Assange beim Hackerkongress 30C3 "Tretet in die CIA ein!"

Die Videoschalte war oft gestört. Aber Julian Assange konnte dem 30. Kongress des Chaos Computer Clubs trotzdem seine Botschaft mitteilen. Er forderte die jungen Hacker auf, die Institutionen zu infiltrieren, um wie Snowden Geheimnisse zu enthüllen.

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Videoschalte mit Julian Assange: Verbindung mit Tonstörung
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Videoschalte mit Julian Assange: Verbindung mit Tonstörung


Bruce Willis antwortet nicht, die Videoverbindung ist abgebrochen. Hinter dem Namen Bruce Willis verbirgt sich der WikiLeaks-Gründer Julian Assange, der in der ecuadorianischen Botschaft in London festsitzt und der eigentlich zu den insgesamt mehr als 8000 Hackern auf dem Jahrestreffen des Chaos Computer Clubs in Hamburg sprechen will. "Geben wir der NSA die Schuld?", fragt Jacob Appelbaum, der ebenfalls auf der Bühne sitzt. Über ein paar Grußworte ist Assange da noch nicht herausgekommen.

Die eigentliche Überraschung kam ohnehin vor dem Vortrag: Bevor Assange zugeschaltet wurde, hatte Sarah Harrison einen kurzen Gastauftritt auf der Bühne - und wurde mit Standing Ovations begrüßt. Die Britin hat den Whistleblower Edward Snowden auf seiner Flucht nach Moskau begleitet und hat erst kürzlich Moskau verlassen, um nach Berlin zu kommen. Harrison erklärte, dass sie zunächst in Deutschland bleibe, weil ihr Heimatland Großbritannien sie wegen ihrer Arbeit für WikiLeaks verfolge. Harrison zählte auf, was WikiLeaks dieses Jahr schon alles gemacht hat: diplomatische Depeschen der USA veröffentlicht, Dokumente von Firmen, die Spionagetechnik herstellen, E-Mails einer Strategieberatungsfirma.

Endlich steht die Verbindung: "Wir müssen erkennen, zu was wir geworden sind", sagt Assange. Dann bricht der Ton ab, nur noch Wortfetzen kommen durch, gerade noch zu identifizieren: "NSA". "Systemadministratoren haben viel mehr Macht, als es die Industriearbeiter jemals hatten", sagt Assange. Die Admins seien eine neue, mächtige Klasse. Der ehemalige NSA-Direktor Hayden habe schon Angst vor den jungen Hackern und habe gesagt, der Geheimdienst müsse diesen Nachwuchs rekrutieren.

Das sei eine große Chance: "Tretet der CIA bei", ruft Assange die Hacker auf. Sie sollen mitspielen und Geheimnisse verraten. "Wir sind die letzte freie Generation", sagt Assange. Entweder werde man besiegt, oder man schaffe es, die Welt zu verändern. Dann bricht die Verbindung wieder zusammen.

Viel Kritik im Vorfeld, viel Applaus danach

Auch Assange bekam für seine Worte viel Beifall, dabei hatte der kurze Vortrag vor dem Kongress zumindest ein Stürmchen im Netz ausgelöst: Seit das Programm des 30C3 feststand, wurde in Blogs und Netzwerken hitzig über den geplanten Gastauftritt per Video diskutiert. Unter anderem Netzfeministinnen empörten sich darüber, dass Assange trotz der gegen ihn vorgebrachten Missbrauchsvorwürfe ein Platz auf der Bühne geboten werden sollte. "Assange als Speaker auf die Bühne zu schalten, ist ein Affront gegen feministische und kritische Teilnehmer_innen", hieß es zum Beispiel im Blog "Meet in Montauk", eine Twitter-Nutzerin sprach in Bezug auf die Assange-Unterstützer von Heldenverehrung und Verschwörungstheorien.

Die Gegenseite berief sich auf die Unschuldsvermutung und darauf, dass Julian Assange nun ausgerechnet auf einem Hackerkongress doch gehört werden sollte. Die Bloggerin Julia Seeliger schlug versöhnliche Töne an: Es gebe zwar "genug Gründe, Assange nicht zu mögen. Was Assange aber unbestreitbar für die Freiheit getan hat, und zwar unbeirrbar, mutig und kompromisslos, ist, den Weg zu bereiten für Edward Snowden." Und der wäre bei den Hackern jederzeit willkommen.



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insgesamt 30 Beiträge
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Seite 1
frubi 30.12.2013
1.
Zitat von sysopDPADie Videoschalte war oft gestört. Aber Julian Assange konnte dem 30. Kongress des Chaos Computer Clubs trotzdem seine Botschaft mitteilen. Er forderte die jungen Hacker auf, die Institutionen zu infiltrieren, um wie Snowden Geheimnisse zu enthüllen. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/30c3-julian-assange-a-941201.html
Ich hätte gerne eine Zeitmaschine um mal nachzuschauen, wie diese Leute und solche Kongresse in 20 Jahren gesehen werden. Irgenwann müssen wir unseren Enkeln erklären, wieso wir damals nicht auf diese Leute gehört haben und uns in Naivität versteckten.
aabib 30.12.2013
2. NSA Angriffe
Eine legale Möglichkeit, der NSA und ihren willfährigen Helfern in anderen Ländern das Leben schwerer und teurer zu machen, ist das Anhängen von verschlüsselten Dateien an alle Mails, die man versendet. Die NSA Programme suchen gezielt nach verschlüsselten Mails bzw Mails mit verschlüsselten Anhängen. Je mehr davon also im Umlauf sind, desto mehr Aufwand für die Paranoiker, diese zu entschlüsseln und zu verstehen. Der Inhalt ist völlig uninteressant, die Datei zunächst zippen und dann mit einer Kryptosoftware verschlüsseln, fertig.
studibaas 30.12.2013
3. Es war richtig so das er sprechen durfte.
Sein Ansinnen, die Methoden der Geheimdienste zu verwenden (infiltrieren) um dann Geheimnisse zu veröffentlichen finde ich fragwürdig. Ist es doch gerade Wikileaks, die gegen Geheimniskrämerei und Hinterhältigkeit kämpfen. Aber: Ich sehe anders keine Möglichkeit an entsprechende Daten ranzukommen, und hier muss man sich leider der Waffen der Feinde bedienen. Erst Recht sehe ich diese Notwendigkeit aus folgenden Gründen: Microsoft hat der NSA Eingangstore für sein Betriebssystem zur Verfügung gestellt. Facebook und Amazon stellen ihre Daten dem US Geheimdienst zur Verfügung, auch wenn einer von beiden glaube ich nur unter Protest. Google hat eine Fa. gekauft die mit dem US Militär zusammenarbeitet. Alle großen IT Firmen in den USA stehen damit direkt unter der Pantoffel der USA Geheimdienste oder des US Militärs. Das gibt mir schon zu denken. Selbst bei der weit verbreitesten open source Linux Distribution (RedHat bzw. CentOS) hat die NSA beim Sicherheitssystem aktiv mitgewirkt. (Hoch offiziell, kein hören sagen und unbestritten von der NSA). Ich bezweifle mal, das die NSA ein kostenloses Softwareprodukt und damit ein Konkurrenzprodukt einer einheimischen Firma (Microsoft) uneigennützig unterstützt. Was die Feministen angeht: Diese "Vergewaltigung" hätte es in Deutschland nicht mal bis zur Klagerhebung geschafft. Die Vergewaltigung lief nach DARSTELLUNG DER KLÄGERIN so ab, das sie so lange soff bis sie sich an nichts mehr erinnern konnte und genügend Indizien dafür hatte, das er mit ihr Sex hatte obwohl sie unzurechnungsfähig war. (O-Ton: Ich glaube ich bin vergewaltigt worden). Das diese Dame auch nach nachgewiesene Verbindungen zum US Geheimdienst hat und die Vergewaltigung ausgerechnet in Schweden statt fand, dem einzigen Land wo die Unschuldsvermutung gegen Männer aufgehoben wurde, so das selbst internationale Menschrechtsorganistationen schon meckern sollte einem zu denken geben.
ats3788 30.12.2013
4. Fragt doch das Volk
Demokratie, das Volk sollte Assange und Snowden richten, selbst in den Ultra Konservativen USA finden die Menschen nicht ganz so toll was die NSA & CO verbocken. Die Mächtigen entfernen sich von uns in großen Schritten
maestro9000 30.12.2013
5. Hacker haben keine Chance, da sie unsolidarisch sind.
Man brauche sich nur das kolossale Versagen der Piratenpartei mit ihren endlosen Querelen vor Augen zu führen und dann muss klar sein, dass der Vorschlag von Assange nur ein netter Vorschlag ist. IT-Fachkräfte sind genauso schlecht organisiert wie hierzulande die Pflegekräfte im Sozialbereich oder Hartz-IV-Bezieher. Wenn hingegen gut organisierte Ärzte Dampf machen, kracht es. In den wenigern Betriebsräten von IT-Firmen Mitarbeiter sitzen überwiegend kaufmännische Mitarbeiter,weniger die Techniker. Ausnahmen mögen die Regel bestätigen. Häufig außertariflich bezahlte Mitarbeiter sind für die etablierten Gewerkschaften auch relativ uninteressant. Solche Strukturen müssten erst noch aufgebaut werden. Gesellschaften wie die GI-Gesellschaft für Informatik hat zwar viele Mitglieder, aber der Fokus ist ein anderer.
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