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22.07.2010
 

Funk-Mitschnitte

38 US-Bundesstaaten verlangen Aufklärung von Google

Erfassungswagen im Einsatz: Hat Street View zu gründlich gelauscht?Zur Großansicht
AFP

Erfassungswagen im Einsatz: Hat Street View zu gründlich gelauscht?

Wie konnte das passieren? Drei Jahre lang schneiden Googles Kamerawagen beim Street-View-Projekt auch Inhalte aus Funknetzen mit. Google bemerkt den Fehler erst, als Datenschützer nachfragen. Nun verlangen US-Bundesstaaten Aufklärung: Wie wurde die Software getestet, wer hat geschlampt?

Für Google wird es in den USA jetzt ernst: Insgesamt 38 Bundesstaaten haben sich zusammengeschlossen, um die Datenschutzpanne bei Googles Street-View-Projekt zu untersuchen.

Im Mai hatte Google zugegeben, man habe jahrelang im Rahmen des Street-View-Projekts versehentlich sogenannte Nutzdaten aus offen zugänglichen W-Lan-Funknetzen gespeichert. Diese Kommunikationsdaten könnten Fragmente verschickter E-Mails oder abgerufener Web-Seiten enthalten. Das Mitschneiden dieser Daten sei ein "sehr großer Fehler", sagte Google-Sprecher Kay Oberbeck.

Die Gruppe hat sich um den Generalstaatsanwalt von Connecticut, Richard Blumenthal, versammelt. Er warb seit Wochen um Mitstreiter. Unter den Staaten, die Blumenthal am Mittwoch vorstellte, sind New York, Mississippi, Oregon, Washington, Kansas und Montana. Die Koalition will herausfinden, inwieweit Google mit der Aufzeichnung von ungesicherten W-Lan-Verbindungen gegen Gesetze verstoßen hat. Auch wollen sie sicherstellen, dass sich Derartiges nicht wiederholt.

In einer Mitteilung erklärt Blumenthal, man verlange von Google nun Auskunft darüber, ob und wie Google die bei der Street-View-Kartografie eingesetzte Software vorab getestet habe, warum die Datenschutzprobleme nicht eher bemerkt wurden.

Komplettversagen bescheinigt

Der Generalstaatsanwalt wiederholte seine bereits vor einem Monat erhobenen Vorwürfe. Ihm geht die Kooperationsbereitschaft von Google nicht weit genug. "Ihre Auskünfte werfen weiterhin mehr Fragen auf als sie Antworten geben."

In der Tat ist es überraschend, dass Google das Problem erst nach drei Jahren Einsatz der Software bemerkte. Dass die von Street-View-Fahrzeugen gesammelten Daten auch E-Mail-Schnipsel enthalten, hat Google erst nach einer Anfrage von Datenschützern entdeckt.

Entsprechend entsetzt waren Datenschützer nach dem Vorfall: Die britische Datenschutzorganisation Privacy International lobt zwar Googles offensive Kommunikation des Datenschutzdebakels. Abgesehen davon bescheinigen die Datenschützer Google aber Komplettversagen: "Zu dem jüngsten Vorfall ist es nicht durch einen Fehler gekommen, er ist die Folge eines grundsätzlichen Versagens bei Arbeitsabläufen, das die gesamte Firma durchzieht."

Das Fazit von Privacy International: Solange Google nicht grundsätzlich die Verfahren ändert, sei die Öffentlichkeit gut beraten, alle Versicherungen Googles skeptisch zu betrachten.

Die fälschlicherweise erhobenen Informationen dürften Google zufolge nur unzusammenhängende Kommunikationsschnipsel enthalten, weil der Empfänger den Funkkanal nach Angaben des Konzerns fünfmal pro Sekunde gewechselt hat. Dennoch könnten - theoretisch - in dem Datenwust auch Passwörter von Web-Seiten sein, oder etwa Kreditkartennummern.

lis/dpa

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Warum verschlüsseln?

Da die Reichweite eines W-Lan-Netzes meist über den Bereich der eigenen Wohnung hinausgeht, ist eine Sicherung des drahtlosen Internetzugangs (Wireless Local Area Network, WLAN) unerlässlich. In einem Grundsatzurteil vom 12. Mai 2010 entschied der Bundesgerichtshof, dass Internetnutzer ihren W-Lan-Anschluss mit einem eigenen Passwort sichern müssen. Denn über ein ungesichertes Netzwerk können zum einen Unbefugte an die Daten und Dateien auf dem Computer des W-Lan-Besitzers gelangen - oder aber den drahtlosen Internetzugang nutzen, um damit Illegales zu tun, etwa urheberrechtsgeschützte Musik oder Filme herunterladen.

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