Glasfaser-Ausbau Dobrindt will schnelles Netz unter die Autobahnen legen

Jede Baustelle soll Bandbreite bringen: Die Bundesregierung beschließt, dass künftig beim Straßenbau automatisch Glasfaserkabel verlegt werden müssen. Kommt Deutschland so schneller ins Netz?

Minister Dobrindt, Autobahn A8: "Einfach ein Kabel durchschießen - fertig"
DPA

Minister Dobrindt, Autobahn A8: "Einfach ein Kabel durchschießen - fertig"


Wenn Autobahnen und Bundesstraßen neugebaut oder saniert werden, müssen in Zukunft Glasfaserkabel für schnelles Internet direkt mitverlegt werden. Einen entsprechenden Gesetzentwurf hat das Bundeskabinett beschlossen. Damit will man den Ausbau von Hochgeschwindigkeitsnetzen beschleunigen.

Der Entwurf stammt von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), der auch für die "digitale Infrastruktur" zuständig ist. Darin werden auch Betreiber wie Stadtwerke verpflichtet, bestehende Energie- oder Abwasserleitungen an Straßen, Schienen und Flüssen für Breitbandkabel zu öffnen. Dafür sollen Telekommunikationsanbieter ein "angemessenes" Entgelt zahlen.

Auch wenn Neubaugebiete erschlossen werden, müssen demnach Glasfaserkabel direkt mit verlegt werden. Dobrindt drückt es so aus: "Jede Baustelle bringt Bandbreite."

Deutschland hinkt beim schnellen Netz im internationalen Vergleich hinterher. Der Minister will das von der Bundesregierung gesetzte Ziel erreichen, dass bis 2018 jeder Bürger mit einer Geschwindigkeit von mindestens 50 Megabit pro Sekunde ins Netz kommt.

In vielen ländlichen Regionen klagen Bürger und Unternehmen über zu langsame Verbindungen. Dobrindt hatte im Vorjahr eine Milliarden-Förderung des Bundes für den Ausbau besonders in dünn besiedelten Gebieten angekündigt.

50 Megabit pro Sekunde sind mittlerweile allerdings eine recht geringe Bandbreite, da das Datenvolumen im Zuge der Vernetzung stark ansteigt. Kritiker bemängeln, dass die Regierung bislang vor allem auf bestehende Kupferleitungen setze und dabei den Blick für schnellere Glasfaserleitungen verloren habe.

"Einfach ein Kabel durchschießen - fertig"

Seit einigen Monaten gibt es Streit um einen Vectoring-Vorstoß der Telekom, bei dem das Unternehmen den Durchsatz von Kupferleitungen erhöhen will. Die Wettbewerber laufen gegen den Vorstoß Sturm, da die Telekom sich einen weitgehend exklusiven Zugang zu den knapp 8000 deutschen Hauptverteilern erhofft. Die Bundesnetzagentur hatte dem Plan grundsätzlich grünes Licht gegeben.

Von dem von der Telekom geplanten Ausbau des schnellen Internets könnten kurzfristig Kunden profitieren, nebenbei könnte das Projekt aber den Glasfaserausbau ausbremsen. Dieser Kritik - von Opposition, Industrie und Internetaktivisten geäußert - soll mit den neuen Gesetzentwurf wohl auch entgegnet werden.

Bei Minister Dobrindt klingt alles jedenfalls ganz einfach: "Unzählige Straßen im Land müssen nicht mehr doppelt aufgerissen werden. Solange geeignete Rohrkapazitäten darunter liegen, die noch frei sind, können die Telekommunikationsunternehmen einfach ein Kabel durchschießen - fertig."

fab/dpa

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insgesamt 59 Beiträge
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Seite 1
awoth 27.01.2016
1. Waaaaahnsinn!
Genial. Einfach ge-ni-al! DA muss man erstmal drauf kommen :-) Weiter so, Deutschland!
merlin 2 27.01.2016
2. Wenn die Faser so verlegt wird ...
... wie man baut, dann haben wir auch in 20 Jahren noch keine neuen Verbindung bei dem Flickschusterwerk, was unsere Autobahnbaustellen so abgeben.
humorrid 27.01.2016
3. Alexander der Schnelle, einfach und fertig
so wird Deutschland wenn nicht flächendeckend, dann wenigstens fleckendeckend mit Glasfaserkabel bestückt. Wo diese dann von der Autobahn abgehen? In den Wald natürlich. Minister Dobrindt zeigt sich wieder von seiner besten Seite, wetten er geht danach gleich in die Wirtschaft. Bei dem Vaseline-Faktor mindestens so weit wie Rössler.
timomaxx 27.01.2016
4.
der Entschluss hätte kommen müssen als man in den 90ern mit ISDN etc. gearbeitet hat. Schon damals war klar wohin die Reise mit den Bandbreiten geht, doch die Politik hat da einfach nicht richtig gehandelt. Hinsichtlich der Weitsicht siehe z.B. hier https://books.google.de/books?id=_ybQBgAAQBAJ&pg=PA123&lpg=PA123&dq=diskussion+90er+jahre+isdn+glasfaser&source=bl&ots=vC8UKHJF_1&sig=HpoDOX3M0G75NRgXLXAukTMXI1w&hl=de&sa=X&redir_esc=y#v=onepage&q=diskussion 90er jahre isdn glasfaser&f=false
KlausP22 27.01.2016
5. Autobahnen bringt nix, aber Neubaugebiete eventuell
Glasfasern entlang der Autobahnen bringen quasi nix, denn Fernleitungen gibt es eh schon genügend. Was fehlt sind die Leitungen zu kleinen Orten, die auch keinen Autobahnanschluss haben. ...... In Neubaugebieten bringen Fasern zumindest etwas Zukunftssicherheit, weil dann bei einem FTTH Ausbau des Ortes das Neubaugebiet besonders einfach erschlossen werden kann. Aber ohne das Erschliessen des ganzen Ortes mit FTTH wird wohl kaum einer nur für 3 neue Wohnstrassen schon mal Technik aufbauen und Angebote machen. Leerrohre in der Strasse sind keine Garantie dass die auch jemand nutzen will!
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