Kiel - Eigentlich ist Deutschland für den Datenschutz bei Facebook gar nicht zuständig, findet Facebook, auch wenn das so deutlich bisher kaum gesagt wird. Obwohl der offizielle Ansprechpartner in Irland sitzt, pflegt das Unternehmen den Dialog mit deutschen Datenschützern.
Die haben einiges auszusetzen. Vor allem Thilo Weichert, Chef des unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz in Schleswig-Holstein, hat Facebook immer wieder kritisiert. Zu seiner Sommerakadamie am Montag in Kiel (#sak12) sind unter anderem der österreichische Student Max Schrems und der Grünen-Europaabgeordnete Jan Philipp Albrecht gekommen. Auch Facebook ist der Einladung gefolgt, Gunnar Bender, offizieller Titel Director Public Policy Facebook Germany, stellt sich der Kritik.
Klaus Müller vom Vorstand der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen kritisiert mangelhafte Nutzerrechte bei Facebook. Um die Privatsphäre des eigenen Facebook-Profils zu sichern, seien 36 Schritte erforderlich (eine Anleitung gibt es hier). Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, sagte laut Teilnehmern, dass Facebook die Hausordnung festsetze, wegen der Bedeutung des Netzwerks müsse dies aber die Politik tun.
Schaar bedauerte demnach, dass Facebook keine Nutzung mit Pseudonymen vorsehe, sondern auf echten Namen bestehe. Das Unternehmen halte sich nicht an das deutsche Telemediengesetz, weil der Geschäftssitz Dublin sei. Facebook-Manager Bender sieht in Facebook ohnehin eher so etwas wie eine private Party, weswegen das Unternehmen echte Namen verlangen dürfe. Bender sprach sich dafür aus, "dass Chancen und Risiken von Social Media in einer konstruktiven Debatte ausgewogen beleuchtet werden, um selbstbestimmt und kompetent über die eigene Nutzung entscheiden zu können." Facebook unterstütze deswegen Initiativen zur Förderung von Medienkompetenz.
Verbraucherschützer mahnen Facebook ab
Deutsche Verbraucherschützer wollen Facebook zu Änderungen bei seinem App Center zwingen. Die Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) schickte dem Unternehmen eine entsprechende Abmahnung mit einer Frist bis 4. September. Facebook gebe persönliche Daten der Nutzer an App-Anbieter weiter, ohne dass die Nutzer ihre Einwilligung dazu gegeben hätten, bemängelten die Verbraucherschützer am Montag in Berlin. Nutzer können mit den Anwendungen ihr Profil erweitern, beliebt sind Spiele wie "Farmville" oder "Diamond Dash", aber auch Programme für Musik und Nachrichten.
Mit der Einführung des App Center im Juli 2012 habe Facebook den Datenschutz verschlechtert, kritisierte die VZBV. Vor der Installation einer Anwendung gebe es keinen vollständigen Hinweis, wozu die weitergegebenen Daten verwendet würden. Nur "in kleiner hellgrauer Schrift" werde "eine augenscheinlich nicht abschließende Auflistung der Nutzungszwecke durch den App-Anbieter" angezeigt. Dazu gehöre das Recht, auf Chats, Informationen von Freunden und persönliche Kontaktdaten zuzugreifen sowie auf die Pinnwand des Nutzers zu schreiben.
In einer "solchen umfassenden Datenweitergabe an Dritte" sehen die Verbraucherschützer einen Verstoß gegen das Telemediengesetz. Facebook müsse das App-Zentrum so gestalten, "dass der Nutzer weiß, dass er seine Daten freigibt und wofür diese verwendet werden".
ore/dpa
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