Rassismus im Onlineshop Amazon nimmt Nazi-Produkte aus dem Sortiment

Nazi-Ringe und brennende Kreuze auf Babystramplern: Amazon hat auf den Brief eines US-Kongressabgeordneten reagiert und mehrere Verkäuferkonten mit fragwürdiger Ware gesperrt.

Amazon-Chef Bezos
DPA

Amazon-Chef Bezos


Erneut gerät Amazon unter Druck, weil in dem Onlinekaufhaus Produkte mit fremdenfeindlichen Botschaften zu finden sind. Das Unternehmen hat nun offenbar auf die Vorwürfe des US-Kongressabgeordneten Keith Ellison reagiert und einige Produkte aus dem Programm genommen. Laut dem US-Konzern hätten Mitarbeiter das Warenangebot durchforstet und mehrere Produkte entfernt, die gegen die Händler-Richtlinien verstoßen hätten.

Das geht aus einem Brief hervor, der dem Nachrichtenportal "BuzzFeed" vorliegt. Darin antwortet Amazon dem Abgeordneten, dass man die angesprochenen Produkte überprüft und alle Artikel, die gegen die Richtlinien verstießen, aus dem Sortiment genommen habe. Außerdem seien Verkäufer-Accounts dauerhaft blockiert worden. "Von den Verkäufern wird erwartet, dass sie sich an die Regeln halten, und wir untersuchen sofort jede Verletzung, die uns berichtet wird", heißt es in dem Schreiben.

Eine Studie untersucht die Rassismusproblematik bei Amazon

Ellison hatte Amazon-Chef Jeff Bezos vor einigen Tagen einen offenen Brief (PDF) geschrieben: Er solle Stellung nehmen zu den Vorwürfen, sich am Verkauf von Produkten mit rassistischer Botschaft zu bereichern. Der Politiker schreibt, er sei unter anderem besorgt über den Umsatz, den Amazon mit dem Verkauf von Büchern und Liedern erziele, die von Menschen veröffentlicht würden, die als "Hassgruppen" identifiziert worden seien.

Außerdem beklagt er sich darüber, dass Nazi-Schmuck, Konföderierten-Flaggen oder Babystrampler mit aufgedruckten brennenden Kreuzen auf dem Portal verkauft würden. Ellison sei verstört gewesen, als er mitbekam, dass Amazon rassistische Produkte für Kinder auf seiner Plattform zugänglich mache. Ellison bezieht sich dabei auf eine Studie mit dem Titel "Delivering Hate" (PDF), die untersucht, wie Rassismus und Islamfeindlichkeit über die Plattform verbreitet werden.

Bereits in den vergangenen Jahren hatte Amazon mehrmals Probleme mit derartigen Angeboten im Sortiment. Auch in Europa tauchte immer wieder Hasslektüre auf, die eigentlich nicht verkauft werden durfte. So bot der Onlinehändler unter anderem in Deutschland und Großbritannien rechtsextreme Bücher an, die nach dem Jugendschutzgesetz illegal waren.

jbr



insgesamt 14 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
spadoni 03.08.2018
1. Dass
so etwas bei Amazon überhaupt angeboten wurde ist ungeheuerlich !!!
Pontifaz 03.08.2018
2. Hinweis notwendig?
Da braucht es wirklich einen Brief? Das muß Amazon von sich aus feststellen. Klar haben sie viele Artikel, aber dafür gibt es ja Computer. Wenn eine Firma daran arbeiten kann festzustellen, was wir demnächst kaufen wollen, dann könnte man ja vielleicht auch ein Programm schreiben, das soetwas identifiziert
dasfred 03.08.2018
3. In den USA gibt es einen Markt dafür
Wo KKK und Neonazis so fröhlich öffentlich ihre Gebräuche zelebrieren, braucht es natürlich die entsprechenden Devotionalien. Jetzt müssen sich Leute wieder auf eigenen Plattformen eindecken. Das dazugehörige Gedankengut bleit auch ohne Amazon erhalten.
ip2018 03.08.2018
4.
Zitat von dasfredWo KKK und Neonazis so fröhlich öffentlich ihre Gebräuche zelebrieren, braucht es natürlich die entsprechenden Devotionalien. Jetzt müssen sich Leute wieder auf eigenen Plattformen eindecken. Das dazugehörige Gedankengut bleit auch ohne Amazon erhalten.
Nicht nur USA. In Frankreich und in Spanien sah ich schon "Mein Kampf" in Deutsch in Schaufenstern von Buchläden liegen. Orden und Anstecker aus der Nazizeit sind noch das Harmloseste das man kaufen kann. Fast in jedem EU-Land.
kalim.karemi 03.08.2018
5. Guter Anfang
Jetzt noch Guevara t-Shirts, Marxposter, Maobibeln, stalinfiguren und Leninbücher aus dem Programm nehmen und die Welt ist ein kleines bisschen besser (gefühlt).
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.