Trotz Warn-Button Millionen Deutsche werden online abgezockt

Ein vom Verbraucherministerium in Auftrag gegebenes Gutachten soll zeigen: Die Anti-Abzock-Maßnahmen des Ministeriums wirken. Konkrete Zahlen nennt es nicht. Eine zweite Studie, die SPIEGEL ONLINE vorliegt, kommt zu völlig anderen Ergebnissen.

Abmahnschreiben (Symbolbild): Wirkt der Melde-Button?
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Abmahnschreiben (Symbolbild): Wirkt der Melde-Button?

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Die Websites sehen auf den ersten Blick seriös aus: Sie bieten Hausaufgabenhilfe, Cocktailrezepte, oder sie versprechen, man könne nur mit einer Telefonnummer fremde Handys orten. Doch wer diese Dienste in Anspruch nehmen will, muss sich anmelden - und wer sich anmeldet, wird zur Kasse gebeten. Acht Euro im Monat kostet die "Handyortung", für zwei Jahre Rezeptzugang sind 192 Euro fällig - entsprechende Rezeptbücher gibt es für deutlich unter zehn Euro.

Solche als Abo-Fallen bekanntgewordenen Geschäftsmodelle haben schon Hunderttausende deutsche Internetnutzer zur Weißglut getrieben. Die Abzock-Unternehmer sind nicht zimperlich, wenn es um das Eintreiben ihrer vermeintlich berechtigten Forderungen geht. 22.000 derartige Beschwerden pro Monat hat das Ministerium für Verbraucherschutz vor zwei Jahren registriert. Heute sind es weniger, sagt ein Gutachten nun. Eine Expertenbefragung unter Verbraucherschutzorganisationen habe ergeben, dass entsprechende Beschwerden signifikant zurückgegangen seien. Zahlen aber werden nicht genannt.

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Studie: Viele Deutsche fühlen sich abgezockt
Das Ministerium hatte vor zwei Jahren mit dem Versuch begonnen, den unlauteren Methoden entgegenzuwirken: Mit einem verpflichtenden Warn-Button sollten die Betreiber entsprechender Seiten gezwungen werden, die Kostenfallen auf ihren Seiten zumindest transparent zu machen. Nun hat das Ministerium das genannte Gutachten in Auftrag gegeben, um zu überprüfen, ob der Button genutzt wird, und was er bringt.

Die betroffenen Unternehmen sehen keinen Effekt des Buttons

Das Ergebnis fällt, was zunächst nicht überrascht, positiv aus: Nach der Untersuchung des Instituts für Verbraucherpolitik ConPolicy wenden über 80 Prozent der 91 überprüften Angebote den Warn-Button korrekt an. In diesen Fällen sei die Schaltfläche mit Beschriftungen wie "jetzt kaufen" oder "kostenpflichtig bestellen" eindeutig. Defizite stellten die Tester aber bei den obligatorischen Bestellzusammenfassungen fest. Nur knapp die Hälfte der Anbieter listete hier alle wesentlichen Informationen auf. Besonders negativ fielen dabei Handyortungsdienste auf, "bei denen mehrheitlich unzulässige Angaben gemacht werden".

Außerdem fühlen sich viele der befragten Verbraucher weiterhin nicht ausreichend vor Abzocke geschützt. Mehr Aufklärung sei daher notwendig.

Hellhörig macht vor allem eine weitere Aussage des Gutachtens: Die Mehrheit der für die Studie befragten Unternehmen habe durch den Button keine gravierenden Veränderungen im Kundenverhalten festgestellt. Bringt der Button also doch nichts? Schließen Internetnutzer weiterhin Abonnements für Hunderte Euro ab, um Cocktailrezepte einsehen zu dürfen?

Millionen Deutsche sehen sich als Opfer

Tatsächlich zeigen Zahlen des Marktforschungsinstituts Infas, die SPIEGEL ONLINE vorliegen, dass sich weiterhin Millionen Deutsche als Opfer von Online-Abzocke betrachten. Befragt wurden Mitte des Jahres 2014 1500 Deutsche über 18 Jahren, Infas zufolge sind die Ergebnisse repräsentativ. Rechnet man die Ergebnisse auf die Gesamtbevölkerung hoch, kommt man zu eindrucksvollen Zahlen (siehe Fotostrecke). 5,6 Millionen Deutsche wurden demnach in den zwei Jahren vor der Befragung Opfer von Abo-Fallen. Bei der Vergleichsstudie, die Infas 2011 durchgeführt hatte (SPIEGEL ONLINE berichtete), waren es nur 5,4 Millionen. Dieser Befragung zufolge ist die Zahl der Abgezockten also keineswegs gesunken.

Drei Millionen haben der Infas-Hochrechnung zufolge in den vergangenen drei Jahren Ware nicht erhalten, die sie online bestellt hatten, im Vergleich zu 2,8 Millionen im Jahr 2011. Besonders häufig betroffen sind hier, was nicht weiter überrascht, Verbraucher, die besonders viel online einkaufen.

Stolze 10,7 Millionen Deutsche haben der Hochrechnung zufolge im betreffenden Zweijahreszeitraum eine ihrer Meinung nach ungerechtfertigte Abmahnung erhalten. Dabei allerdings muss es sich nicht nur um Betrugsfälle handeln: Auch Nutzer von Tauschbörsen etwa, die wegen Urheberrechtsverletzungen abgemahnt wurden, dürften sich in dieser Kategorie finden, ebenso wie Website-Betreiber, die etwa wegen der unerlaubten Nutzung von Bildern Post vom Anwalt bekamen.

Es scheint, als ob für den Gesetzgeber durchaus noch Spielraum besteht, was den Verbraucherschutz im Internet angeht.

Mit Material von Reuters und AFP

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OskarVernon 04.09.2014
1.
"Die Mehrheit der für Studie befragten Unternehmen habe durch den Button keine gravierenden Veränderungen im Kundenverhalten festgestellt." Köstlich: Hat wirklich jemand erwartet, die Unternehmen würden auf einfaches Befragen zugeben, früher ganz schlimme Finger gewesen zu sein und sich nur unter gesetzlichem Druck gebessert zu haben...??! oO
smokky 04.09.2014
2. selbst schuld
wenn man zu dumm ist um zu kapieren dass man als 100000 user der seite kein kostenloses iphone bekommt. gut manche fallen sind wirklich schwer zu enttarnen das kann jedem passieren, aber zum größten teil sind die nutzer einfach unfähig Rechtschreibfehler dürfen behalten werden;)
günterjoachim 04.09.2014
3. Wer's glaubt...
Kein Mensch würde mehr online einkaufen wenn die genannten Zahlen tatsächlich stimmen sollten. Da wird von irgendeiner Seite Panik gemacht.
schlaueralsschlau 04.09.2014
4.
Denken und erst dann klicken!
Checkker 04.09.2014
5. Warum
man den Unternehmen dauernd vorwirft, einen Schnapp zu machen, entzieht sich meiner Vorstellung. Es sind doch alles ach so mündige Bürger, die da mir nichts dir nichts klicken. Und hinterher ist der Aufschrei und das Gejammer gross. Dann sollten diese Leute endlich einmal ihre Schnäppchenmentalität ablegen und das Hirn wieder einschalten. Was einem in dem Zusammenhang beängstigt, ist im übrigen die Tatsache, dass all diese Leute auch Wählen dürfen. Merkt ihr was?
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