Abzocke Aigner will gegen Internet-Abofallen vorgehen

Kein Thema hat es Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner so angetan wie die Zumutungen und Fallstricke für Verbraucher im Internet. Jetzt hat sie die leidigen Abofallen, vom Gesetzgeber nicht hinreichend gedeckelte Abzockseiten, ins Visier genommen - und macht Druck auf deutscher und EU-Ebene.

Ilse Aigner: Alleingang gegen Abzocker, wenn die EU nicht mitmacht
ddp

Ilse Aigner: Alleingang gegen Abzocker, wenn die EU nicht mitmacht


Berlin/Hamburg - Die Masche ist uralt, immer dieselbe und doch erfolgreicher als die meisten anderen Abzock-Tricks: Da sucht man im Internet nach Information, findet vermeintlich etwas Passendes und soll sich nur kurz registrieren, um Zugriff zu bekommen - und schon hat man ein kostspieliges Abonnement abgeschlossen. Als Gegenleistung erhält man dann noch meist profanes bis nutzloses Material oder aber - die häufigste Variante - schlicht aus der kostenlos zugänglichen Wikipedia zusammengeklaute Häppchen. Das Erschütterndste daran: Mitunter müssen Verbraucher feststellen, dass das alles auch noch legal ist.

Denn gegen die bald folgenden Zahlungsaufforderungen und Mahnbescheide ist kaum etwas zu machen, wenn der Anbieter den gesetzlichen Mindestanforderungen an die Auszeichnung als kostenpflichtiges Angebot nachgekommen ist und eine Leistung erbracht hat - egal, wie dünn die ausfallen mag. Die Mindestanforderungen aber sind europaweit gleich definiert, gehen aber nicht nur nach Meinung der Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner absolut nicht weit genug: Viel deutlicher müsse die Kennzeichnung ausfallen - klar, denn wer liest schon Kleingedrucktes im Web, bevor er auf "Okay" klickt?

Deshalb, so Aigner, brauche es eine Schaltfläche, die ganz deutlich und plakativ auf den mit dem Klick verbundenen Preis hinweist. Diesen Preishinweis müssten die Verbraucher vorab präsentiert bekommen und bestätigen, um klar zu machen, dass sie sich bewusst für ein Zahlangebot entschieden.

Und das, so Aigner am Wochenende gegenüber dem "Tagesspiegel", wolle sie in Deutschland durchsetzen, wenn die EU es nicht schaffe, sich auf eine entsprechende Lösung zu einigen: "Sollte bis zum Herbst nicht erkennbar sein, dass sich die Button-Lösung auf EU-Ebene durchsetzen wird, werden wir uns um eine nationale Regelung bemühen", so Aigner wörtlich. Auf EU-Ebene läuft die Diskussion über das Thema seit längerem, bisher ergebnislos. Das Web-Engagement ist bei Aigner offenbar zunehmend Programm: Die Verbraucherschutzministerin beschäftigt sich seit Monaten im Besonderen mit Internetthemen wie Datenschutzproblemen bei Facebook und Google.

Der Applaus der Verbraucherschützer ist ihr gewiss. Bei den Verbraucherzentralen entfällt seit mehr als einem Jahrzehnt ein Großteil der Beratungsleistung auf diverse Abzock-Methoden im Internet. In Vor-DSL-Zeiten war die Lieblingsmethode der betrügerischen "Mehrwertdienste", wie diese Verbraucherfallen widersinnigerweise genannt werden, der Betrug mit teuren Dialern, die Internetverbindungen auf kostspielige Sondernummern umlenkten. Heute sind es vor allem Abofallen - sowohl solche, bei denen gar keine Leistung erbracht und einfach eine Rechnung für Nichts gestellt wird, als auch solche, die Trivialleistungen für viel Geld offerieren.

"Es ist höchste Zeit, dass etwas passiert", meinte im "Tagesspiegel" dazu Falk Lüke, Internet-Experte des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen (VZBV). Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz hat Informationen und Tipps zu dem Thema zusammengetragen. Die gute Nachricht: Meist kann man sich gegen die unverschämten Forderungen erfolgreich wehren, wenn man das richtig angeht - nicht aber ohne Ärger und Arbeit.

pat



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