Umstrittenes Gesetz Webfirmen starten Allianz gegen Leistungsschutzrecht

Sie wollen Geld mit dem Internet verdienen - und sehen sich durch das geplante Leistungsschutzrecht bedroht: Acht deutsche Web-Firmen und eine Investmentgesellschaft haben nun eine Allianz gegründet.


Hamburg - Igel bekommt Gesellschaft: Der Initiative gegen ein Leistungsschutzrecht, in der sich Web-Aktivisten gegen das umstrittene Vorhaben der schwarz-gelben Koalition versammelt haben, steht seit Donnerstag eine Allianz von Webfirmen zur Seite. In der Anbietervereinigung für digitalen Inhalte- und Informationszugang (Adiz) haben sich neun Unternehmen zusammengeschlossen. Ziel der Allianz ist es, "die Durchsetzung des geplanten 'Leistungschutzrechts für Presseverleger'" zu verhindern.

Zu den Unternehmen gehören die Investmentgesellschaft dw capital, die unter anderem Qype finanziert, sowie Webfirmen wie Mister Wong, Echobot und Yigg. Die Firmen nutzen im Web verfügbaren Informationen für ihre Dienste, zeigen kleine Textsnippets und zum Teil Vorschaubilder an. Die automatische Verarbeitung solcher Informationen, die von Verlagen oder Bloggern ins Netz gestellt wurden, soll nach dem Gesetzentwurf künftig lizenzpflichtig werden.

Treffen soll das von Verlegerverbänden forcierte Gesetz vor allem Suchmaschinen wie Google und automatische Nachrichten-Aggregatoren. Google lehnt die Lizenzpflicht vehement ab. Die vergleichsweise kleinen deutschen Web-Unternehmen fürchten nun, besonders benachteiligt zu werden. Deutschland mache sich mit dem geplanten Gesetz "zum weltweiten Gespött der Web-Welt", wird Marco Ripanti von Ekaabo, einer Social-Media-Agentur, auf der Website der Allianz zitiert.

In keinem anderen Land gibt es einen derartigen Vorschlag wie das Leistungsschutzrecht. Eine E-Petition gegen das Gesetz, die von der Piratenpartei initiiert wurde, findet allerdings bisher nur schleppend Unterstützer. Mehr als eine Woche nach dem Start der Zeichnungsfrist, die am 10. Oktober endet, waren nur rund zwölf Prozent der benötigten 50.000 Unterschriften erreicht.

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insgesamt 12 Beiträge
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Privatier 20.09.2012
1. Ich hoffe Google "regelt" das, wie einst in Belgien
Zitat von sysopSie wollen Geld mit dem Internet verdienen - und sehen sich durch das geplante Leistungsschutzrecht bedroht: Acht deutsche Web-Firmen und eine Investmentgesellschaft haben nun eine Allianz gegründet. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,856954,00.html
Und fegt umgehend alle aus seinem Index, die versuchen, dem Gastgeber ihre Spielregeln aufzuzwingen: Verlegerstreit: Google wirft belgische Zeitungen aus dem Suchindex - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/verlegerstreit-google-wirft-belgische-zeitungen-aus-dem-suchindex-a-774970.html) Allen, die sich abgrenzen möchten, steht der Weg offen, alleine oder gemeinsam ihre Angebote mit einem eigenen Index in einer eigenen Suchmachine zur Verfügung zu stellen. MfG
petzi 20.09.2012
2. Das Damoklesschwert ..
.. des Leistungsschutzrechtes ist u.a., dass sich der Anspruch verfestigt, und am Ende gegen alle richtet. Die geschmierte Politik wird dann, um vorgeblich die Bürokratiekosten zu begrenzen, auf einfache, für die Wirtschaft zumutbare, Abrechnungsmodelle zugreifen. Wie wär's wenn dann alle das Leistungsschutzrecht über die GEZ Gebühren bezahlen. Diese werden dann teilweise an die Pressekonzerne ausgeschüttet, für etwas das sie selbst freiwillig und ohne Zwang ins Netz gestellt haben, und außerdem über Werbung finanziert wird. Man nimmt halt was man kriegen kann.
sappelkopp 20.09.2012
3. Sie verkennen die Situation...
Zitat von PrivatierUnd fegt umgehend alle aus seinem Index, die versuchen, dem Gastgeber ihre Spielregeln aufzuzwingen: Verlegerstreit: Google wirft belgische Zeitungen aus dem Suchindex - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/verlegerstreit-google-wirft-belgische-zeitungen-aus-dem-suchindex-a-774970.html) Allen, die sich abgrenzen möchten, steht der Weg offen, alleine oder gemeinsam ihre Angebote mit einem eigenen Index in einer eigenen Suchmachine zur Verfügung zu stellen. MfG
...Google ist keineswegs der "Gastgeber" im Internet. Google stellt nur einen kleinen Teil der Infrastruktur sozusagen die Hinweisschilder auf der Straße. Dass es immer wieder Menschen gibt, die diese Datenkrake verteidigen, wundert mich sehr. Ich kann ja verstehen, dass die Nutzer der "Umsonst-Kultur" diese auch weiterhin gern behalten würden... Aber ich kann auch jene verstehen, die für ihre Leistungen Geld haben möchten...
sappelkopp 20.09.2012
4. Ach, das ist mir ja neu...
Zitat von petzi.. des Leistungsschutzrechtes ist u.a., dass sich der Anspruch verfestigt, und am Ende gegen alle richtet. Die geschmierte Politik wird dann, um vorgeblich die Bürokratiekosten zu begrenzen, auf einfache, für die Wirtschaft zumutbare, Abrechnungsmodelle zugreifen. Wie wär's wenn dann alle das Leistungsschutzrecht über die GEZ Gebühren bezahlen. Diese werden dann teilweise an die Pressekonzerne ausgeschüttet, für etwas das sie selbst freiwillig und ohne Zwang ins Netz gestellt haben, und außerdem über Werbung finanziert wird. Man nimmt halt was man kriegen kann.
...dass Dinge, die ohne Zwang ins Netz gestellt werden und zudem "über Werbung finanziert werden" - wo nehmen Sie eigentlich das Wissen her? - für jeden kostenlos zu erhalten sind?
petzi 20.09.2012
5. @sappelkopp: Falls sie mehr wissen ..
.. als ich, sagen sie es. Mir ist nämlich nicht bekannt, dass irgendjemand z.B. SPON gezwungen hätte ohne Bezahlmodell online zu gehen. Und das heftige Werbergeflacker an den Rändern und Mittendrin kommt wohl auch nicht von ungefähr. Die Pressebranche versucht hier den gleichen Trick, den auch das Staatsfernsehn mit seinem Online Angebot durchgezogen hat. Erst hat mein sich selbst den Auftrag gegeben, und dann sagt man, weil das auch Geld kostet, musst du es jetzt bezahlen. Das versucht auch die Presse. Ohne Auftrag ins Netz gestellt, und weil es Geld kostet dann überall abkassieren. Jeder der groß genug ist, versucht sich irgendeinen Trick auszudenken, mit dem er zwangsweise abkassieren kann, also ob das was neues wäre. Ich bin halt nur nicht so begeistert wie sie davon.
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