Netzneutralität gehörte in den Jahren 2008 und 2009 zu den wirklich heiß diskutierten Netz-Themen mit politischer Relevanz. Spätestens aber, seit sich US-Präsident Barack Obama zum Prinzip der Gleichbehandlung aller Daten im Internet bekannte, schien das Thema eigentlich vom Tisch: Kein Anbieter sollte in den Netzen Vorfahrt vor anderen bekommen, kein Infrastrukturanbieter einzelne Kunden für Vorzugsbehandlungen zur Kasse bitten.
Prinzipiell, konstatierten in dieser Woche nun die Internetriesen Google und Verizon, solle das auch ganz genau so sein. Allerdings nur prinzipiell: Im mobilen Internet und bei künftigen, noch nicht beschriebenen besonderen Services müsse, könne und wolle man da aber vielleicht doch ein Zwei-Klassen-Internet. Die gemeinsame Erklärung der beiden Firmen ist bisher nur ein Positionspapier, das sie in die Diskussion um die künftigen Rahmenbedingungen der Netzinfrastrukturen mit der US-Regulierungsbehörde FCC einbringen wollen. Die brach, nachdem erste Gerüchte über das Google-Verizon-Positionspapier in Umlauf gekommen waren, Ende letzter Woche abrupt die Verhandlungen ab.
Seitdem ist die Diskussion weltweit wieder aufgeflammt. Denn nicht nur Google, auch andere große Markt-Player haben Interesse daran, den Status quo neu zu definieren: In Deutschland ventilierte kürzlich Telekom-Chef René Obermann Begehrlichkeiten, von großen Marktplayern wie Google mehr Datenmaut verlangen zu dürfen. Verbraucherschützer befürchten, dass die Rechnung für solche Regelungen mittelfristig auf dem Tisch der Internetkunden landen dürfte.
Politischer Gegenwind: Gesetzliche Garantien für die Netzneutralität?
In Deutschland meldet sich nun eine offenbar binnen kürzester Zeit organisierte Initiative Pro Netzneutralität zu Wort, die "die gesetzliche Verankerung der Netzneutralität" einfordert. Genau davor war der Koalitionsvertrag zwischen den Unionsparteien und der FDP auf Betreiben der Liberalen zurückgescheut. Stattdessen heißt es wörtlich im Koalitionsvertrag: "Wir vertrauen darauf, dass der bestehende Wettbewerb die neutrale Datenübermittlung im Internet und anderen neuen Medien (Netzneutralität) sicherstellt, werden die Entwicklung aber sorgfältig beobachten und nötigenfalls mit dem Ziel der Wahrung der Netzneutralität gegensteuern."
Den Erstunterzeichnern des Aufrufs zur Netzneutralität der neuen Initiative reicht das nicht. "Netzneutralität", argumentiert der Aufruf, sei "elementar für unsere Demokratie", weil nur ein freies und offenes Internet sowohl Kommunikation sicherstelle als auch "die Entfaltung kreativer und ökonomischer Potentiale" fördere und "damit das Innovationspotential des Internets" sichere.
Zu den Erstunterzeichnern zählen prominente Protagonisten der netzpolitischen Szene, darunter Markus Beckedahl von netzpolitik.org, der netzpolitische Sprecher des SPD-Parteivorstandes Björn Böhning, der omnipräsente Sascha Lobo, Annette Mühlberg, Vorstandsmitglied der Europäischen Internetnutzerorganisation von Icann, Malte Spitz aus dem Bundesvorstand Bündnis 90/Die Grünen sowie weitere Vertreter aus Parteien, Parlamenten, Journalismus, Medien- und Internetwirtschaft.
pat
Auf anderen Social Networks posten:
ich möchte auf keinen fall werbung für dieses european-magazin da betreiben, aber die haben schon eine ganze debatte zu diesem thema..äußern sich u.a. auch bundestagsabgeordnete.. [...] mehr...
habe eben einen interessanten kommentar von david gelernter gefunden...ursprünglich in der new york times erschienen http://www.theeuropean.de/david-gelernter/4014-netzneutralitaet-und-der-freie-markt echt lesenswert...ich [...] mehr...
Nein - wieso? Die Frage ist ganz einfach: es gibt zwei Parteien - Endkunden und ISPs. Letztere bieten verschiedene Produkte zu verschiedenen Preisen an. Dazu gehoeren Werbe-gesponserte (Fast-)Umsonst Angebote, und werbefreie [...] mehr...
Google betreibt mehr als ein Rechenzentrum in der Welt und kann dadurch überall in der Welt ungefähr identische Zugriffsraten ermöglichen. Anbieter mit nur einem Standort sind da klar im Nachteil. Aber keiner ist gezwungen [...] mehr...
Die Frage liegt doch ganz woanders, nämlich dort, wo die Kapazitätsgrenzen des INetts sind. Erst wenn das geklärt und danach gehandelt wurde, gehören die weiteren Fragen auf den Tisch. rabenkrähe mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Netzwelt | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Netzpolitik | RSS |
| alles zum Thema Internet | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH