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10.03.2010
 

Großbritannien

Köter mit Chips

"Der will doch nur spielen": Ein Hund kann eine tödliche Waffe sein - und wird von zu vielen Haltern auch als Waffe eingesetzt. Per RFID-Chip könnte man Herrchen und Hund auch aus leichter Distanz identifizierenZur Großansicht
DPA

"Der will doch nur spielen": Ein Hund kann eine tödliche Waffe sein - und wird von zu vielen Haltern auch als Waffe eingesetzt. Per RFID-Chip könnte man Herrchen und Hund auch aus leichter Distanz identifizieren

Englands Regierung will Hunden RFID-Chips einspritzen lassen. Was Datenschützern Sorgen macht, freut nicht nur Postboten: Damit bekommen beißwütige Tölen quasi einen Ausweis, über den sich Hund und Herrchen problemlos identifizieren ließen.

London - Alle schätzungsweise acht Millionen britischen Hunde sollen nach dem Willen der Regierung künftig einen Mikrochip tragen. Zudem ist eine obligatorische Versicherung für Hundebesitzer geplant. Innenminister Alan Johnson sagte am Dienstag, die neuen Bestimmungen richteten sich insbesondere gegen unverantwortliche Halter, die gefährliche Tiere zur Einschüchterung einsetzten.

Tierschützer sowie leidgeprüfte Briefträger und Mitarbeiter von Telekommunikationsfirmen im Außendienst begrüßten den Plan, der wahrscheinlich nicht mehr vor der Parlamentswahl als Gesetz verabschiedet werden kann. Die Gewerkschaft der Beschäftigen in der Kommunikationsbranche begrüßte den Vorstoß und erklärte, viele ihrer Mitglieder würden regelmäßig von Hunden gebissen.

Dylan Sharp von der Bürgerrechtsorganisation Big Brother Watch erklärte dagegen, das Gesetz führe nur zu "noch mehr Überwachung und andauerndem Daten-Sammeln durch die Regierung, die so viel Informationen über uns haben will wie möglich". Die oppositionellen Konservativen warfen der Regierung vor, mit der Versicherungspflicht Millionen gesetzestreuer Hundehalter finanziell zu bestrafen.

Es wird schwieriger, sich aus der Haftung zu stehlen

Innenminister Johnson sagte, die Chip-Pflicht werde es erleichtern, die Halter aufzuspüren, deren Hunde in Angriffe verwickelt seien. Die Versicherung sorge für eine Entschädigung der Opfer.

Den Tierschützern der Royal Society for the Prevention of Cruelty to Animals zufolge hat sich die Zahl der Beschwerden über Zwischenfälle mit Hunden von 2004 bis 2008 verzehnfacht. Aufsehen erregte der Fall des vier Jahre alten John-Paul Massey, der von einem Pitbull im Haus seiner Großmutter zu Tode gebissen wurde.

Im vergangenen Jahr machte Londons Vize-Bürgermeister Kit Malthouse gegen "Hunde als Waffe" mobil. Schon jetzt haben viele Haustiere in Großbritannien einen Mikrochip zwischen den Schultern. Damit kann ein eigensinniger Hund leichter wiedergefunden werden, wenn er sich verlaufen hat. Nach Angaben der RSPCA wurden im vergangenen Jahr etwa 70.000 Haustiere mit einem Chip ausgestattet.

In Deutschland ist man übrigens schon weiter: Hier gilt in einigen Bundesländern bereits jetzt eine Chip-Pflicht für Hunde. Auch in anderen europäischen Staaten, etwa Luxemburg und Österreich, müssen Hunde mit RFID-Chips ausgestattet werden.

Raphael Satter, apn

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