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15.05.2010
 

W-Lan-Mitschnitte

Google gesteht Datenpanne bei Street View

Von Ole Reißmann

Street-View-Auto (in Amsterdam): Sammeln von W-Lan-Daten weltweit gestopptZur Großansicht
AFP

Street-View-Auto (in Amsterdam): Sammeln von W-Lan-Daten weltweit gestoppt

Google selbst spricht von einem "sehr großen Fehler": Entgegen eigenen früheren Angaben hat der Suchmaschinenkonzern mit seinen Street-View-Autos doch Daten aus offenen W-Lan-Netzwerken aufgezeichnet - weltweit und über Jahre hinweg. Die Panne fiel erst dank einer Nachfrage aus Hamburg auf.

Hamburg - Google fährt mit seinen Street-View-Autos nicht nur Straßen ab, um sie zu fotografieren. Der Suchkonzern hat seit dem Start des Projekts auch registriert, welche W-Lan-Funknetze sich in der Umgebung befinden. Anhand dieser Daten können Handy-Nutzer ihre Position genauer bestimmen, als es mit GPS-Signalen möglich wäre.

So viel war bisher bekannt.

Bei diesen Datensammlungen sei es jahrelang weltweit zu einer schweren Panne gekommen, teilte der Konzern nun in seinem offiziellen Blog mit. Nach detaillierten Nachfragen des Hamburger Datenschützers Johannes Caspar und einer daraus folgenden internen Prüfung habe sich herausgestellt, dass mehr Daten gesammelt wurden als nötig, beabsichtigt - und öffentlich mitgeteilt. Nicht nur der Name des Funknetzes (die SSID) und die eindeutige Kennung des Routers (die MAC-Adresse) wurden demnach aufgezeichnet, sondern auch die übertragenen Daten (Payload-Data) - so sie denn nicht verschlüsselt waren.

Das Mitschneiden dieser Daten sei ein "sehr großer Fehler" gewesen, sagte Google-Sprecher Kay Oberbeck am Freitagabend SPIEGEL ONLINE. Weil der W-Lan-Empfänger der Street-View-Wagen aber fünfmal pro Sekunde den Funkkanal wechsele, handele es sich bei den fälschlicherweise erhobenen Informationen nur um nicht zusammenhängende Schnipsel. Noch dazu seien die Autos ständig in Bewegung, so dass allenfalls Fragmente belauscht worden seien.

Dennoch kommt die Panne für Google denkbar ungünstig. Kritiker werfen dem größten Suchmaschinenanbieter der Welt ohnehin Übergriffe in die Privatsphäre vor. Besonders heftig ist die Kritik in Deutschland. Das Berliner Verbraucherschutzministerium hatte Ende April durchgesetzt, dass der Konzern den Dienst Street View in Deutschland erst startet, wenn Widersprüche von Bürgern vollständig umgesetzt seien. Die betreffenden Wohnungen, Häuser und Gärten muss Google vollständig unkenntlich machen.

Die Datenfragmente will Google schnell löschen

Bisher habe man bei Google schlicht nicht gewusst, dass man die W-Lan-Daten aufgezeichnet habe, hieß es am Freitag. Ein für andere Zwecke entwickelte Passage Software-Code sei auch für Street View verwendet worden, ohne dass die Konsequenzen aufgefallen seien. Seit 2007, als die Street-View-Autos erstmals unterwegs waren, seien so rund 600 Gigabyte an Daten angefallen. Diese hätten aber niemals in einem Google-Produkt Verwendung gefunden. Nachdem der Fehler bemerkt wurde, habe man die Autos weltweit gestoppt und die Daten extrahiert.

Die fälschlicherweise empfangenen Daten will Google nun schnell wieder loswerden. Man arbeite dazu mit Behörden zusammen, sagte Oberbeck. Unabhängige Experten sollten aber erst noch die Software überprüfen und sich ein Bild von den Daten machen, die erhoben wurden - und dann ihre ordnungsgemäße Löschung beobachten.

Der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Caspar war am Freitagabend für eine Stellungnahme nicht mehr zu erreichen.

Künftig sollen keine W-Lan-Daten mehr erhoben werden

Als Konsequenz der Panne werde man künftig weltweit auf das Erheben von W-Lan-Daten mit den Street-View-Autos verzichten, kündigte Oberbeck an. Auch im offiziellen Google-Blog gibt es ein zerknirschtes Eingeständnis von Alan Eustace, der im Bereich Engineering and Research arbeitet. Man habe gründlich versagt, schreibt er dort, und bittet um Entschuldigung.

Erst am Mittwoch hatte der Bundesgerichtshof entschieden, dass Privatpersonen ihre W-Lan-Anschlüsse ausreichend sichern müssen. Dabei ging es darum zu verhindern, dass Dritte den Webzugang für illegale Downloads benutzen.

Im Google-Blog wird lapidar angefügt, wie unsicher unverschlüsselte Funkverbindungen eben seien. Den hauseigenen Maildienst GMail setzte man deshalb seit einiger Zeit auf eine verschlüsselte Verbindung. So hat Google in seinem Pannen-Eingeständnis doch noch ein kleines bisschen Eigenwerbung untergebracht.

Mit dpa und Reuters

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insgesamt 1160 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
17.08.2010 von timi_moon: --

"Als Spießbürger oder Spießer werden in abwertender Weise engstirnige Personen bezeichnet, die sich durch geistige Unbeweglichkeit, ausgeprägte Konformität mit gesellschaftlichen Normen, Abneigung gegen Veränderungen der [...] mehr...

17.08.2010 von dale_gribble:

Sehen Sie: Das ist fuer mich der "springende Punkt". Was ist daran so toll und brauchbar, dass es die komplette Abfotographierung und Speicherung des öffentlichen Raumes DURCH EINE US-FIRMA rechtfertigen würde? Die [...] mehr...

17.08.2010 von reflexxion: warum landet man im aktuellen Beitrag dazu woanders?

Ich habe eben das hier gelesen: http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,712232,00.html im Forum landet man dazu aber in einem anderen Thread, der Google allgemein betrifft. Ich willd as jetzt nicht noch mal hier rein [...] mehr...

17.08.2010 von malte71:

Ist auch ein interessanter Punkt: Beim Telefonbuch steht es mir selbstverständlich frei zu entscheiden, dass ich nicht drin stehen möchte. Bei Streetview hingegen will man mich hineinzwingen. Wie die juristische Lage genau [...] mehr...

17.08.2010 von KPunkt:

Ich wüsste da mehrere Gründe. Führend wäre für mich, daß es verdammt lange dauern könnte, in einer Großstadt den Herrn A.Schmidt alleine durch eine Reihe von Anrufen zu identifizieren: "Entschuldigung, sind Sie der Herr [...] mehr...

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W-Lan-Verschlüsselung

Warum verschlüsseln?

Da die Reichweite eines W-Lan-Netzes meist über den Bereich der eigenen Wohnung hinausgeht, ist eine Sicherung des drahtlosen Internetzugangs (Wireless Local Area Network, WLAN) unerlässlich. In einem Grundsatzurteil vom 12. Mai 2010 entschied der Bundesgerichtshof, dass Internetnutzer ihren W-Lan-Anschluss mit einem eigenen Passwort sichern müssen. Denn über ein ungesichertes Netzwerk können zum einen Unbefugte an die Daten und Dateien auf dem Computer des W-Lan-Besitzers gelangen - oder aber den drahtlosen Internetzugang nutzen, um damit Illegales zu tun, etwa urheberrechtsgeschützte Musik oder Filme herunterladen.

Veraltete WEP-Verschlüsselung

WPA1 und WPA2

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