ThemaNPDRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
12.05.2010
 

Online-Demonstration

100.000 Facebook-Nutzer klicken gegen Neonazis

Von Ole Reißmann

Neonazi-Aufmarsch am 1. Mai in Berlin: Die NPD sammelt Facebook-FreundeZur Großansicht
Getty Images

Neonazi-Aufmarsch am 1. Mai in Berlin: Die NPD sammelt Facebook-Freunde

Rechtsextremisten rotten sich auf Facebook zusammen - das wollen mehr als 100.000 Mitglieder des Netzwerks nicht länger hinnehmen. Sie protestieren gegen die offizielle NPD-Präsenz und fordern Facebook auf, die Seite zu löschen. Bisher allerdings vergeblich.

So sehen Nazis aus: Auf der Facebook-Seite der NPD bekennen sich mehr als tausend Nutzer zu der rechtsextremen Partei. Viele mit ihrem richtigen Namen nebst passendem Foto. Sie zeigen Muskeln, Tätowierungen oder T-Shirts mit Fraktur-Beschriftung. Das ist ganz im Sinne der Partei: Vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen ereilte die NPD-Mitglieder die Order, die virtuellen Masken fallen zu lassen und sich offen zur Partei zu bekennen. Der Erfolg ist eher bescheiden, der virtuelle Ortsverein der Rechtsextremen konnte nur 300 Fans hinzugewinnen.

Die Gegner der NPD sind erfolgreicher: Seit vier Tagen sammeln sie sich in einer eigenen Facebook-Gruppe. Mehr als 100.000 Mitglieder fordern "Kein Facebook für Nazis", auch hier die meisten mit ihrem richtigen Namen und einem eigenen Foto.

Auf Facebook treffen die Gruppen aufeinander - ganz ohne Polizei, die sonst Aufmärsche von Neonazis zum Teil rabiat gegen Störer aus dem Linken Spektrum verteidigen muss. Auf Facebook findet die Konfrontation ganz ohne Ordnungshüter statt, hier steht Profilbild gegen Profilbild. Derzeit kommen auf jeden NPD-Anhänger rund hundert Gegner. Mehr als neun Millionen Mitglieder zählt Facebook in Deutschland, damit haben sich rund 1,1 Prozent der Nutzer dem Protest angeschlossen. Sie wollen, dass Facebook die NPD-Seite löscht - doch laut Facebook-Regeln ist gegen die NPD-Präsenz im sozialen Netz nichts auszusetzen.

Denn Facebook geht nur gegen Inhalte vor, die gegen Gesetze verstoßen. Die NPD-Seite mag zu einem Online-Massenprotest führen - solange die Rechten nicht zur Hatz gegen Andersdenkende aufrufen, hält das amerikanische Netzwerk die freie Meinungsäußerung hoch und macht nicht von seinem Hausrecht gebrauch. Auch nicht, wenn 100.000 Nutzer protestieren.

Dass es auch anders geht, zeigt die Facebook-Konkurrenz aus Deutschland. Bei den VZ-Netzwerken will man Rechtsextremisten keine Plattform bieten. "Rechtsextreme oder extremistische Inhalte und Profile sind bei uns verboten. Dazu zählt bei uns auch die NPD", sagt eine Sprecherin der VZ-Netzwerke. Man gehe jedem Hinweis nach und lösche gegebenenfalls Gruppen und Profile.

Geschmack zählt nicht

Diese rigorose Haltung gab es bei StudiVZ nicht von Anfang an: Im Herbst 2007 schlugen Tausende Mitglieder den Betreibern der Seite vor, rechtsextreme Inhalte zu löschen - doch dazu wollte man sich damals nicht entschließen, sprach von extremistischen Meinungen, die eine Gesellschaft aushalten müsse. Die NPD sei doch als Partei auch nicht verboten, in den Beiträgen auf der Seite könne man nichts Verfassungsfeindliches finden. Die Gegner der Rechten mobbten die Neonazis schließlich so lange, bis diese entnervt aufgaben und ihre NPD-Gruppe von selbst zurückzogen. Nach harscher Kritik greifen die Betreiber der VZ-Netzwerke mittlerweile durch und schmeißen die Rechten raus, so sie denn auffällig werden.

Geschmacksfragen zählen, anders als bei den in Berlin ansässigen VZ-Netzwerken, bei der amerikanischen Firma Facebook nicht. Das ahnen wohl auch einige der 100.000 Online-Demonstranten: Sie rufen dazu auf, die Facebook-Seite der NPD mit möglichst viel Unsinn zu verstopfen. Anders als eine Straßenblockade können die NPD-Fans diesen zivilen Ungehorsam allerdings mit ein paar Klicks einfach ausblenden.

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 87 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
09.06.2010 von Jule2005: .

Richtig, aber das ignoriert der Spiegel lieber und berichtet stattdessen über den Widerstand gegenüber der NPD. mehr...

08.06.2010 von aubrac: .....

Nun auf facebook rotten sich vor allem Antisemiten zusammen, die 'Israel von der Landkarte tilgen' wollen. Dabei bedienen sie sich radebrechend und legasthenisch des Vokabulars des 3. Reiches. Die stehen aber nicht unbedingt [...] mehr...

08.06.2010 von CAJ: Nett

Facebookkarikatur: http://joschuacohen.files.wordpress.com/2010/06/demoseuropa2.png mehr...

08.06.2010 von CAJ: Wo ?

Wo bleibnen denn jetzt diese 100.000 Mitglieder , nachdem selbst der Spiegel "bemerkt" hat wieviel wiederliche Judenhetze sich da versammelt und vor allem wer die verbreitet ? (Kleine Hilfe, es sind keine bis wenige [...] mehr...

17.05.2010 von Commander69: Geld

Gib einem Menschen Geld und Macht und du siehst sein wahres ich! mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
alles aus der Rubrik Netzpolitik
alles zum Thema NPD

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Facebook: Das Weltnetz

Mitglieder

Facebook
Facebook ging Anfang 2004 als soziales Netzwerk für Harvard-Studenten online. Zunächst konnten nur Menschen mit E-Mail-Adressen ausgewählter US-Hochschulen Mitglieder werden, seit 2006 ist die Seite für alle Über-13-Jährigen offen. Nach Angaben von Goldman Sachs hatte Facebook Anfang 2011 600 Millionen Mitglieder weltweit, nach eigenen Angaben loggt sich jeden Tag die Hälfte von ihnen auf der Seite ein (Stand: Januar 2011).

Plattform

"Mir gefällt das"

Geschäft

Firmenwert

Hollywood







TOP



TOP