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06.08.2010
 

Drohung gegen WikiLeaks

Pentagon verlangt Geheimdokumente zurück

Von Matthias Kremp

WikiLeaks: Das Pentagon fordert seine Geheimdokumente zurückZur Großansicht
AFP

WikiLeaks: Das Pentagon fordert seine Geheimdokumente zurück

Das US-Verteidigungsministerium drängt auf Herausgabe aller Militärdokumente, die WikiLeaks vorliegen, will notfalls nicht näher erklärte Maßnahmen ergreifen. Die Netzaktivisten veröffentlichten unterdessen eine verschlüsselte Datei mit unbekanntem Inhalt. Als Versicherung?

Das US-Verteidigungsministerium hat WikiLeaks zur Herausgabe aller geheimen US-Dokumente aufgefordert. " Wir wollen alles zurück, was sie haben. Und wir wollen, dass sie alle Kopien davon von ihrer Website und aus ihren Speichern löschen", sagte Pentagon-Sprecher Geoff Morrell in einem Presse-Briefing am Donnerstag. "Wir verlangen, dass sie das Richtige tun. Und wenn das Richtige nicht gut genug für sie ist, werden wir überlegen welche Möglichkeiten wir haben, um sie zu überzeugen doch das Richtige zu tun", ergänzte Morrell.

Das Pentagon reagiert damit auf eine Meldung von WikiLeaks, man habe das US-Verteidigungsministerium um Hilfe bei der Durchsicht von 15.000 bisher unveröffentlichten Geheimdokumenten zum Afghanistan-Krieg gebeten. WikiLeaks hat nach eigener Darstellung um die Zusammenarbeit gesucht, um afghanischen Zivilisten, deren Leben durch die Veröffentlichung der Dokumente in Gefahr kommen könnte, unkenntlich zu machen.

Morrell zufolge hat es eine solche direkte Anfrage an das Pentagon nicht gegeben. Statt aber weiter darauf einzugehen betonte er noch einmal, dass WikiLeaks auf unrechtmäßige Weise an die fraglichen Dokumente gekommen sei. Außerdem wies er darauf hin, dass es falsch sei anzunehmen, die Weitergabe geheimer Unterlagen an das Webportal sei sicher und rechtens. Vielmehr handle jeder illegal, der Militärunterlagen an die Web-Aktivisten weiterreiche.

WikiLeaks-Bann für US-Militärs

Insgesamt sind WikiLeaks mehr 91.000 Berichte des US-Militär zum Einsatz in Afghanistan zugespielt worden. Ein Teil dieser Unterlagen hatte die Organisation dem SPIEGEL, der "New York Times" und dem "Guardian" zur Prüfung übergeben, die zeitgleich am 25. Juli über deren Inhalte berichteten. Seither ist ein Großteil der Dokumente für jedermann bei WikiLeaks einseh- und herunterladbar. Ein Restbestand von 15.000 Dokumenten ist allerdings bislang noch nicht veröffentlicht worden. Seit die Berichte publik geworden sind, setzen US-Behörden WikiLeaks-Aktivisten unter Druck.

US-Militärangehörigen ist unterdessen die Nutzung von WikiLeaks untersagt worden. Wie die "Washington Times" am Donnerstag berichtete, habe das Pentagon diese Maßnahme bestätigt. Die Begründung: Wer die von WikiLeaks veröffentlichten Unterlagen liest, begehe willentlich einen Verstoß gegen geltende Sicherheitsbestimmungen. In einem an Marinesoldaten gerichteten Schreiben wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sich dieser WikiLeaks-Bann nicht nur auf Militärrechner, sondern auch auf private PC beziehe.

Eine verschlüsselte Versicherung

WikiLeaks hat derweil eine große verschlüsselte Datei auf ihrer Website veröffentlicht. Der "Insurance", zu deutsch "Versicherung", betitelte Datensatz ist mit einem Umfang von 1,4 Gigabyte etwa 20-mal größer als die zuvor veröffentlichen 77.000 US-Geheimdokumente. Über den Inhalt der mysteriösen Datei macht WikiLeaks keine Angaben. Eine diesbezügliche Anfrage der Nachrichtenagentur AP beantwortete die Organisation via Mail mit der Auskunft: "Über unsere Sicherheitsmaßnahmen erteilen wir keine Auskunft". In einem Interview erklärte WikiLeaks-Chef Julian Assange, er halte es für besser dazu keinen Kommentar abzugeben. Allerdings ergänzte er, dass man sich wohl vorstellen könne, "das es in einer vergleichbaren Situation sinnvoll wäre sicherzustellen, dass wichtige Teile der Geschichtsschreibung nicht verschwinden."

Der Nachrichtenagentur AP zufolge vermuten Kryptographen, die "Insurance"-Datei sei mit einer 256-Bit AES-Verschlüsselung gesichert, einem Standard, den auch die US-Regierung benutze. Der Kryptographie-Experte Whitfield Diffie vom Royal Holloway College bezeichnet diese Art der Verschlüsselung als "extrem stark". Paul Kocher, Chef der Kryptographie-Firma Cryptography Research, geht davon aus, dass es unmöglich ist, den Inhalt der Datei zu entschlüsseln, sofern WikiLeaks nicht ein fatal einfaches Passwort dafür verwendet hat.

Die Datei - und damit auch die darin enthaltenen Daten - jedenfalls, ist jetzt von keiner Macht der Welt mehr zurückzubekommen. Einmal im Internet veröffentlicht, dürfte sie bereits tausendfach heruntergeladen, auf Festplatten und DVDs gespeichert oder an andere Server weiterverteilt worden sein. Was sie enthält, wird man erst erfahren, wenn WikiLeaks das Passwort freigibt.

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