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9/11-Verschwörungstheorien: Flugzeuge im Kopf

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Der 11. September 2001 hat das Leben vieler Menschen enorm verändert. Einer ist Andreas von Bülow. Vor dem Anschlag war er nur Ex-Minister, Ex-Abgeordneter - danach wurde er auch noch zum Bestsellerautor. Porträt eines Verschwörungstheoretikers.

Andreas von Bülow: "Mir geht es gut" Zur Großansicht
dapd

Andreas von Bülow: "Mir geht es gut"

Er habe nie Angst um sein Leben gehabt, sagt Andreas von Bülow. Obwohl er die Vermutung hegt, dass die Anschläge vom 11. September 2001 nicht das Werk von 19 "Selbstmordmuslimen" waren, wie er sie nennt, sondern eine ausgeklügelte, eiskalte Operation im Rahmen psychologischer Kriegsführung, organisiert von den USA selbst. Obwohl er diese Lesart in Buchform veröffentlicht hat.

Bülow legt sich nicht fest, aber er ist sich doch ziemlich sicher: Die Regierung Bush oder hinter ihr stehende, noch weitaus mächtigere Kreise haben mehr als 3000 Menschen töten lassen, um unschlagbare Argumente für geopolitisch gewollte Militäroperationen wie die im Irak und in Afghanistan zu schaffen. Das sind für einen ehemaligen Bundesminister, der 25 Jahre lang als SPD-Abgeordneter dem Bundestag angehörte, erstaunliche Thesen.

Er sage nicht, dass es so gewesen ist, sagt Bülow, er stelle lediglich Fragen: "Das sind nur Denkmodelle." Aber doch Modelle, die ihrem Urheber sehr plausibel erscheinen. Anderen auch: Sein Buch "Die CIA und der 11. September" hat sich seit der ersten Auflage im Jahr 2003 nach Verlagsangaben insgesamt 200.000-mal verkauft. Zum Jahrestag ist eine Neuauflage erschienen, mit einem ausführlichen Nachwort. Darin wird bezweifelt, dass Osama Bin Laden wirklich in Pakistan von US-Spezialkräften erschossen wurde. Dass etliche Aussagen aus der Originalausgabe längst widerlegt sind, wird in der Neuauflage dagegen nicht erwähnt. Etwa das nicht unwesentliche Detail, dass keineswegs sieben der 19 Attentäter nach der Tat noch "quicklebendig" waren, wie der SPIEGEL schon 2003 nachwies.

Zehn Jahre nach den Anschlägen in New York und Washington ist Bülow 74 Jahre alt, sieht aber aus wie 60. Gemeinsam mit seiner Frau bewohnt er ein fast verwunschen wirkendes Einfamilienhaus im Süden von Bonn, draußen Kletterrosen, drinnen Parkettboden, Orientteppiche, Antiquitäten. Bülow ist akkurat frisiert, trägt Hemd und Baumwollhose, Kaffee wird in blau-weißen Porzellantassen serviert.

Mein Leben nach 9/11

Was der 11. September 2001 verändert hat - Betroffene berichten

Im Wohnzimmer steht vor dem Bücherregal ein Flügel, für seine Frau und die Enkel, an den Wänden hängen Ölbilder und ein Stich von Picasso. Bülow selbst spielt Cello in einem Orchester und einem Streichquartett. Er ist der bürgerliche Gegenentwurf zum zweiten großen 9/11-Verschwörungstheoretiker in Deutschland, dem ehemaligen "taz"-Redakteur Mathias Bröckers ("11.9. - zehn Jahre danach: Der Einsturz eines Lügengebäudes"). Bröckers hatte vor seinen 11.-September-Büchern Werke über die wohltuenden Wirkungen des Hanfs verfasst, Bülow war Abgeordneter, Staatssekretär, unter Helmut Schmidt sogar Forschungsminister. Bröckers und Bülow haben sich schon getroffen und gut verstanden. Was Bröckers sonst so mache, wisse er gar nicht so genau, sagt Bülow.

Mit seinen alten Parteifreunden hat er noch gelegentlich Kontakt, aber "das Thema", sein Thema, werde bei allen Begegnungen ausgespart. An Peer Steinbrück, der früher einmal in Bülows Büro gearbeitet hat, hat er einen Brief geschrieben, als der Finanzminister wurde, "aber der hat nie geantwortet". Von der aktuellen Führungsriege der SPD kennt er niemanden mehr, aber die müssten sich ja auch hüten, mit ihm in Verbindung gebracht zu werden. "Ich habe ja Verständnis dafür, dass man mit den USA zusammenarbeiten muss."

Trotz alledem macht Bülow keinen verbitterten Eindruck, auch keinen resignierten. Obwohl doch weite Teile der internationalen Öffentlichkeit bis heute die andere, die offizielle Version der Geschichte glauben: dass vier Trupps von islamistischen Terroristen vier Flugzeuge entführten, von denen zwei das World Trade Center zerstörten, eins ins Pentagon raste und eins in einem Feld irgendwo in Pennsylvania zerschellte.

In der offiziellen Version haben die US-Geheimdienste auf ganzer Linie versagt, haben Hinweise ignoriert, Spuren nicht verfolgt, sich bis auf die Knochen blamiert. So hat es die Untersuchungskommission zum 11. September in ihrem Abschlussbericht festgestellt. In Bülows Version zeichnen sich die Geheimdienste, insbesondere die CIA, durch nahezu unmenschliche Präzision und Kompetenz aus.

Sie haben nicht nur - mutmaßlich! - die Terrorflugzeuge mit Hilfe spezieller Technik ferngesteuert, sie haben - vermutlich! - auch noch im Vorfeld Sprengladungen in den Stockwerken der WTC-Türme platziert, um den eigentümlich kontrollierten, senkrechten Zusammensturz der Gebäude zu ermöglichen. Ins Pentagon haben sie - womöglich! - einen Marschflugkörper gesteuert, Besatzung und Passagiere des Flugs AA77, der doch eigentlich dort eingeschlagen sein soll, verschwinden lassen. Nebenbei die Legenden der 19 Terrorflieger erfunden und sie mit gefälschten Zeugenaussagen und gezielt verteilten Dokumenten und Indizien untermauert. In Bülows Welt ist die CIA eine Organisation von praktisch unbegrenzter Macht und furchterregender Effizienz. Eine Organisation, die all die Helfer und Mitwirkenden, die eine solche Operation erfordern würde, zehn Jahre lang und darüber hinaus zum Schweigen zwingen konnte. Aus Gründen der Staatsräson.

Nährboden für Verschwörungstheoretiker - die Verfehlungen der USA

Natürlich haben die Regierungen der USA in den vergangenen Dekaden selbst reichlich Anhaltspunkte für eine derartige Weltsicht geliefert. Die Mär von den Massenvernichtungswaffen im Irak, die Tatsache, dass Afghanistans Mudschahidin erst mit Hilfe der USA zu der schlagkräftigen Truppe gemacht wurden, aus der später die Taliban und al-Qaida hervorgingen, die Iran-Contra-Affäre, die skrupellose Zusammenarbeit mit Diktatoren und Putschisten, der Vietnam-Krieg. Amerikanische Regierungen und ihre Geheimdienste sind so oft beim Betrügen, beim Lügen und beim Bruch internationaler Abkommen ertappt worden, dass vielen heute alles möglich scheint. Auf diesem Nährboden gedeiht das Interesse für Autoren wie Bülow und Bröckers.

Bülow selbst hat vielleicht zu viel erfahren über die tatsächlichen Sauereien, die sich auch der Westen im Kalten Krieg erlaubte. Als Staatssekretär im Verteidigungsministerium (1974-1980), als Mitglied des parlamentarischen Kontrollgremiums für die Geheimdienste, vor allem aber im Schalck-Golodkowski-Untersuchungsausschuss, in dem die Machenschaften des DDR-Devisenbeschaffers beleuchtet werden sollten. Damals entstand das düstere Weltbild, das er heute so selbstverständlich in seinen Alltag integriert hat. Ein Weltbild, das von dunklen Machenschaften im Hinterzimmer geprägt ist, von geostrategischen Erwägungen ohne Rücksicht auf menschliche Opfer, vom festen Glauben an unbezwingbare Mächte, die im Verborgenen wirken.

Im Kern ist das ein typischer Wesenszug älterer Männer: die eigene Lebenserfahrung mit viel Distanz und vermeintlichem Realismus zu einer Art behaglichem Zynismus zu vermengen. Nur, dass er hier extreme Ausmaße angenommen hat.

Ob er unter seinem finsteren Weltbild leide? "Neein", sagt Bülow gedehnt und lehnt sich im Polstersessel zurück, die Kaffeetasse in der Hand, "mir geht es gut".

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 321 Beiträge
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1. Verschwörungstheoretiker werden gern lächerlich gemacht.
buutzemann 01.09.2011
Weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Empfehle dazu bei Wikipedia die Artikel "GLADIO", "Bilderberger" und "School of the Americas". Alles offenes Wissen ohne spinnerte Konspiration. Danach ist es sogar mehr als logisch, dass es machtvolle Organisationen gibt, deren Wirken uns verborgen bleiben soll.
2. Münchhausen Syndrom
Ramsesx, 01.09.2011
Um das Ganze als Unsinn zu widerlegen braucht man sich nur die Frage zu stellen: Macht es irgend einen Sinn für einen Geheimdienst eine so komplexe Operation zu planen und durchzuführen? Eigentlich nicht oder? Das gleiche Ergebnis, also einen vermeintlichen Grund zu haben um Irak und Afghanistan zu okkupieren, hätte man durch eine oder mehrere gelegte Bomben erzielen können.
3. Wieso Verschwörungstheorien?
Michael KaiRo 01.09.2011
Zitat von sysopDer 11. September 2001 hat das Leben vieler Menschen enorm verändert. Einer ist Andreas von Bülow. Vor dem Anschlag war er Ex-Minister, Ex-Abgeordneter - danach wurde er zum Bestsellerautor. Porträt eines Verschwörungstheoretikers. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,783641,00.html
Das sind mittlerweile feststehende Tatsachen. Zahlreiche seriöse Quellen, viele journalistische Berichte, die wahrlich keine VT unterstützen, seriöse Wissenschaftler, zig Zeugen etc. alle sagen und beweisen eindeutig, dass die offizielle Geschichte erstunken und erlogen ist. Man muss schon sehr naiv oder völlig uninformiert sein, wenn man die offizielle Version Glauben schenkt. Wie agil die CIA & Co sind, zeigt sich doch aktuell ganz herrlich bei Wikileaks. Ach ja, in der Tat sind zahlreiche Gutachter der WTC-Türme massiv unter Druck gesetzt worden; teils auch mit Mordrohungen.
4. naja
Minkffm 01.09.2011
Zitat von buutzemannWeil nicht sein kann, was nicht sein darf. Empfehle dazu bei Wikipedia die Artikel "GLADIO", "Bilderberger" und "School of the Americas". Alles offenes Wissen ohne spinnerte Konspiration. Danach ist es sogar mehr als logisch, dass es machtvolle Organisationen gibt, deren Wirken uns verborgen bleiben soll.
Also GLADIO mit einer Kill-3000 people Verschwoerung zu vergleichen hinkt ein wenig....da wurden vereinzelt Bomben gelegt und rechte wie linke Gruppierungen instrumentalisiert. Ist aber was voellig anderes im Bahnhof eine Tasche mit einer Bombe stehen zu lassen, als ein Wahnsinnskomplott mit zig ManPower und noch mehr Zeugen zu bewerkstelligen. Die einfachste Erkalerung ist meist die beste...Teppichmesser, bis 2001 offene Pilotenkabinen und dann in Wolkenkratzeer fliegen. Das die Dinger tatsaechlich einstuerzen, konnte dann auch keiner wissen. Teilweise war der BRandschutz der Stahlverstrebungen nciht vorhanden. Geht als einer Vielzahl von AEngelberichten hervor. Problem der Verschwoerungtheoretiker ist zu viel Halbwissen. Kuerzlich habe ich eine "Doku" auf youtube gesehen, in der ernsthaft behauptet wurde, das WTC sei durch unterirdische Nuklerexplosionen zum Einsturz gebracht worden. Mal abgesehen vom Schwachsinn einer solchen Theorie, schlimmer war, dass die Vermutungen mit falschen Erklaerungen basierend auch Nichtwissen "bewiesen" wurden. Das ist typische fuer Verschwoerungstheorien (von STahlschmelztemperaturen "Stahl schmilzt doch erst bei 1400 Grad", bis vorhandenen Knautschzonen bei Flugzeugen Flugzeugen "ups, wo sind den die Truemmer")
5. .
frubi 01.09.2011
"Bülow legt sich nicht fest, aber er ist sich doch ziemlich sicher: Die Regierung Bush oder hinter ihr stehende, noch weitaus mächtigere Kreise haben über 3000 Menschen töten lassen, um unschlagbare Argumente für geopolitisch gewollte Mililtäroperationen wie die im Irak und in Afghanistan zu schaffen. Das sind für einen ehemaligen Bundesminister, der 25 Jahre lang als SPD-Abgeordneter dem Bundestag angehörte, erstaunliche Thesen." Wieso? Weil Parlamentarier ansonsten nicht dafür bekannt sind, eigene Meinungen und Ansichten zu haben? "Bröckers hatte vor seinen 11.-September-Büchern Werke über die wohltuenden Wirkungen des Hanfs verfasst," Jemand der mal kifft, kann man natürlich nicht ernst nehmen, oder was wollte uns der Autor mit diesem Hinweis sagen? Subtile Diffamierungen sagen einiges über den Autor aus. "Trotz alledem macht Bülow keinen verbitterten Eindruck, auch keinen resignierten. Obwohl doch weite Teile der internationalen Öffentlichkeit bis heute die andere, die offizielle Version der Geschichte glauben" Wieso auch? Nur weil eine große Masse an etwas glaubt bedeutet das noch nicht, dass es sich dabei um die Wahrheit handelt. Wieviele Amerikaner haben der Tocher des kuwaitischen Botschafters geglaubt, als diese dreist wie Hulle die Welt belogen und damit die Basis für den ersten Golfkrieg geschaffen hat. Es gab mal eine Zeit, da haben viele Deutsche geglaubt, die Juden wären für gewisse Dinge verantwortlich. War es deswegen wahr? Nein. "Ins Pentagon haben sie - womöglich! - einen Marschflugkörper gesteuert, Besatzung und Passagiere des Fluges AA77, der doch eigentlich dort eingeschlagen sein soll, verschwinden lassen." Das Pentagon ist umzingelt von Überwachungskameras und keine dieser Kameras konnte deutlich zeigen, wie ein Flugzeug in das Pentagon geflogen ist. Es gibt diese eine unscharfe Aufnahme, mehr nicht. "Amerikanische Regierungen und ihre Geheimdienste sind so oft beim Betrügen, beim Lügen und beim Bruch internationaler Abkommen ertappt worden, dass vielen heute alles möglich scheint." Damit hat der Autor eigentlich alles gesagt. Wieso sollte man also nicht auch davon ausgehen, dass friedfertige Pazifisten wie Cheney und Co. nicht auch so etwas verzapfen könnten um gewisse Ziele zu verfolgen.
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