Von Matthias Kremp
Hamburg - Meine Straße, mein Haus, mein Auto, mein Vorgarten: Wer partout nicht will, dass diese Details in Googles 3-D-Straßenkarte Street View als Foto auftauchen, hat länger Zeit, Widerspruch einzulegen. Googles Vizepräsident für Nord- und Zentraleuropa, Philipp Schindler, teilte in einem Blog-Post mit, man habe sich entschlossen, die Frist für Vorab-Widersprüche aus den 20 größten Städten im Internet von vier auf acht Wochen bis zum 15. Oktober zu verlängern. Ausdrücklich weist der Google-Manager nochmals darauf hin, dass es auch nach der Einführung von Street View die Möglichkeit gibt, Gebäude nachträglich unkenntlich zu machen.
Zudem, so Schindler, habe das Unternehmen sich in der vergangenen Woche mit dem zuständigen Hamburger Datenschutzbeauftragten Johannes Caspar über weitere Maßnahmen verständig. Im Vorfeld war er von Google nicht in Details der Street-View-Einführung eingeweiht worden. Erst kurz vor der Presse hatte das Unternehmen ihn über den geplanten Start informiert.
Die ursprüngliche Einspruchsfrist von vier Wochen war aus der Sicht vieler Politiker und Datenschützer zu kurz. Caspar hatte die Eile kritisiert, mit der Google vorgegangen war, und eine behutsamere Einführung angemahnt. Auch Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner hatte Google aufgefordert, den Widerspruchszeitraum gegen Street View auszuweiten.
Google-Sprecher hatten dagegen die Vier-Wochen-Frist als ausreichend bezeichnet. Man müsse einen solchen festgelegten Rahmen abstecken. Nur so sei es möglich, bis zur endgültigen Einführung des Dienstes in Deutschland alle Widersprüche umzusetzen. Der Start von Street View soll trotzdem wie geplant noch in diesem Jahr stattfinden, erklärte Google-Sprecher Kay Oberbeck gegenüber SPIEGEL ONLINE.
Ministerin Aigner: "Ich erwarte eine breite Information der Öffentlichkeit"
"Der Imageschaden für die Marke ist bereits enorm", urteilte Ministerin Aigner im Interview mit SPIEGEL ONLINE. "Google kann sich keinen Fehler mehr erlauben", zumal Deutschland nach den USA einer der wichtigsten Märkte für den Konzern sei. Der Konzern, so ihre Ansicht, habe die Deutschen mit seinem Street-View-Projekt "in den Sommerferien überrumpelt". Deshalb sei eine Verlängerung der Widerspruchsfrist notwendig.
Google sei in der Pflicht: "Was ich erwarte, ist eine breite Information der Öffentlichkeit - sowohl über die bestehende Widerspruchslösung, als auch über künftige Kamerafahrten. Weil Google das leider nicht ausreichend macht, übernehme ich das eben." Sie sei allerdings überzeugt davon, dass Google seine Zusagen zum Widerspruchsverfahren einhalten werde.
Datenschützer Caspar soll nun unter anderem Einblick in Googles Prozess zur Bearbeitung von Widersprüchen erhalten. Konkret hat sich das Unternehmen zu folgenden Maßnahmen verpflichtet:
Damit klärt Google vor allem die seit einer Woche über dem Widerspruchsverfahren schwebende Frage, wie mit den Daten der Antragsteller umgegangen wird. Diese Verfahrensweise war im Vorfeld unklar geblieben. Der wichtigste Punkt dieser Zugeständnisse ist allerdings, dass der US-Konzern dem Hamburger Datenschutzbeauftragten jederzeitigen Einblick in das Widerspruchsverfahren gewährt.
Gänzlich abgeschlossen ist die Diskussion zwischen Google und den Datenschützern damit aber noch nicht. Caspar erklärte, er erwarte noch die Beantwortung eines Fragenkatalogs von Google. Dass es nach den Gesprächen mit Google gelungen ist, die Widerspruchsfrist um vier Wochen zu verlängern, finde er "sehr erfreulich". Caspar: "Google hat mir bestätigt, dass mit den Daten der Widersprechenden sorgsam umgegangen wird und sie nicht länger als nötig aufbewahrt werden."
Auf anderen Social Networks posten:
extrem gefährlich - weil Daten aller Bewohner eines Landes global abrufbar sind. Das bringt große Vorteile für fremde Volkswirtschaften. mehr...
Was für ein Thema, da wird eine Fassade online gestellt, die Republik regt sich auf, die Politik springt auf den Zug auf und spielt Robin Hood. Beim Swift Abkommen werden Bankdaten wie innereuropäische Bargeldanweisungen [...] mehr...
So ist es. Schon mal darauf gekommen, dass Google mit voller Absicht solch eine Bevölkerungsdiskussion vom Zaun bricht, um durch die Einsprüche der Leute an ihre Daten zu kommen? Mann, die Welt ist sooooo blöd!!! Wenn ich hier [...] mehr...
Wer kann mir ein "konkretes" Beispiel nennen wie Google missbraucht werden kann um so eine Debatte auszulösen. Street View gibt es in Spanien schon ne weile. Habe meine Eltern gesucht und nicht gefunden, komisch. Wollte [...] mehr...
Bis 1990 waren Luftaufnahmen in der Bundesrepublik Deutschland genehmigungspflichtig, und sollte eine Horde Spanner diese Freiheit missbrauchen, wird sich der Gesetzgeber gerne zu neuen, den technischen Möglichkeiten angepassten [...] mehr...
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