Frage: Herr Berg, heute schon gebingt?
Achim Berg: Gerade eben, vor zwei Minuten.
Frage : Was haben Sie denn gesucht?
Berg: Ich habe mir einen Aufsichtsrat von BMW rausgesucht. Und habe ihn auch gefunden.
Frage : Wäre das bei Google anders gewesen?
Berg: Google hätte den Aufsichtsrat sicher auch gefunden. Grundsätzlich macht mich aber die riesige Anzahl an Suchergebnissen bei Google wahnsinnig. Wenn ich 143.000 Treffer habe, kann ich wenig damit anfangen. Bing hat mich dagegen bei meiner Suche eben genau dahin geführt, wo ich hinwollte.
Frage : Die EU-Kommission hat vor Kurzem entschieden, dass Microsoft das Yahoo-Suchgeschäft übernehmen darf. Was bedeutet das für Ihre Suchmaschine?
Berg: Die Entscheidung der EU ist für uns sehr wichtig, denn erst jetzt können wir konkret damit beginnen, die Zusammenarbeit vorzubereiten. Das wird höchste Zeit, denn zurzeit sind wir mit Bing in Deutschland noch im Beta-Status. In den nächsten Monaten soll sich das ändern. Bing soll noch treffsicherer und genauer werden.
Frage : Haben Sie den Aufsichtsrat doch nicht gefunden, oder warum?
Berg: Doch, das habe ich. Bing ist in Deutschland heute schon gut, zum Beispiel die Suche von Bildern oder Videos. Aber in den englischsprachigen Ländern sind wir deutlich weiter. Es gibt dort etwa eine Navigationsleiste, in der die Suchergebnisse nach Videos, Fotos und so weiter sortiert sind. Aber generell sind wir alle im Thema Suche noch ganz am Anfang. Ich erwarte in den nächsten Jahren gerade hier gewaltige Technologiesprünge.
Frage : In Deutschland ist Bings Marktanteil bislang unterirdisch: Gemeinsam mit Yahoo liegt er bei unter fünf Prozent. Welchen Anteil streben Sie in diesem Jahr an?
Berg: Wir erwarten für Europa einen stark wachsenden Marktanteil. Wie hoch genau wir ihn einschätzen, möchte ich nicht sagen. Der Markt in Großbritannien wird in Europa den Anfang machen, denn dort sind die sprachlichen Anpassungen gering. Wir hoffen, dass Frankreich und Deutschland nachziehen.
Frage : Gab es jemals Erwägungen, das Suchmaschinengeschäft angesichts des geringen Marktanteils aufzugeben?
Berg: Nein, das war nie eine Option. Wenn Microsoft in einen Markt einsteigen will, dann steigen wir auch ein. Der Werbemarkt ist 500 Milliarden Dollar schwer, und ein immer größerer Anteil geht in die Onlinewerbung. Mit Werbung wird doppelt so viel Umsatz gemacht wie mit Software. Von dem Kuchen wollen wir ein faires Stück abhaben.
Frage : Können Sie Google gefährlich werden?
Berg: Wir wollen Google Marktanteile abnehmen, ganz klar. Unser Ziel ist es, im Suchmaschinenmarkt starker Zweiter zu werden.
Die Fragen stellte Anja Tiedge. Eine Langversion des Interviews erschien bei manager magazin (siehe Linkliste).
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