Neuer 5G-Standard Gigabit-Netze für alle viele

Von der Almhütte bis zum Leuchtturm weckt der künftige Mobilfunkstandard 5G die Hoffnung auf ein Deutschland ohne Funklöcher. Es dürfte bei der Hoffnung bleiben.

Strasser-Alm am Brauneck in Oberbayern
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Strasser-Alm am Brauneck in Oberbayern

Ein Gastbeitrag von Wirtschaftsforscher Prof. Dr. Tomaso Duso


In der besten aller möglichen Welten wird es in Deutschland im Jahr 2022 schnelles Internet für alle geben, überall, ohne Funklöcher beim mobilen Surfen. Der kommende 5G-Mobilfunkstandard soll auch den tiefsten Schwarzwald und die höchste Alm erreichen. Dies ist die Welt, die die Politik sich momentan offenbar wünscht. Und zu Recht, denn dies wäre eine tolle Welt. Nur wird sie eine Wunschvorstellung bleiben.

Die nüchterne Aussage von Kanzleramtsminister Helge Braun, der flächendeckende Ausbau sei "unfassbar teuer", ist leider realistisch. Es sollte daher pragmatisch geschaut werden, was man wann tun kann, um den Ausbau von Gigabit-fähigen Netzen so schnell und so weitläufig wie möglich voranzutreiben. Denn der Breitbandausbau ist zweifelsohne außerordentlich wichtig für die Zukunft des Landes.

  • DIW Berlin/ F. Schuh
    Prof. Dr. Tomaso Duso lehrt an der TU Berlin und leitet die Abteilung Unternehmen und Märkte am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Er forscht unter anderem zu den wettbewerbsrechtlichen und regulatorischen Aspekten der Digitalisierung.

Man muss Prioritäten setzen. Das hat die Bundesnetzagentur (BNetzA) nun getan und Pläne für die Vergaberegeln der 5G-Mobilfunkfrequenzen angekündigt. Damit sollen bis 2022 mindestens 98 Prozent aller Haushalte mit mindestens 100 Megabit pro Sekunde versorgt werden. Darüber hinaus sollen Autobahnen und Bundesstraßen mit echtem 5G versorgt sein. Das ist wichtig, weil diese die beste Technologie für das automatisierte Fahren ist.

Die Funklöcher bleiben laut Plan vorerst bestehen

Um der deutschen Rechtsgrundlage gerecht zu werden, wurde von einer Zugangsverpflichtung - bei der die großen Akteure verpflichtet werden, Dienstanbietern ihre Netze zur Verfügung zu stellen - abgesehen. Stattdessen sollen alle Anbieter diskriminierungsfrei über Roaming und Infrastruktur-Sharing, also das Teilen der Netzinfrastruktur, verhandeln können, wobei die Bundesnetzagentur als Schiedsrichter fungiert. Das soll Investitionen anregen. Wenn die Bundesnetzagentur wirklich auf das Einhalten der Versorgungsauflage achtet, kann dieser Kompromiss funktionieren.

Laut Plan würde circa 15 Prozent des Landes, wo zwei Prozent aller Haushalte leben, unversorgt bleiben, sprich die Funklöcher bleiben vorerst bestehen. Das wurde sofort kritisiert. Sicherlich ist die Nichtversorgung einiger ländlicher Gebiete beim Mobilfunk noch problematischer als bei Glasfaser. Tatsache ist aber, dass es sehr teuer ist, in diesen Gebieten zu bauen. Außerdem rechnet sich eine Duplizierung der Infrastruktur dort nicht. Daher soll dies nicht die Priorität sein.

Die BNetzA versichert, dass Frequenzen für den Ausbau in dünnbesiedelten Gebieten in einer zweiten Phase freigegeben werden. Welche Frequenzen das sind und wie sie vergeben werden, wird sicherlich Gegenstand von intensiven Verhandlungen sein. Es braucht ein gut designtes Vergabeverfahren. Es gibt nämlich unterschiedliche Modelle, um den Ausbau in gut definierten weißen Flecken kostengünstig zu realisieren.

Teure Investitionen und niedrige Preise passen nicht zusammen

So haben sich beispielsweise umgekehrte Subventionsauktionen ((bei denen nicht der Meistbietende den Zuschlag bekommt, sondern der, der die niedrigste Subventionierung benötigt) oder Auktionen mit unterschiedlichen Ausbauverpflichtungen bereits in Schweden und Dänemark bewährt.

Gleichzeitig sollten die Auktionen so gestaltet werden, dass sie auch Anreize für lokale Anbieter schaffen, Netzzugang zu gewähren. Denkbar wären Infrastruktur-Sharing-Modelle mit regional aufgeteilten Investitionen und gegenseitigen Zugangsverpflichtungen. Der Staat könnte in dieser Phase das Ziel der Einnahmemaximierung zurückstellen, um Investitionsanreize zu setzen.

So weit wie möglich sollte die Gigabit-fähige Infrastruktur der Zukunft, sei es 5G oder Glasfaser, durch private Investoren gebaut werden. Der Staat muss versuchen, die besten Rahmenbedingungen dafür zu schaffen. Aber einige Zielkonflikte werden bleiben.

Auch wenn es für die Politik schwer zu schlucken ist: Extrem teure, flächendeckende Investitionen - in der Höhe von Hunderten von Milliarden Euro - und extrem niedrige Preise sind schwer vereinbar. Auf den Mobilfunkmärkten muss der Wettbewerb erhalten bleiben. Um gleichzeitig Investitionssicherheit zu schaffen, scheint der Plan der BNetzA einen vernünftigen Kompromiss darzustellen. Mal sehen, wie - und vor allem wie schnell - er mit Leben gefüllt wird.

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insgesamt 43 Beiträge
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Seite 1
finya-satchmo 03.10.2018
1. gut gemeint
...und fachlich sauber beschrieben. Wenn es heisst "Der Staat könnte in dieser Phase das Ziel der Einnahmemaximierung zurückstellen, um Investitionsanreize zu setzen" werden die Propheten der schwarzen Null aufschreien. Und die Idee "Denkbar wären Infrastruktur-Sharing-Modelle mit regional aufgeteilten Investitionen und gegenseitigen Zugangsverpflichtungen" wird den Telekomikern kaum gefallen - womit schon deutlich wird, das die guten konzeptualen Ideen kaum eine Chance haben, das Licht der Wissenschaft zu verlassen und in der realen Welt anzukommen. Womit die Wahrscheinlichkeit steigt, dass wir es weiter mit einem (Funk-)Lochmodell und der Schneckenpost zu tun haben werden.
marclarsen 03.10.2018
2. deutsches Mobilfunknetz......
....bin im Aussendienst, gesamt Bayern. Habe Privat D2, dienstlich D1. Kann wichtige Gespräche nur auf einem Parkplatz führen. Während der Fahrt, egal welches Netz: FRECHHEIT! Und unverschämt ggü meinem Gesprächspartner wenn das Gespräch mehrmals abbricht! Dann gilt es zudem auch mal "wichtige Mails" am Laptop zu sichten, das setzt dann LTE voraus......und da sucht man oft mal einige KM. Privat habe ich meinen Vertrag gekündigt, zahle jetzt 9,99 Euro im "Prepaid" Modus.....mehr ist mir das Ganze....liebe Mobilfunkbetreiber, auch nicht mehr Wert! Rückgewinnungsversuche, ich soll mein TOPANGEBOT im nächsten Vodafone-Laden abholen und dann sagt mir die Dame im Laden..."das machen die immer so....und schicken mir die Kunden hier rein...." LACHHAFT! Vertrag mit subventioniertem Handy....ich lach mich tot: 20,-- Euro Ersparnis. So, what? Das wird hier in diesem unseren Lande sicher nichts mehr......
sickamo 03.10.2018
3. Schnelles Internet ist über(s)All verfügbar
... eine flächendeckende Versorgung wird ökonomisch sinnvoll nur mit einer Kombination von terrestrischen und weltraumbasierten Funklösungen möglich sein. Leider hat Deutschland in dem Bereich noch keinen Plan. Frankreich und Großbritannien sind da schon etwas weiter, die USA sehr viel ... z.B. Inmarsat, Eutelsat, Iridium
mimas101 03.10.2018
4. Hmm Tja
Das hohe Lied der Privatisierung. Die Realität, im trüben Alltagstal, sieht anders aus und kann bequem z.B. auf heise.de nachgelesen werden: Die lukrativen Straßenzüge gehen an die Privatinvestoren und alles andere hat der Steuerzahler zu finanzieren und dann am besten zu verschenken. Und dafür bleiben die deutschen Preise auf einem völlig absurd überhöhtem Niveau das bedeutet das sich der Deutsche Michel sowas flottes bestimmt nicht anschafft weil sich das nicht rechnet. Und was sind die extrem hohen Investitionskosten für die der Staat mit Gewinngarantien für die privaten einstehen soll? Evtl. ein Mast in die Gegend gepflanzt, Stromkabel verlegt und dann ein bißchen elektronischer Budenzauber hingehängt wobei man meist bereits die vorhandene Infrastrukturen mitnutzen oder erneuern kann. Nö - hier muß der Staat alleinig die Infrastrukturen schaffen und dann zu staatlichen Vorgaben (Endkundentarife pp) an Contentanbieter vermieten. So ein System gibt es in Australien. Ansonsten bekommen wir erneut den gleichen Flickenteppich mit völlig überhöhten Preisniveaus. Und genau das besorgen die privaten Anbieter wenn sie zwar Investitionskosten abwälzen aber gleichzeitig versuchen den Staat durch absichtliches Untätigbleiben dahingehend zu nötigen die Renditeerwartungen der privaten Investoren nur nicht zu schmälern.
hagbardceline 03.10.2018
5. Ärzte aus Deutschland fordern Ausbaustopp für 5G
US-Radioonkologen hinterfragen "Strahlungssicherheit" Einen Stopp des Ausbaus der 5G-Mobilfunkstruktur fordern Mediziner, u.a. des "Ärztearbeitskreises digitale Medien Stuttgart", in einem offenen Brief vom 28.08.2018 an den Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur Scheuer. Sie weisen auf die Studienlage hin und auf das Schicksal der elektrohypersensiblen Menschen, denen durch den geplanten lückenlosen Funkausbau die Lebensgrundlage entzogen wird. https://www.diagnose-funk.org/publikationen/artikel/detail&newsid=1305
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