Berlin - Google-Chef Eric Schmidt hat die Internetnutzer aufgerufen, mehr Informationen zur Verfeinerung der Suchergebnisse freizugeben - und das zu einem Zeitpunkt, da gerade in Deutschland weiter heftig über den Schutz der Privatsphäre beim Online-Kartendienst Street View debattiert wird.
Doch davon lässt sich Schmidt nicht beeindrucken. In der Abschluss-Keynote der Funkausstellung Ifa sagte Schmidt in Berlin: "Letztlich geht es buchstäblich um alle Ihre Informationen - E-Mail, Sachen, die Ihnen am Herzen liegen. Mit Ihrer Erlaubnis natürlich."
Angesichts der weltweiten Aufregung über Googles Streetview-Dienst erscheint das fast dreist: Selbst in den USA, wo Datenschutz eigentlich ein Fremdwort ist, ermitteln staatliche Behörden wegen Googles Datenhunger. Doch Schmidt gibt sich sicher: Mit der Zeit würden auch die Deutschen den viel gescholtenen Fotoatlas Street View schätzen lernen. "Die meisten Menschen werden diesen Dienst lieben."
Doch ganz so einfach sind die Dinge für Google auch in den USA nicht. Erst vergangene Woche stimmte Google einer symbolträchtigen Strafe wegen Verletzung der Privatsphäre der Nutzer seines E-Mail-Dienstes zu: Der Konzern einigte sich außergerichtlich mit sieben Klägern, die sich über die "Invasion der Privatsphäre" durch Googles Dienst Buzz erregt hatten.
Hintergrund: Mit dem ohne Ankündigung eingeführten Buzz-Feature hatte Google die Veröffentlichung teils privater Informationen aus dem Kommunikationsverhalten seiner Nutzer verbunden.
Die 8,5 Millionen Dollar Wiedergutmachung dafür dürften zwar selbst die Kaffeekassen des Konzerns (Umsatz 2009: 23,6 Milliarden Dollar, Gewinn: 6,5 Milliarden Dollar) kaum nennenswert belasten. Peinlicherweise aber geht das Geld vor allem an Organisationen, die Internetnutzer über Datenschutz aufklären. Google finanziert so seine eigenen Warner und Wächter.
Worauf soll man sehen: Risiken oder Chancen?
Google, das machte Vorstandschef Schmidt in Berlin klar, will wegen solcher Kritik und juristischer Probleme aber noch lange nicht von den Daten der Nutzer lassen - er braucht sie schlicht für die Suchmaschine der Zukunft. Schmidt entwarf in seiner Keynote ein Szenario der Internetsuche, bei dem das System von selbst Inhalte vorschlägt, "von denen ich nichts weiß, aber die mich interessieren". Er fügte hinzu: "Das ist aus meiner Sicht der nächste große Schritt bei der Suche." Dafür bräuchten die Datensammler allerdings möglichst viel Wissen über einen Nutzer.
Die Vision vom allwissenden Suchdienst gehört zu Schmidts Standardprogramm, er hat es in den letzten Monaten bei jeder sich bietenden Gelegenheit präsentiert: Ziel ist dabei eine Suchmaschine, die nicht mehr nur auf Anfragen antwortet, sondern dem Nutzer proaktiv Vorschläge unterbreitet - auf Basis einer intimen Kenntnis seiner Vorlieben, Netznutzungswohnheiten, seiner aktuellen Bedürfnisse und sogar geografischen Position "bis auf wenige Zentimeter", wie Schmidt bei anderer Gelegenheit sagte.
Vieles, worüber sich Datenschützer erregen können, klingt für potentielle Nutzer durchaus verführerisch. Schmidt weiß das, sagt, er wolle die Herzen mit "coolen Diensten" gewinnen. Irgendwann, visioniert er, sei das Android-Betriebssystem für Googles Handy-Plattform so weit, gesprochene Konversationen Satz für Satz erkennen und übersetzen zu können. Schmidt: "Wir kommen mit dieser App einem Menschheitstraum nahe, Kommunikation in Echtzeit übersetzen zu können."
Klingt wie Star Trek, soll aber schon jetzt höchst relevant sein: Schon heute würden ein Viertel aller Suchanfragen von einem mobilen Gerät in gesprochener Sprache abgesetzt. Einmal mehr trommelte Schmidt dann noch für das - in Deutschland mindestens bis 2011 nicht stattfindende - Google TV. Auf der Ifa wurden erste Android-basierte Fernseher vorgestellt, die einen Zugriff auf das Internet bieten. Google ist damit zwar nur einer von vielen Anbietern, hofft aber, auf diesem Wege einen Fuß ins TV-Werbegeschäft zu bekommen. Auch hier heißt der Lockstoff Information: Anders als TV-Sender, die ihren Werbekunden nur Zuschauerquoten liefern können, wäre Google in der Lage, Informationen über die tatsächliche Nutzung seiner Angebote zu erheben - wenn nötig bis zum einzelnen Zuschauer hinab, um ihn mit handverlesener Werbung zu beschicken.
Was Web-Entwickler wie Schmidt begeistert, bereitet Daten- und Verbraucherschützern zunehmend Alpträume. Es zeichnet sich ab, dass das Thema Privatsphäre die Diskussionen um die Weiterentwicklung des Webs in den nächsten Jahren dominieren wird.
Das weiß auch Schmidt. Es sei verständlich und gesund, dass es solche Debatten gibt, sagte er in Berlin. "Das Internet verändert alles, es ist eine neue Situation." Es gehe um Informationen, die den Menschen wichtig seien. Die Veränderungen des Lebens durch Internettechnologien würden aber auf jeden Fall weitergehen, betonte er.
Genau das ist wohl die Crux: Wir alle wollen immer mehr vom Web, müssten aber auch immer mehr geben, um es zu bekommen.
pat/dpa
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...hat mittlerweile über 2000 Kommentare. Eine Diskussion zum eigentlichen Thema ist nicht mehr möglich, da die Übersicht völlig verloren gegangen ist. @SPON Wie wär's wenn Ihr mal nen neuen Thread aufmacht? Die Frage "Wie [...] mehr...
Google ist keine 'Weltmacht'. Schon solcher Aufriss suggeriert leicht manipulierbaren Aengste, die dann sogleich naiv von einer Erde halluzinieren, in der Google herrscht - was vermutlich alles verbessern wuerde btw. [...] mehr...
... Das ist so eine Story, zu der ich gerne mal einen Link hätte. :) mehr...
feste ein- und angebunden an den Verband der "Dachgesellschaft" Homelandsecurity. Ich erinnere mich an eine Professorien, der die Einreise in die USA verweigert wurde. Grund: sie hatte via amazon "auffallend [...] mehr...
Nicht so gefährlich wie die 99% der Nutzer die Google als Startseite und/oder Standardsuchmaschine nutzen, aber dennoch meckern. Am besten noch bei Twitter, Facebook und den VZs über Google beschweren, vielleicht hilfts. ;) mehr...
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