auf der Website, um sich mit Regierungsvertretern darüber auszutauschen. Zumindest die Regierung hat davon profitiert, wie der Direktor für neue Medien im Weißen Haus, Macon Phillips, erklärt: So habe die Regierung "eine Vorstellung bekommen, welche Fragen die Öffentlichkeit in Rohform hat".

Philip Elliott, APN

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