ThemaFacebookRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
06.04.2010
 

Kritik an Facebook

Aigner legt nach

Facebook: Eines der sozialen Netzwerke, in dem so mancher User vergisst, wie viele Daten er der Öffentlichkeit eigentlich preisgibt.Zur Großansicht
AFP

Facebook: Eines der sozialen Netzwerke, in dem so mancher User vergisst, wie viele Daten er der Öffentlichkeit eigentlich preisgibt.

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner erntet für ihren Angriff auf Facebook Kritik. Aufgrund von Datenschutzbedenken drohte sie mit dem Austritt aus dem Social Network. Dies stuft der Chaos Computer Club als Armutszeugnis ein. Nun erhöht Aigner den Druck.

Berlin - "Ilse teilt nur einige ihrer Profilinformationen mit allen." So heißt es auf der Facebook-Seite von Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU). Jugendliche warnt sie davor, zu viel von sich im Internet preiszugeben - zum Beispiel in sozialen Netzwerken wie Facebook. Die 45-Jährige hat zwar Fotos von sich selbst ins Netz gestellt, allerdings sind es solche von Wahlkampfauftritten oder Besuchen im Wahlkreis. Private Bilder: Fehlanzeige. Auf ihrem Profil findet sich auch der Brief an Facebook-Chef Mark Zuckerberg, dem sie mit dem Ende ihrer Mitgliedschaft droht. Privates müsse privat bleiben, schreibt Aigner.

Die Bundesverbraucherministerin hatte Facebook mit einer Kündigung ihrer Mitgliedschaft gedroht, falls Daten der Nutzer künftig an Firmen weitergegeben werden können, ohne dass die Betroffenen eingewilligt haben.

Der Chaos Computer Club (CCC) hält soziale Netzwerke für "Kraken", die Daten von Nutzern sammeln. "Internet ist Internet, es gibt da keine Begrenzung", sagt CCC-Sprecher Frank Rosengart. Die Drohung von Aigner halten die Experten für ein Armutszeugnis, weil die wirtschaftlichen Absichten der Netzwerke doch offensichtlich seien. "Die Politik kann vielleicht mit Wattebällchen werfen oder den Finger heben. Das interessiert Facebook nicht am geringsten."

Die Politik hat nach Ansicht der Internetexperten des Chaos Computer Clubs aber kaum Möglichkeiten, die Praxis zu ändern. "Die Facebook-Nutzer haben mit dem amerikanischen Unternehmen eine Nutzungsvereinbarung", sagte Rosengart. Damit unterliege das Netzwerk nicht deutschem Recht. "Dass Datenschutzbestimmungen zu Ungunsten des Nutzers verändert werden, ist nichts Neues", sagte Rosengart. Aigner müsse dies wissen.

Sie fordert trotz dieser Reaktion nun ein sofortiges Signal für mehr Datenschutz von Facebook. "Ich erwarte, dass Facebook umgehend reagiert, zumal die Kritik von Seiten der Nutzer immer lauter wird", erklärte sie.

Kritik der Facebook-Nutzer

Mal wieder steht das amerikanische Unternehmen mit mehr als 400 Millionen Mitgliedern weltweit im Zentrum einer Datenschutzdebatte. Kritiker der neuen Datenschutzrichtlinie monieren vor allem, Facebook wolle Daten an Dritte, sprich Partnerunternehmen im Internet weitergeben, ohne bei den Mitgliedern ausreichend um Erlaubnis zu fragen. Eine deutsche Sprecherin bestreitet dies - es gehe lediglich um die Weitergabe an Unternehmen, die zu einem engen Netzwerk rund um Facebook gehörten.

Tausende Nutzer haben bis zum Wochenende von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, den Vorschlag für die neuen Datenschutzrichtlinien zu kommentieren. "Lehne jegliche Weitergabe meiner Daten ab. Wir brauchen hier mehr Transparenz! Ich will entscheiden, was ich wem und wie freigebe", schrieb einer auf den deutschsprachigen Facebook-Seiten. Viele andere berufen sich auf Paragraf 28 des Bundesdatenschutzgesetzes, nach dem ihre Daten nur an Werbetreibende weitergegeben werden dürfen, wenn sie zustimmen.

Welche "Partner" sollen die Facebook-Daten künftig nutzen können? Facebook-Sprecher Barry Schnitt schreibt in einem Blog-Eintrag, dazu gehörten etwa die Konzerne Yahoo, AOL und der Fernsehsender CNN. Mit jedem Unternehmen werde Facebook klare vertragliche Bedingungen aushandeln. Noch sei nicht genau entschieden, für welche neuen Anwendungen die Daten demnächst genutzt würden. Doch es müsse den Nutzern auch klar sein, dass sie sich etwa mit ihrem echten Namen im Internet zeigten. Facebook habe immer Wert darauf gelegt, dass seine Nutzer sich authentisch, nicht unter Pseudonym präsentieren.

Erhebliche Mängel festgestellt

Die Community hält sich selbst zugute, über Änderungen beim Datenschutz- wie bereits im Dezember - offen mit seinen Nutzern zu diskutieren. Doch von der Stiftung Warentest musste sich Facebook vor rund zwei Wochen harsche Kritik gefallen lassen. Sie attestierte dem Unternehmen aus Kalifornien "erhebliche Mängel" beim Datenschutz. Wie auch MySpace, LinkedIn und dem Business- Netzwerk Xing.

mir/dpa

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 13 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
19.08.2011 von Hamberliner: Re: Wer ist denn auch so blöd da allzuviele richtige Angaben zu machen

Das lässt sich steigern. Selbstverständlich bin ich nicht bei Facebook. Sollte ich einmal zuviel Zeit haben, werde ich unter faschem Namen ein Profil anlegen und meine Verbrauchergewohnheiten offenlegen: Am liebsten trinke ich [...] mehr...

19.08.2011 von nibbes: gequake

was soll denn das gequake hier. wir sind frei - ich kann mitmachen oder auch nicht. ich kann mich anmelden und wieder abmelden. ich kann die unfreiwillig erhaltene werbung anschauen und wegwerfen oder auch nicht. und das gequake [...] mehr...

19.08.2011 von soundsowas: Superstasi

ich bezeichne Gesichtsbuch als eine Art Superstasi, geht es doch darum möglichst von allen Erdenbewohnern alle Daten zu erlangen um eine Massenmanipulatin zu verwirklichen mehr...

07.05.2010 von popcornhexe: Facebook zerschlagen!

Das Problem ist nicht, dass man das nicht braucht, sondern dass Facebook über einen sozialen Druck den Eindruck erweckt, als würde man es brauchen. Das geht so weit, dass ich, wenn ich mit Kollegen aus dem Ausland spreche, diese [...] mehr...

22.04.2010 von gunman: Web-Herrschaft?

Face-Book greift zur Web-Herrschaft, lese ich gerade? http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,690506,00.html Was macht man denn da eigentlich? Sich für den Rest der Menscheit durchsichtig und "anklickbar"? Wie [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
alles aus der Rubrik Netzpolitik
alles zum Thema Facebook

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Die bekanntesten Netzwerke

Facebook

Facebook
Facebook ging Anfang 2004 als soziales Netzwerk für Harvard-Studenten online. Zunächst konnten nur Menschen mit E-Mail-Adressen ausgewählter US-Hochschulen Mitglieder werden, seit 2006 ist die Seite für alle Über-13-Jährigen offen. Nach eigenen Angaben hat Facebook derzeit 600 Millionen aktive Mitglieder weltweit.(Stand: Januar 2011). Mehr zu Facebook auf der Themenseite...

WKW

MySpace

Xing

StudiVZ

Lokalisten

Spin.de

So geht das auf Facebook






TOP



TOP