Die Oscar-Nacht wurde zu einem Triumph für Kathryn Bigelow: Während ihr Ex-Mann James Cameron mit seinem "Avatar", einer Art 3-D-Monumental-Action- Winnetou in Blau, zwar Kassenrekorde aufstellte, dafür aber nicht mit Preisen überhäuft wurde, war das bei ihr umgekehrt. Ihr Irak-Kriegsdrama "The Hurt Locker" (deutscher Titel: "Tödliches Kommando") wurde sechsfach Oscar-prämiert, obwohl ihn im Kino nur wenige sehen wollten. Mit einem Netto-Einspielergebnis von 16 Millionen Dollar wurde "Hurt Locker" zum umsatzschwächsten Film, der je den Preis für den besten Film des Jahres bekommen hatte.
In den Tagen nach der Preisverleihung begann die Ursachensuche. Schnell schoss man sich auf das Internet ein: Tatsächlich gehörte "Hurt Locker" über Monate zu den beliebtesten Downloads bei diversen Torrent-Suchseiten, ohne allerdings Rekorde aufzustellen - "Avatar" beispielsweise wurde und wird weit häufiger illegal über das Netz verteilt. Ungewöhnlich an der Verteilung des Kriegsfilms war allein der Zeitpunkt: Als normal gilt inzwischen, dass große Filme mitunter ein, zwei Wochen vor ihrem Kinostart auftauchen, bei Bigelows Werk aber waren es etliche Wochen.
Damit, argumentiert nun die Produktionsfirma Voltage Pictures, sei bereits vorab ein so großer Teil der Nachfrage bedient worden, dass der Kassenerfolg litt.
Der Vertrieb versagte
Was man natürlich auch auf einen reichlich miesen Vertrieb zurückführen könnte: "The Hurt Locker" wurde über zehn Monate nur auf Festivals gezeigt, bevor er in den USA seinen Kinostart erlebte. Zu diesem Zeitpunkt gab es in einzelnen anderen Ländern bereits DVD-Releases, was seine ungewöhnlich frühe Verbreitung in den Börsen erklärt. In seinen ersten Wochen der Kinoverwertung ging der Film dann mit gerade einmal vier Kopien in den US-Vertrieb.
Die Vertriebsfirma Summit steigerte die Kopienzahl mit einiger Verzögerung, nachdem sie offenbar unerwarteterweise feststellen musste, dass der Film da, wo er lief, die Kinos mühelos füllte: In den ersten Wochen erreichte "The Hurt Locker" den höchsten Prozentsatz verkaufter Kinoplätze aller 2009 in den USA gestarteten Filme. Der Kassenflop hatte seine Ursache offenbar auch darin, dass die Vertriebsfirma selbst nicht an einen Erfolg geglaubt hatte. Als der Film am Ende mit knapp 200 Kopien in Umlauf war, interessierten sich Presse und Publikum längst für andere - der Stotterstart rächte sich durch kleine Umsätze, die erst besser wurden, nachdem der Preisregen für den Film einsetzte.
Noch vor den Oscars und Golden Globes, den Baftas und diversen Kritikerpreisen begann der mit dem Lob der Web-Community: Auf der gemeinhin knallharten Film-Lästerseite Rotten Tomatoes erntete der Film satte 97 Prozent Zustimmung. In der Internet Movie Data Base IMDB, der reichweitenstärksten Filmseite im Web, rangiert der Streifen seit seinem Start mit 7,8 bis 8,4 aus 10 möglichen Punkten im oberen Bereich der Bewertungen. Interessant dabei: Bei der Bewertung gibt es kaum geschlechtsspezifische Unterschiede, so wenig wie bei den verschiedenen Altersgruppen - der Streifen ist populär quer durch die Community.
Das Prinzip Abschreckung
Kein Wunder also, dass er bis heute auch zu den Top 100 der populärsten Downloads zählt. Das will sich die Produktionsfirma Voltage Pictures nun nicht mehr bieten lassen - oder zumindest daran verdienen. Mit Hilfe der auf P2P-Tracing spezialisierten Firma GuardaLey bereitet Voltage derzeit eine Klagewelle bisher nicht dagewesenen Ausmaßes vor: 10.000 oder mehr Bittorrent-Nutzer, die den Film als Seed oder Leech weiterverbreitet haben, will Voltage in den nächsten Wochen mit Klagen bedrohen. Die werden schon bei Aussendung der ersten Abmahnung mit einem sogenannten Settlement-Angebot verbunden: Wer eine festgesetzte Summe zahlt, entgeht dem Kadi.
Die Aktion wird von der sogenannten US Copyright Group orchestriert, die seit Januar 2010 bis zu 50.000 US-Nutzer von Bittorrent-Seiten mit Abmahnungen beschickt haben will. Hinter dem offiziös klingenden Namen der Gruppe stehen vier auf Urheberrecht spezialisierte Anwälte um den Copyright-Spezialisten Thomas Dunlap, die Filmfirmen die juristische Verfolgung von P2P-Tauschbörsennutzern anbieten - offenbar mit wachsendem Erfolg. Rund 40 Prozent der bisher in diesem Jahr Abgemahnten, sagte einer der Anwälte am Mittwoch dem "Hollywood Reporter", hätten anstandslos bezahlt. Der Rest müsse mit Mahnungen und bei fortdauernder Zahlungsverweigerung schließlich der Einreichung von Klagen rechnen.
Die Identitäten der Filesharer werden, ausgehend von den IP-Adressen der Datentauscher, offenbar direkt bei den Internet Service Providern abgefragt. Nach Angaben der Copyright Group kooperierten inzwischen "über 75 Prozent" der US-ISPs, wenn es um entsprechende Anfragen gehe.
Die Filmbranche scheint zunehmend bereit, sich auf dieses umstrittene, von der Musikbranche her bekannte Vorgehen der Abschreckung per Abmahnung einzulassen. Die Filmfirmen hatten bisher eher auf die Distributoren von Raubkopien sowie die Urheber der sogenannten Leaks gezielt: Das absolute Gros der Raubkopien von Kinofilmen vor der DVD-Auswertung wird nach wie vor von Branchen-Insidern in Umlauf gebracht.
Die Konfrontation mit der eigenen Kundschaft hat die Branche dagegen bisher weitgehend vermieden. Sie ist nicht unumstritten, denn natürlich sind die eifrigsten P2P-Nutzer auch die besten Kunden der Copyright-Branchen: Es sind die mit dem größten Interesse an der Ware, die am meisten klauen wie kaufen. Die Musikindustrie musste wegen ihrer Klagewellen massive Imageverluste hinnehmen, war aber letztlich erfolgreich: Sie führt die Eindämmung der P2P-Downloads vor allem auf ihre harte Linie zurück, von der sie sich aufgrund der erheblichen Imageschäden aber schon vor längerem wieder verabschiedete.
Doch das könnte - so wie die neue Klagefreude der Filmfirmen - auch daran liegen, dass sich P2P zunehmend zu einem Film-Distributionsskanal entwickelt hat. Das einst als marginal verbuchte Problem der Schwarzseher im Web hat sich in den letzten Jahren zu einem Massenphänomen gemausert. Musik wird derweil in Massen vor allem über Streaming-Portale konsumiert - so wie zunehmend auch Filme.
pat
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Anstelle sich zu überlegen, wie man sich sinnvoll an die digitale Ära anpassen könnte, wird versucht, krampfhaft an längst überholten Geschäftsmodellen festzuhalten. Nicht mehr lange und die Unterhaltungsindustrie hat es sich [...] mehr...
Dann warn sie schon länger nicht mehr in der Nähe von sozialen Brennpunkten oder auch nur in der Nähe eines Schulhofes. Gewerbliche Raubkopierer gibt es in D massenhaft, auch wenn es keiner sehen will. Wofür glauben Sie wird der [...] mehr...
Ich finde die Diskusion erheiternd. Fakt ist, das beide Seiten in ihren Positionen Unrecht haben, da sich beide Positionen nicht mit der gelebten Realität decken. Die Menschen, die meinen, das alles kostenlos sein müsste, [...] mehr...
Gibt es die in Deutschland? Noch nie gesehen! Wenn Sie die Märkte in Südamerika, Osteuropa und Asien "austrocknen" wollen, dann wuensche ich Ihnen viel Spass. In 99% von Suedamerika z.B. gibt es keinerlei [...] mehr...
Die Filmindustrie scheut sich aber davor, einen Film in niedriger Auflösung vom Kunden testen zu lassen. Die könnten ja, wie bei Pressevorführungen, Laufschriften einblenden. Der Kunde kauft jetzt die Katze im Sack. Eben, jedes [...] mehr...
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