Affäre um mysteriösen Twitter-Kläger Abgeordneter outet Fußballstar

In Großbritannien legte sich ein Fußballer mit dem Netzwerk Twitter an, dessen Nutzer Gerüchte über eine Liebesaffäre weiterverbreitet hatten. Wer dieser prominente Kläger war, durften Medien nicht schreiben. Jetzt wurde die Identität des Mannes doch preisgegeben - im britischen Unterhaus.

Twitter-Homepage: Knebelverfügungen der britischen Justiz
AFP

Twitter-Homepage: Knebelverfügungen der britischen Justiz


London - Für die britischen Medien war es eine Genugtuung: Der Unterhaus-Abgeordnete John Hemming hat im Parlament den Namen des prominenten Fußballers genannt, der mit einer Klage gegen Twitter und mehrere Nutzer Berichte über sein Privatleben verhindern wollte. Auch Medien sollte die Berichterstattung über die angebliche Affäre untersagt werden.

"Es ist offensichtlich nicht machbar, 75.000 Menschen einzusperren, die Ryan Giggs auf Twitter genannt haben", sagte der Abgeordnete der Liberaldemokraten, als es um die umstrittenen "Super Injunctions" ging - Knebelverfügungen, mit denen britische Gerichte die Interessen von Prominenten schützen. Der Oberste Gerichtshof entschied aber doch, dass eine Einstweilige Verfügung gegen die "Super Injunctions" abgelehnt wird.

Giggs, walisischer Nationalspieler von Manchester United und verheiratet, klagt zurzeit gegen Twitter und mehrere Nutzer, weil sie berichteten, er habe eine Affäre mit dem Big-Brother-Sternchen Imogen Thomas gehabt. Giggs soll vor Gericht durchgesetzt haben, dass Medienberichte und selbst Äußerungen von Imogen Thomas über die Vorgänge untersagt sind.

Das Besondere an den "Super Injunctions": Die Betroffenen dürfen nicht berichten, dass jemand ihnen vor Gericht verbieten ließ, über etwas zu berichten. Es darf auch nicht bekannt werden, dass jemand einen Prozess führt, weil so negative Aufmerksamkeit auf den Kläger gelenkt würde. Nachdem das Vorgehen von Giggs am Wochenende bekannt geworden war, war sein Name in Tausenden von Tweets aufgetaucht.

Hemming hat nicht zum ersten Mal einen Prominenten geoutet: Im März verriet er, dass ein ehemaliger Manager der Royal Bank of Scotland eine umfassende Verfügung erwirkte, die es den britischen Medien verbot, über ihn als Ex-Banker zu berichten.

Korrektur: In einer ursprünglichen Version des Artikels hieß es, dem Abgeordneten sei das geltende britische Recht offenbar egal. Das ist so nicht richtig, Äußerungen von Abgeordneten im Parlament sind von "Super Injunctions" nicht betroffen.

als/Reuters



insgesamt 8 Beiträge
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grafkoks2002 23.05.2011
1. Schrein!
Zitat von sysopIn Großbritannien legte sich ein*Fußballer*mit dem Netzwerk Twitter an, das Gerüchte einer Liebesaffäre verbreitet hatte. Wer dieser prominente Kläger war, darüber durften britische Medien nicht berichten. Jetzt wurde die Identität des Mannes doch preisgegeben - im britischen Unterhaus. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,764455,00.html
Wer ist dieser Abgeordnete, wo kommt er her, warum gibt es so einen Mann nicht in Deutschland? Man sollte ihm einen Schrein bauen!
Aaron De Winter 23.05.2011
2. SPON lesen hilft
"Das geltende britische Recht war ihm offenbar egal, und für die britischen Medien war es eine Genugttung, wenn auch kein Sieg: Der Unterhaus-Abgeordnete John Hemming hat im Parlament den Namen des prominenten Fußballers genannt,[...]" Vielleicht sollte SPON mal den früheren, eigenen Artikel lesen: "Erst als ein Abgeordneter im Parlament darüber sprach (dort gelten die Verfügungen nicht)," John Hemming hat sich also eben NICHT über geltendes Recht hinweg gesetzt!
spawn478 23.05.2011
3. Das ist so richtig typisch
Die sogenannte Elite ist immer gern dabei, im Rampenlicht zu stehen. Aber wehe wenn es mal was Negatives gibt, dann gilt plötzlich Persönlichkeitsschutz.
andresa 23.05.2011
4. tweet
über twitter kommen auch die ganze zeit nachrichten zu spanien. hier gibts übrigens den liveticker: http://le-bohemien.net/2011/05/18/spaniens-jugend-auf-der-strasse
roflem 24.05.2011
5. +
Wir sind auch nicht weit entfernt von solchen super injunctions. Deutschland ist auf dem besten Wege die Pressefreiheit zu verlieren. Auslöser war 2005 der Fall Stolpe. Seitdem sind die Pressekammern der Landgerichte Hamburg und Berlin regelmässig mit abstrusen Verfahren beschäftigt bei denen Geldgierige Armwälte die Seiten wechseln, dass es einem schwindlig wird. Selbst der Spiegel ist regelmässig Gast bei Richter Buske.
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