Projekt Streetnet Junge Kubaner betreiben geheimes Netzwerk

Die meisten Kubaner haben keinen Zugang zum Internet. Doch in Havanna haben 9000 junge Nutzer ihre Computer zu einem geheimen Netzwerk zusammengeschlossen. Ohne offizielle Genehmigung ist das eigentlich verboten.

Teilnehmer des Streetnets: Der Laptop von Rafael Antonio Broche Moreno ist mit 9000 Computern vernetzt
AP

Teilnehmer des Streetnets: Der Laptop von Rafael Antonio Broche Moreno ist mit 9000 Computern vernetzt


Sie chatten und spielen miteinander, sie tauschen Dateien: Eine Gruppe junger Kubaner hat in Kubas Hauptstadt Havanna Tausende Computer zu einem geheimen Netzwerk verbunden, zum sogenannten Streetnet, kurz: SNet. Mit dem echten Internet ist das Streetnet nicht verbunden, Nutzer können darin aber sogar eine Kopie des Internetlexikons Wikipedia aufrufen.

Die meisten Menschen auf Kuba leben ohne Internet. Zugänge für zu Hause sind nur in Ausnahmefällen erlaubt. Eine Stunde Surfen in staatlichen Internetcafés kostet knapp ein Viertel des Monatsgehalts, wie die Nachrichtenagentur AP berichtet.

Das Streetnet besteht aus 9000 Computern, die mit verstecken WiFi-Antennen und Ethernet-Kabeln vernetzt sind. Den Initiatoren zufolge wurde es ohne fremde Hilfe aufgebaut.

2001 begann das Projekt mit einer Handvoll Nutzern, erst in den letzten fünf Jahren ist es stark gewachsen. An einem durchschnittlichen Tag sind etwa 2000 Nutzer online. Ähnliche kleinere Netzwerke gibt es in anderen kubanische Städten.

"Eigentlich brauchen wir das Internet, weil es so viele Informationen online gibt", sagt Rafael Antonio Broche Moreno, ein 22-jähriger Elektroingenieur, der am Netzwerkaufbau beteiligt war. "Aber immerhin macht einen das [Streetnet] ein wenig glücklich, weil man das Gefühl hat 'Ich bin mit ein paar Leuten verbunden, spreche mit ihnen, tausche Dateien'."

Grundsätzlich verbietet Kuba die Verwendung von WiFi ohne Erlaubnis des zuständigen Ministeriums. Darauf angesprochen, spricht Moreno von einem stummen Einverständnis, davon, dass Netzwerke wie das Streenet wohl toleriert werden, solange sich die Nutzer an die Gesetze halten.

"Wir sind nicht anonym, weil das Land sicher weiß, dass solche Netzwerke existieren", sagt Moreno. "Wir möchten uns mit keinem anlegen. Alles, was wir wollen, ist spielen und gute Ideen tauschen." Die kubanische Regierung wollte sich auf eine Anfrage von AP nicht zu dem Netzwerk äußern.

In ihrem neuen Kurs zur Kuba-Politik hat die US-Regierung angekündigt, dass die digitale Infrastruktur Kubas verbessert werden soll. Bislang hat Kuba das US-Handelsembargo für die geringe Verbreitung des Internets verantwortlich gemacht.

Kritiker sehen im beschränkten Internetzugang den Wunsch der Regierung, die Bevölkerung zu kontrollieren. Auch seien die übermäßig hohen Kosten für Handys und das Internet eine besondere Einnahmequelle.

AP/mei

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insgesamt 8 Beiträge
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augennichttrauer 27.01.2015
1. Wenn das ganze so illegal ist...
Warum gefährdet der Spiegel die beteiligten furch Fotos und die Berichterstattung. Journalismus muss auch mal was weglassen können.
crazy_swayze 27.01.2015
2.
Lieber Spiegel, findet ihr es intelligent den Mann mit Namen und Foto hier zu präsentieren? Der kubanische Geheimdienst wird sich freuen.
bunhuelo 27.01.2015
3. das ist die Zukunft
So wird auch unsere Zukunft aussehen, wenn wir in 20 Jahren noch ein unzensiertes, freies Internet haben wollen. Das klassische Internet wird dann ja vermutlich vollends kaputt sein.
hansmaus 27.01.2015
4.
Zitat von crazy_swayzeLieber Spiegel, findet ihr es intelligent den Mann mit Namen und Foto hier zu präsentieren? Der kubanische Geheimdienst wird sich freuen.
ach was! Wenn der verhaftet wird dann schreibt der spiegel einen Artikel und alles ist wieder gut. Die moralische Weltherrschaft liegt schließlich bei uns deutschen und im speziellen bei den Medien. Alles halb so wild
JDR 27.01.2015
5.
Man darf wohl davon ausgehen, dass der Betroffene selbst sehr gut einschätzen kann, wie potenziell gefährlich diese Photos sein könnten. Da er scheinbar keine Einwände gegen deren Veröffentlichung hat und freiwillig dafür posiert, darf angenommen werden, dass er als Insider keine erheblichen Repressionen erwartet. Etwas ähnliches wird auch in dem Artikel ja bereits angedeutet. Sicherlich sitzen nicht nur in Havanna Menschen, die diese Netzwerke "mit Interesse" verfolgen. Schon, um zu studieren, was man anderenorts ähnlich machen könnte.
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