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22.07.2010
 

ARD gegen "FAZ"

Böses Blut und schlechter Stil

Von Markus Brauck

ARD-Vorsitzender Peter Boudgoust: "Geschichtsvergessen und maßlos"Zur Großansicht
DPA

ARD-Vorsitzender Peter Boudgoust: "Geschichtsvergessen und maßlos"

Es geht hoch her zwischen der ARD und der "Frankfurter Allgemeiner Zeitung". Ein "FAZ"-Kommentator warf den Öffentlich-Rechtlichen "Staatsjournalismus" vor, sah die freie Presse in Gefahr. Der ARD-Chef reagierte - mit einem wütenden offenen Brief an einen "FAZ"-Herausgeber.

Man kann sich vorstellen, wie sie in der ARD auf der Zinne waren, als sie am Mittwochmorgen die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ("FAZ") zur Hand nahmen. Auf Seite eins schlug ihnen da Medienredakteur Michael Hanfeld in ein paar knackigen Zeilen ein Gutachten um die Ohren. Das Gutachten, das die ARD-Gremien bestellt hatten und das außerhalb der ARD eigentlich niemand interessierte, stellte den öffentlich-rechtlichen Sendern mit hanebüchenen Argumenten einen Freifahrschein erster Klasse fürs Internet aus. Es ist eine alte, anstrengende Debatte.

Michael Hanfeld aber ermüdet das Thema nie.

Er war maßlos erbost über diese "bestellten Wahrheiten". Von der "Herrschaft des Staatsjournalismus" schrieb er. Von einem "totalen Machtanspruch" und dem "Ende der freien Presse". Hanfeld machte mal wieder auf Apokalypse.

Das ist schon fast ein Ritual. ARD und ZDF veranstalten in hübscher Verlässlichkeit auf allen Ebenen Pressetermine, in denen sie erzählen, dass sie die Guten sind im Internet und da auch alles dürfen. Hanfeld findet dann am nächsten Tag in der "FAZ", dass der Gebührenjournalismus ohnehin überfinanziert und im Internet zudem überflüssig ist.

In der ARD kennen sie den "FAZ"-Redakteur. Bei Pressegesprächen streitet er sich voller Lust mit Intendanten. Er ist gut informiert, auch in den Details. Er macht seinen Job manchmal missionarisch, aber gut. Er nervt die Intendanten oft ziemlich. Und am Mittwoch fanden sie bei der ARD, das Maß sei voll.

Und so kam irgendwer auf die kreuzdämliche Idee, der ARD-Vorsitzende solle doch an die "FAZ" schreiben. Doch Peter Boudgoust schrieb nicht etwa an Herrn Hanfeld persönlich. Er schwärzte den nervigen Journalisten öffentlich bei seinem Chef an. Mit einem offenen Brief, veröffentlicht auf ard.de, angekündigt auf der Startseite, gerichtet an "FAZ"-Herausgeber Frank Schirrmacher.

Vermutlich kennen öffentlich-rechtliche Hierarchen solch eine Vorgehensweise aus ihrem Umgang mit Politikern. Die laufen ja auch gern gleich zum Senderboss, wenn ihnen nicht gefallen hat, was so ein kleiner Fernsehredakteur da wieder mal verbrochen hat. Mag also sein, dass Peter Boudgoust ein solcher Stil vertraut ist. Ein guter Stil ist es dennoch nicht.

Und jetzt war es an Boudgoust an der Schraube zu drehen. "Geschichtsvergessen und maßlos" sei der Kommentar, "überzogen", "unverhältnismäßig", zudem "einer seriösen Zeitung unwürdig". "Sprachlos" mache ihn, dass so etwas in der "FAZ" möglich sei.

Man kann daraus nur schließen: In der ARD weiß man nicht, dass Kommentare auch mal überspitzt, aufgeregt, zum Widerspruch auffordernd und auch ungerecht sein dürfen. Man hält offenbar das "Tagesthemen"-Einerlei für das Maß aller Dinge. Und offenbar wünscht sich Herr Boudgoust, dass alle, denen ARD-Berichte unlieb sind, künftig offene Briefe direkt an seine Adresse schreiben. Die Frage ist nur: Was schreibt er denen künftig zurück? Dass so etwas kein guter Stil ist?

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