SPIEGEL ONLINE: Wer entscheidet bei WikiLeaks überhaupt, was veröffentlicht wird und was nicht?
Schmitt: Wenn etwas den Kriterien entspricht, dann wird es veröffentlicht.
SPIEGEL ONLINE: Das klingt sehr vage. WikiLeaks-Mitbegründer Julian Assange hat der Londoner "Times" gesagt, er selbst treffe die endgültige Entscheidung, welches Dokument "authentisch" sei und welches nicht. Wird WikiLeaks autokratisch regiert?
Schmitt: Als unser investigativer Kopf ist Julian natürlich in die Entscheidung involviert. Aber wir beziehen auch externe Experten ein.
SPIEGEL ONLINE: Aber wenn Julian Assange sagt, "ich glaube nicht an dieses Material", wird es nicht veröffentlicht?
Schmitt: Bisher hatten wir noch keinen Fall, bei dem er sich mit allen anderen uneins gewesen wäre und dann eine diktatorische Entscheidung getroffen hätte. Das halte ich auch künftig für ausgeschlossen. Wir diskutieren jeden Fall: Außer Julian und mir gibt es noch drei Vollzeit-Kollegen - und unser loses Netzwerk von knapp tausend Spezialisten, die wir bei konkreten Fragen einbeziehen. Außerdem haben wir ein technisches Team, das abgekoppelt von allen anderen arbeitet. Nicht mal ich habe Kontakt zu denen.
SPIEGEL ONLINE: Das klingt nach Geheimdienstmethoden.
Schmitt: Wenn Sie eine nicht zensierbare Plattform aufbauen wollen, müssen Sie sicherstellen, dass nicht mal jemand wie ich die Standorte alle Server kennt. Mich könnte ja jemand dazu zwingen, die Standorte zu verraten, im schlimmsten Fall, indem er mich foltert.
SPIEGEL ONLINE: Fürchten Sie, dass es dazu kommen könnte?
Schmitt: In Deutschland halte ich das für extrem unwahrscheinlich. Aber in Afrika gab es schon Übergriffe auf Menschen, die mit uns zusammenarbeiten. Zwei Menschenrechtsanwälte haben mit ihrem Leben bezahlt, sie wurden in Kenia auf offener Straße erschossen, nachdem sie in Zusammenarbeit mit uns einen Bericht über politische Morde durch die Polizei veröffentlicht hatten.
SPIEGEL ONLINE: Und Sie meinen, Ähnliches könnte auch bei anderen Fällen passieren? Haben Sie selbst beispielsweise Angst, entführt zu werden?
Schmitt: Wir müssen uns in jedem Fall auf eine Situation vorbereiten, in der wir ein derart brisantes Dokument zugespielt bekommen, dass jemand ein echtes Problem hat. Das Irak-Video und auch einige unserer in Zukunft geplanten Veröffentlichungen bringen Geheimdienste in die Bredouille. Und die arbeiten potentiell auch mit solchen Methoden.
SPIEGEL ONLINE: Verfolgen Sie mit WikiLeaks also eine politische Agenda?
Schmitt: Nein. Unsere Agenda besteht darin, dass wir die Wirkung, die das jeweilige Material hat, maximieren. Das ist weder links noch rechts. Wir sind neutral gegenüber dem Inhalt des Materials - wir wollen nur, dass er möglichst viel Positives bewirkt.
SPIEGEL ONLINE: Sie haben in der Vergangenheit die Kinderpornografie-Sperrlisten mehrerer Länder veröffentlicht...
Schmitt: ...ja, aus Dänemark, Norwegen, Finnland, Australien und anderen Ländern.
SPIEGEL ONLINE: Sie haben das so begründet: Die Listen würden zeigen, dass dort viele Web-Seiten auftauchen, die gar keine Kinderpornografie enthalten. Nehmen wir einmal an, jemand spielt Ihnen einen Katalog mit konkreten Bilddateien zu, die für Fahndungszwecke gespeichert wurden. Nehmen wir an, darunter wären brutale kinderpornografische Abbildungen, aber auch relativ harmlose Bilder. Würden Sie dieses Bildmaterial mit derselben Begründung veröffentlichen?
Schmitt: Ich würde das nicht als Dokument im eigentlichen Sinn betrachten. Darüber müssten wir reden, das kann ich so nicht beantworten.
SPIEGEL ONLINE: Ein anderes fiktives Beispiel: Nehmen wir an, jemand spielt Ihnen ein Dokument zu, das ein Geheimdienst erstellt hat und das die Namen aller Mitarbeiter von WikiLeaks enthält. Würden Sie es veröffentlichen?
Schmitt: Wir müssten sicherstellen, dass alle diese Leute informiert werden - und ja: Dann müssten wir die Liste publizieren.
SPIEGEL ONLINE: Wenn Ihnen Transparenz so wichtig ist - warum veröffentlichen Sie die WikiLeaks-Mitgliederliste nicht einfach selbst?
Schmitt: Darauf arbeiten wir hin. Aber wir brauchen Mechanismen, die sicherstellen, dass wir damit unsere Quellen - übrigens auch technische Hilfsmittel - nicht gefährden. Solange wir diese Sicherheit nicht haben, müssen wir auf eine gewisse Obskurität als Sicherheitsmechanismus vertrauen. Es ist aber nur eine Frage der Zeit und der Ressourcen, dass sich das ändert.
Das Interview führte Christian Stöcker
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Sehr geehrter Forist, ich teile Ihre Einschätzung in keinster Weise. Ich halte das dort Vorgefallene für ein Kriegsverbrechen. Alleine die Kommentare machen deutlich, wie krank Krieg Soldaten macht, das ist an [...] mehr...
Sorry - ich habe beim Link einen Fehler gemacht, leider kann man hier nicht editieren. Cryptome verfolgt ein ähnliches Konzept wie Wikileaks, nur der Herausgeber John Young sateht als Person für seine Enthüllungen auch ein. [...] mehr...
Nun ja, einen Betreiber einer Seite unseriös zu nennen, als Referenz eine andere Seite zu präsentieren die dann aber nicht erreichbar ist..... wie soll man das nun nennen? Zumindest Technisch haben die Jungs von Wikileaks [...] mehr...
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