Blogger abgemahnt: 3000 Euro für ein Bild

Bilder aus dem Internet einfach kopieren - in vielen Fällen illegal, für etliche Blogger trotzdem ein Kavaliersdelikt. Sie bezahlen mit Links, nicht mit Geld. Mit etwas Pech werden sie kostenpflichtig abgemahnt.

100-Euro-Schein (Symbolbild): Viel Geld für ein Foto Zur Großansicht
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100-Euro-Schein (Symbolbild): Viel Geld für ein Foto

Hamburg - Das Foto zeigt den Lego-Künstler Nathan Sawaya, der einer lebensgroßen Kopie seiner selbst aus Plastiksteinen in die Augen guckt. Vor drei Jahren hat es unter anderem das Blog "We Like That" veröffentlicht, einfach so, ohne Erlaubnis des Fotografen. Wie es unter Bloggern oft eben üblich ist. Viele hoffen darauf, dass das schon in Ordnung geht, so lange man einen Link auf die Quelle setzt.

Nun kommt die Rechnung: Eine Anwaltskanzlei, Motto "Alles-recht-so", fordert im Namen einer Berliner Bildagentur 2568 Euro von den Blogbetreibern. Macht zuzüglich Anwaltsgebühren knapp 3000 Euro. Viel Geld für ein kleines Blog. Mittlerweile hat sich auch Nathan Sawaya eingeschaltet: In einer E-Mail versichert er, das Bild habe seine Freundin gemacht, die Rechte würden allein bei ihm liegen.

Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE erklärt die Anwaltskanzlei, die Verwertungsrechte lägen sehr wohl bei der Agentur aus Berlin. Sie seien für den deutschsprachigen Raum von der Firma Black Sheep Press aus den Niederlanden erworben worden, die ihrerseits die Verwertungsrechte von der Firma Nathan Sawaya Inc. bekommen habe.

"Eine vertragliche Vereinbarung des Künstlers mit der Firma Black Sheep Press liegt hier vor", so Rechtsanwalt Eugen Klein. Ausdrücklich habe der Künstler darauf bestanden, dass gegen missbräuchliche Verwendung vorzugehen sei. Dessen Erklärung habe man mit Verwunderung zur Kenntnis genommen. Nathan Sawaya war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Die Kanzlei mahnt im Auftrag der Agentur offenbar noch in anderen Fällen Blogger für die widerrechtliche Nutzung von Bildern ab. In einem Fall mussten die Anwälte einen Rückzieher machen und sich entschuldigen: 19.000 Euro sollte Autodino, ein Autotuning-Blog, für drei Bilder zahlen. Dabei hatte das Blog die Bilder ausdrücklich für eine Veröffentlichung zur Verfügung gestellt bekommen.

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insgesamt 40 Beiträge
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1. Da ist wohl jemand pleite...
derjansel 04.10.2012
Zitat von sysopBilder aus dem Internet einfach kopieren - in vielen Fällen illegal, für etliche Blogger trotzdem ein Kavaliersdelikt. Sie bezahlen mit Links, nicht mit Geld. Mit etwas Pech werden sie kostenpflichtig abgemahnt. Abmahnung gegen Blogger: 3000 Euro für ein Bild - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/abmahnung-gegen-blogger-3000-euro-fuer-ein-bild-a-859480.html)
... und braucht dringend Geld.
2. "Wir sind uns für nichts zu schade.."
Flari 04.10.2012
Zitat von sysopEine Anwaltskanzlei, Motto *"Alles-recht-so"*, fordert im Namen einer Berliner Bildagentur 2568 Euro von den Blogbetreibern. Macht zuzüglich Anwaltsgebühren knapp 3000 Euro. Die Kanzlei mahnt im Auftrag der Agentur offenbar noch in anderen Fällen Blogger für die widerrechtliche Nutzung von Bildern ab. In einem Fall mussten die Anwälte einen Rückzieher machen und sich entschuldigen: 19.000 Euro sollte Autodino, ein Autotuning-Blog, für drei Bilder zahlen. Dabei hatte das Blog die Bilder ausdrücklich für eine Veröffentlichung zur Verfügung gestellt bekommen.
"Wir sind mit modernster Technik ausgerüstet, die fortlaufend aktualisiert und den Anforderungen unser Mandanten angepasst wird. Wir können deshalb vom Einzelmandat bis zum sog. Masseninkasso alles bewältigen. ... *Wir sind uns für Nichts zu gut*; wir sind vielmehr gut genug für alle juristischen Lösungsansätze." Alles Recht So (http://www.alles-recht-so.de/kanzlei.shtml) Hoffentlich sind die Zitate nicht abmahnfähig.. *gg
3. optional
boer640 04.10.2012
dabei ist Viralmarketing gut...
4. Es ist ein gutes Geschäft.
FloatingTom 04.10.2012
Und auch Anwälte müssen ihre Rechnungen bezahlen. Dennoch ist diese Abmahnerei, bei der unverschämte Beträge für nahezu unbedeutende Sachverhalte abgezockt werden eine Schande.
5. Finden Sie?
iron mace 04.10.2012
Zitat von FloatingTomUnd auch Anwälte müssen ihre Rechnungen bezahlen. Dennoch ist diese Abmahnerei, bei der unverschämte Beträge für nahezu unbedeutende Sachverhalte abgezockt werden eine Schande.
Als Hobby und Nebenerwerbs Fotograf mit Gewerbe und Steuernumer ist es ärgerlich wenn meine Bilder ohne Genehmigung im Netz verteilt werden. Meine Ausrüstung hat einen Wert von ca 8000.- Euro, fahre ich auf Ausstellungen und Messen habe ich weitere Kosten, warum sollte dann jemand meine Bilder nutzen können ohne dafür zu bezahlen? Arbeiten Sie umsonst? Warum sollen Fotografen es dann tun? Unbedeutend? Wenn es so einfach wäre gute Fotos zu machen, warum gehen die Blogger nicht selbst Fotografieren? A. Weil sie es ebenen nicht können., und B. weil sie zu geizig sind bei Stockfoto Agenturen ein paar lumpige Euros zu bezahlen. Nicht mal höflich Fragen ist drin. Aber Banner Werbung und Google Adsense laufen haben, schön Kohle machen mit dem eigenen Blog. Im übrigen, kann man auch selbst zum Anwalt, das kosten dann aber auch wieder Geld, oder eine Gewerbliche Rechtsschutz, auch deshalb wollen Fotografen Geld für ihre Arbeit. Über die Höhe kann man diskutieren, die aktuelle Rechtsprechung geht in ähnlichen Fällen vom 150-200% Aufschlag auf den Verkaufspreis der Bildes aus, und der richtet sich halt nach den üblichen Marktwirtschaftlichen Kriterien. Bilder von der Photokina (das sind tausende Fotografen) sind kaum was wert, Bilder von der IWA (wo eben nicht jeder reinkommt) sind selten und damit teurer.
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