Pistole zum Selberbauen US-Gericht stoppt Veröffentlichung von Waffenplänen für 3D-Drucker

Schusswaffen aus dem 3D-Drucker? Ein US-Gericht hat die Organisation, die Anleitungen dafür dauerhaft ins Netz stellen wollte, gestoppt - vorübergehend. Tausende Nutzer haben die Pläne bereits heruntergeladen.

Cody Wilson
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Cody Wilson


Ein Bundesgericht in den USA hat die geplante Veröffentlichung von Plänen für die Herstellung von Schusswaffen mittels 3D-Druckern in letzter Minute gestoppt. Das Gericht in Seattle erließ am Dienstagabend (Ortszeit) eine einstweilige Verfügung, wie ein Gerichtssprecher bestätigte. Auch das Büro des Generalstaatsanwalts im Bundesstaat Washington, Bob Ferguson, teilte auf Twitter mit, dem Antrag sei stattgegeben worden.

Eine Organisation in Texas hatte angekündigt, ab Mittwoch Pläne ins Netz zu stellen, mit denen sich Schusswaffen oder zumindest wesentliche Teile davon per 3D-Drucker herstellen lassen. Dagegen gab es erheblichen Widerstand.

Kritiker hatten befürchtet, dass durch die Veröffentlichung der Pläne im Internet Schusswaffen in falsche Hände geraten könnten und die öffentliche Sicherheit gefährdet wird. Mithilfe der Anleitung wäre es Privatpersonen möglich gewesen, sich unkontrolliert ihre eigenen, nicht zurückverfolgbaren Waffen herzustellen.

Ferguson hatte die Verfügung beantragt und zugleich Klage gegen die Regierung von Präsident Donald Trump erhoben. Sieben Bundesstaaten und der Hauptstadtdistrikt Washington schlossen sich der Klage an. Der Anwalt der Organisation Defense Distributed hatte das Gericht in Seattle erfolglos aufgefordert, den Antrag auf einstweilige Verfügung "in seiner Gesamtheit" abzulehnen.

Trump zeigte sich skeptisch

Trumps Regierung hatte im Juni einen außergerichtlichen Vergleich mit Defense Distributed geschlossen, der damit die Veröffentlichung von Waffenplänen für 3D-Drucker im Internet gestattet wurde. Defense Distributed kündigte später an, die Pläne von diesem Mittwoch an kostenlos zum Herunterladen anzubieten.

Letztlich stellte die Organisation dann schon am Dienstag Pläne für die weitgehend aus Plastik bestehende Pistole vom Typ "Liberator" ("Befreier") ins Netz. Mehr als 5000 Nutzer luden die Daten für den 3D-Druck der einzelnen Teile und die Anleitung für den Zusammenbau der Waffe herunter. Nach der Verfügung zeigte die Download-Seite eine Fehlermeldung an.

Trump selbst hatte sich am Dienstag skeptisch über die Veröffentlichung von Waffenplänen für 3D-Drucker geäußert. "Scheint nicht sehr sinnvoll zu sein", schrieb er auf Twitter. Er habe das Thema mit der Waffenlobby NRA besprochen und werde es prüfen.

Video (2013): Sturmgewehr aus dem 3D-Drucker

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Washingtons Generalstaatsanwalt Ferguson argumentierte, durch die Pläne erhielten "Kriminelle und Terroristen Zugang zu herunterladbaren, nicht verfolgbaren und nicht aufspürbaren 3D-gedruckten Waffen". Die Generalstaatsanwälte von 20 US-Bundesstaaten und des Hauptstadtdistrikts Washington hatten am Montag wegen des Vergleichs zudem einen Brandbrief an Justizminister Jeff Sessions und Außenminister Mike Pompeo geschickt.

Der Gründer von Defense Distributed, Cody Wilson, hatte bereits 2013 Pläne für die Herstellung der Schusswaffe "Liberator" auf 3D-Druckern veröffentlicht, die von Metalldetektoren kaum erkannt und mangels Seriennummer nicht zurückverfolgt werden kann (mehr dazu in dieser Visual Story des SPIEGEL). Das Außenministerium untersagte ihm das wenige Tage später mit Verweis auf Exportkontrollgesetze. Wilson klagte erfolglos dagegen. Im Juni schlossen das Außen- und das Justizministerium dann überraschend einen Vergleich mit ihm.

jat/dpa



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Affenhirn 01.08.2018
1. NRA muss dagegen sein
Schließlich bedroht das 3D-Projekt ja die Finanziers dieser Organisation, die konventionellen Waffenhersteller. In wieweit speziell in den USA durch den 3D-Druck eine unkontrolliertere Verbreitung von Schusswaffen ermöglicht wird, als bisher, erschließt sich mir nicht - bedenkt man die bisherige, unglaublich laxe Verkaufsregelung dort.
karljosef 01.08.2018
2. Das geht ja nun überhaupt nicht!
Jeder Ami darf Waffen haben (, nach Meinung von Trump sollte er es sogar?, er muss sich schließlich gegen Indianer usw. verteidigen können!! Aber doch sicherlich nicht, wenn die entsprechende Industrie dabei kein Geld verdienen kann! Da ist der Lobbyclub NRA aber ganz anderer Meinung!! Zynisch Grüße an den "selbsternannten" Bewahrer der westlichen Grundwerte
soron 01.08.2018
3. Wieso ist sowas eine Nachricht wert ?
"OMG, jeder kann am Computer gefährliche Waffen ausdrucken !". Äh - nein. Machen wir mal eben den Faktenscheck: 1. "Mit 3D-Druckern kann jeder am Computer Waffen herstellen." 3D druck ist lediglich 1 technisches verfahren, um Pläne aus dem Computer auf einer Werkzeugmaschine (hier: 3D Drucker) herzustellen. Das Verfahren selber gibt es aber schon 30 oder 40 Jahre: Genau das macht nämlich jede CNC-Fräse auch. Und die gibt es für den Hobbybereich ebenfalls schon 20 Jahre, ohne dass die Welt von damit hergestellten Schusswaffen überschwemmt wurde. 2. "Aber mit 3D Druckern kann JEDER Waffen herstellen." Nein. Jedes thermische Verfahren hat zwangsläufig Schwundmaße, die sich durch die Temperaturänderung ergeben (heiss = Material dehnt sich aus, kalt = Material schrumpft wieder). D.h. die Präzision mit der man Drucken kann ist begrenzt. Bei billigen Druckern mit Plastikstrang ist das üblicherweise im Millimeterbereich. Die übliche NATO-Sturmgewehrmunition hat 5,56 mm Durchmesser. 5 oder 6 mm zu drucken ist unzureichend. Das bedeutet: Man kann im 3D Druck einen guten Rohling herstellen, aber der erfordert präzise Nacharbeit. 3. "Aber mit 3D Druck ..." Nein. Die handelsüblichen Verbrauchergeräte drucken in Plastik. Eine Schusswaffe erzeugt drücke von 1000 bar aufwärts. Selbst eine Pressluftflasche für Taucher ist üblicherweise aus Stahl - und die muss solche Drücke noch nicht mal aushalten. Drucker, die Metall drucken können, verwenden Laserverfahren. Und sie kosten in der Regel 6-stellige Beträge. Jemand, der sich einen 3D-Drucker für 250.000 Euro aufwärts leisten könnte kann sich für einen Bruchteil auch eine echte Schusswaffe auf irgendwelchen Schwarzmärkten besorgen. 4. "Aber ... " Nein. Und zwar aus einem ganz simplen Grund: Eine "Schusswaffe" aus dem 3D Drucker ist nur ein Stück Metall oder Plastik, so lange man nicht die Munition hat, um damit zu schiessen. Man kann sich für ein paar hundert Euro echte, zu Dekostücken (und damit nicht mehr schussfähige) Weltkriegswaffen kaufen, die diesen Zweck (fies aussehen und nicht schiessen) genauso gut erfüllen. Und Munition aus dem 3D Drucker wird es auf absehbare Zeit keine geben - dazu sind Zünder, Treibladungen, Geschosse und dergleichen notwendig. Das erfordert etwas mehr als 50m Plastikdraht auf einer Spule in einen billigen 3D-Drucker einzulegen.
quark2@mailinator.com 01.08.2018
4.
Angesichts der technischen Entwicklung ist das nun wirklich keine Hürde mehr. Sowas kann man an einem Wochenende entwickeln, wenn man will. Das Problem ist die Munition, aber in den USA ist das bekanntlich leicht zu überwinden. Wenn ich mir die aktuelle Entwicklung so ansehe, frage ich mich, in was für einer Welt wir in 50 Jahren leben werden. Im Vergleich zu meiner Jugend ist der Zugang zu vielen Chemikalien schon extrem eingeschränkt worden. Man hat auch die Kopierer mit Software versehen, damit man keine Geldscheine kopieren kann. Die Sicherheitskontrolle an Flughäfen hat ein aus meiner Sicht irres Ausmaß angenommen. Drohnen fliegen nur noch in Abstimmung mit GPS-Verbotslisten aus dem Internet. Nun also 3D-Drucker. Da kann man bestimmt was an der Software machen, damit die verhindert, daß bestimmte Strukturen entstehen, bzw. der Drucker geht nur, wenn er online ist und meldet alles nach Virginia oder Utah, wo dann mit KI analysiert wird, wer was druckt ... usw. Das Ganze läuft auf einen technologischen Wettstreit hinaus, der in einer Art Goldenem Käfig für jeden Nutzer endet, komplett überwacht, damit er die tolle Technologie des 22. Jhd. nicht mißbraucht. Persönlich gefiel mir der frühere Ansatz besser - eine Welt, die Menschen zum einen kulturell und ethisch bildet und sozialisiert, ihn auch emotional nicht fertig macht, indem sie jedem eine realistische positive Lebensperspektive bietet, vor allem aber dem Einzelnen Verantwortung übergibt und Vertrauen entgegen bringt. 9/11 ist keine Rechtfertigung, die moralischen Errungenschaften der westlichen Zivilisation einfach zum Fenster raus zu werfen und die Leute zu überwachen. Sie werden immer einen Weg finden, wenn sie wollen. Also sollte man dafür sorgen, daß die Leute glücklich sind, ohne solchen Irrsinn.
firenafirena 01.08.2018
5. Unglaublich
Die USA hat ja noch nicht genug Probleme mit Waffen... Aber wenn selbst Trump es für "nicht so sinnvoll" erachtet, ist ja alles gut. Oder die Bezahlung von der Waffenlobby war ausreichend genug.
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