Das war klar: Ein paar Tage, nachdem Google die Gleichberechtigung der Datenströme im Internet in Frage gestellt hat, stimmen nun Lobbygruppen zu und melden eigene Begehrlichkeiten an. Branchenverbände der US-Musikindustrie wie die RIAA und die Verwertungsgesellschaft ASCAP fordern von Google-Boss Erich Schmidt Kooperation.
In dem Brief heißt es, das bisherige Regulierungsmodell funktioniere für die Künstler nicht. Provider sollten ermuntert werden, gesetzeswidrige Aktivitäten abzuwehren. Ausdrücklich nennt der Brief "Copyright-Verletzungen und Kinderpornographie" - in genau dieser geschmacklosen Reihung.
Man wünsche sich die Unterscheidung zwischen zulässiger und gesetzwidriger Netzaktivität, ein "Internet, das auf Ordnung basiert und nicht auf Chaos". Deshalb sei man an Googles Ideen zur Abkehr vom Prinzip der Netzneutralität sehr interessiert.
Der britische Musiklobbyverband British Phonographic Industry (BPI) hatte Google Mitte Juni eine so genannte DMCA-Verfügung zustellen lassen, mit der die Entfernung von Ergebnissen auf 38 spezifizierte Suchanfragen sowie der Links hin zu Seiten, auf denen der Suchende fündig werden könnte, eingefordert wurde. Das konkrete Beispiel zeigt, wie die Musikindusrtie das Thema Netzneutralität verstehen mag: Ihr geht es nicht nur um die Regeln des Datentransports, sondern vor allem um seine Unterbindung.
Normalerweise geht es bei der Diskussion des Themas eher darum, ob große Marktteilnehmer oder bestimmte Arten von Datenübertragungen bei der Transferierung von Datenpaketen bevorzugt werden oder nicht. Interesse daran haben eine ganze Reihe von Marktteilnehmern: Dienstleister und Inhalteanbieter, die sicherstellen wollen, dass ihre Services in hoher Qualität und Geschwindigkeit empfangen werden; Infrastrukturunternehmen, die sich in Form von Daten-Mautzahlungen eine Beteiligung am Erfolg der Marktgrößen erhoffen. Kritiker einer solchen kommerzialisierten Mehr-Klassen-Infrastruktur befürchten, dass kleineren Marktteilnehmern damit Entwicklungschancen verbaut würden.
lis/pat
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