Internet-Kommentare von Automaten AfD will im Wahlkampf Meinungsroboter einsetzen

Social Bots können die Meinungsbilder im Netz erheblich verzerren. Die im Bundestag vertretenen Parteien lehnen deshalb den Einsatz solcher Tarnprogramme im Wahlkampf ab - nur die AfD will sie nach SPIEGEL-Informationen nutzen.

AfD-Vorstandsmitglied Alice Weidel
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AfD-Vorstandsmitglied Alice Weidel


Die AfD will im Bundestagswahlkampf 2017 sogenannte Social Bots einsetzen, mit denen automatisiert Botschaften in sozialen Netzwerken verbreitet werden können. "Selbstverständlich werden Social Bots in unserer Strategie im Bundestagswahlkampf bedacht werden", sagte Bundesvorstandsmitglied Alice Weidel dem SPIEGEL. "Gerade für junge Parteien wie unsere sind Social-Media-Tools wichtige Instrumente, um unsere Positionen unter den Wählern zu verbreiten." (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

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Hinter diesen Bots verbergen sich kleine Programme, die sich im Netz oft lautstark zu kontroversen Themen zu Wort melden und häufig nur schwer als Automaten erkennbar sind. Zuletzt waren ganze "Bot-Armeen" im Vorfeld der Brexit-Entscheidung und im US-Wahlkampf aufgefallen - laut Forschern der Universität Oxford generierten Bots bei den ersten beiden Präsidentschaftsdebatten ein Viertel aller Botschaften.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Wochenende bei einer Veranstaltung der Jungen Union einen Schulterschluss der Parteien angeregt, um gemeinsam gegen den Einsatz von Social Bots zu kämpfen. Derlei Absprachen über eine gemeinsame Linie gebe es allerdings bislang nicht, erklärt CDU-Generalsekretär Peter Tauber, der den Einsatz von Bots für die eigene Partei ausschließt.

CDU-General kritisiert AfD

Beim Koalitionspartner SPD würde man damit auf offene Ohren stoßen: "Die sozialen Medien werden in unserem Wahlkampf eine wesentliche Rolle spielen. Aber den Einsatz von Bots lehnen wir ab", sagt SPD-Generalsekretärin Katarina Barley. Auch Linke und Grüne haben erklärt, auf Social Bots im Wahlkampf zu verzichten.

Die Offenheit der AfD für Roboter-Kommentare kritisiert CDU-Mann Tauber scharf: "Das zeigt: Der AfD geht es nicht um eine echte inhaltliche Auseinandersetzung - sondern nur um Krawall und Pöbelei."

Auch der Bundestag befasst sich bereits mit dem Thema. Er hat gerade das Büro für Technikfolgen-Abschätzung mit einer Studie zu Auswirkungen und "eventuellen gesellschaftlichen Gefahren" von Social Bots beauftragt. Im Januar sollen erste Ergebnisse vorgestellt werden.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Donnerstagmorgen erhältlich.

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insgesamt 217 Beiträge
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santoku03 21.10.2016
1.
Hmm, besteht denn nicht diese ganze Organisation aus Bots? Kann doch nicht sein, dass echte Leute solchen Unsinn verzapfen.
schlaueralsschlau 21.10.2016
2. Generell wird schon
jetzt die öffentliche Meinung verzerrt, weil Afd Sympathisanten das Internet vermehrt benutzen. Deshalb sind die ja ach der Meinung jeder würde so denken wie sie.
syracusa 21.10.2016
3. das Ende der Demokratie
Wenn wir solcher Meinungsmanipulation nicht jetzt ganz entschieden entgegen treten, dann können wir einpacken. Dann war's das mit der Demokratie. Dann ist das der Sieg der Trumpisten, Putinisten und Petryisten. Ich würde sogar so weit gehen, soziale Netze, die Propagandabots nicht wirkungsvoll ausschließen können, zu verbieten. Notfalls müssen ganze Zweige des Netzes gekappt werden, wenn die daraus abgeschossenen Propagandawaffen aus den Trollfabriken nicht wirkungslos gemacht werden können. So wie wir Anti-Raketen-Waffen zum Schutz brauchen, brauchen wir auch Schutz vor den Waffen der Demagogen und Meinungsfälschern.
gigi76 21.10.2016
4. Bots...
was ist so schlimm an Bots? Ob nun ein Politiker beratungsresistent mantraartig Phrasen herunterbetet oder eine Automatismus. Wo liegt da noch der Unterschied?
vox veritas 21.10.2016
5.
So ganz stimmt das nicht. Social Bots verbreiten bzw. plazieren Artikel, ähnlich wie dies mit Werbung passiert. Die Artikel müssen aber immer noch von Menschen geschrieben werden. Ergo findet auch eine inhaltliche Auseinandersetzung mit politischen Themen statt.
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