Überwachungssoftware: Leihcomputer fotografierten Nutzer beim Sex

Totalüberwachung auf Raten: Amerikanische Firmen, die Laptops zum Mietkauf anbieten, haben ihre Kunden gründlich bespitzelt. Die geliehenen Rechner spähten Passwörter und Bankdaten aus und machten mit der Webcam heimlich Bilder von den Nutzern.

Webcams: Blick über die Schulter des Computermieters Zur Großansicht
Corbis

Webcams: Blick über die Schulter des Computermieters

Washington - Einige Computer-Verleih-Firmen in den USA haben ihre Kunden systematisch ausspioniert. Die Handelskommission FTC (Federal Trade Commission) der USA hat öffentlich gemacht, dass Notebooks zum Mietkauf in den Heimen der Mieter zu Spitzeln wurden. Hunderttausende waren betroffen.

Spioniert wurde sehr gründlich: Nutzernamen und Passwörter wurden ausgespäht, Kreditkarteninformationen, Bankdaten und private E-Mails, ärztliche Berichte und heimlich aufgenommene Webcam-Bilder - mal von Kindern, mal halbnackten Menschen und mal von "intimen Aktivitäten zu Hause", wie die FTC das nennt. Die Rechner selbst haben ihre Nutzer heimlich beim Sex gefilmt und höchst Privates gespeichert und an die ausgebenden Unternehmen weitergereicht, "ohne dass die Nutzer es gemerkt oder zugestimmt hätten", so die Behörde. Gegen diese Komplettüberwachung hinter dem Rücken der Nutzer geht die Behörde jetzt vor - zumindest so gut sie kann.

Der Schnüffelei diente offenbar eine Software namens PC Rental Agent vom Hersteller DesignerWare, die schätzungsweise auf 420,000 Rechnern weltweit installiert wurde; im August 2011 kam sie laut FTC bei ungefähr 1600 Mietkauf-Firmen zum Einsatz, in den USA, Kanada und Australien. Mit Hilfe der Software konnten die Verleiher beispielsweise den aktuellen Standort eines geliehenen Computer feststellen und das Gerät im Zweifel aus der Ferne lahmlegen, falls die Miete nicht rechtzeitig bezahlt wurde.

Heimliche Screenshots und gefälschte Pop-up-Fenster

Ist in dieser Software der sogenannte Detektiv-Modus aktiviert, geht noch wesentlich mehr: Nicht nur können Screenshots angefertigt und Tastatureingaben mitgelesen werden. Die Webcam macht dann auch regelmäßig Bilder von den ahnungslosen Nutzern, Beziehungsweise von jedem, der sich gerade im Radius der Kamera bewegt. Manchmal poppt auch ein gefälschtes "Registrierungsfenster" auf, das erst wieder verschwindet, wenn der Nutzer seine Kontaktdaten in die entsprechenden Felder eingetippt hat. Laut FTC nutzten die Firmen diese ergaunerten Informationen, um beispielsweise noch ausstehende Raten einzutreiben.

"Eine Vereinbarung, einen Computer zu leihen, ist keine Erlaubnis für eine Firma, auf die privaten E-Mails, Bankinformationen und Krankenprotokolle der Kunden zuzugreifen - oder schlimmer, auf Webcambilder von Menschen im Privatbereich ihrer eigenen Wohnung", sagte Behördenchef Jon Leibowitz. "Die Vorschriften der FTC werden ihrer Cyberspionage ein Ende setzen."

Keine Bußgeld, nur ein Klaps auf die Hand

Auf die Anschuldigungen der Bundesbehörde hin haben jetzt sieben der amerikanischen Unternehmen und eine Software-Firma einem Vergleich zugestimmt. Damit wird den Mietkauf-Firmen verboten, irgendeine Art von Überwachungssoftware zu benutzen oder den Aufenthaltsort des Nutzers zu verfolgen, ohne dass die Person dem zugestimmt hat. Auch wird den beteiligten Firmen verboten, ausgespähte Informationen zu nutzen, um Außenstände einzutreiben. Überwacht werden jetzt die Überwacher selbst: 20 Jahre lang wird die FTC die Unternehmen von nun an beaufsichtigen.

Strafrechtliche Befugnisse hat die Handelskommission allerdings nicht. Bei Unternehmen, denen zum ersten Mal ein Verstoß nachgewiesen wird, kann die Behörde nicht einmal ein Bußgeld verhängen. Auch ist der Einsatz einer solchen Software in den USA nicht generell verboten. "Wired" schreibt, die FTC habe den Firmen nur ein wenig auf die Finger geklopft: Denn selbst nach den neuen Vorschriften dürfen sie derart neugierige Software verwenden - sofern sie die Nutzer vorab verständigen.

Der Überwachungsalbtraum ist übrigens schon seit längerem bekannt; bereits im Mai 2011 berichtete zum Beispiel Ars Technica von Nutzern, die die Bespitzelung bemerkt und geklagt hätten. Schon dabei kam demnach heraus, dass eine der Mietkauf-Firmen die fragliche Software routinemäßig installiert hatte.

juh

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insgesamt 18 Beiträge
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1. Was?
Niamey 27.09.2012
Zitat von sysopAFPTotalüberwachung auf Raten: Amerikanische Firmen, die Laptops zum Mietkauf anbieten, haben ihre Kunden gründlich bespitzelt. Die geliehenen Rechner spähten Passwörter und Bankdaten aus und machten mit der Webcam heimlich Bilder von den Nutzern. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/amerikanische-leihcomputer-spionieren-laut-ftc-nutzer-aus-a-858347.html
Da wird sich im Lande der unbegrenzten Möglichkeiten doch ein Betroffener finden der die Firmen auf einige Millionen Dollar verklagt, oder?
2. Glück gehabt
Leser161 27.09.2012
Dann seien wir mal alle froh, das durch die Software kein Pädophiler geschnappt werden konnte. Denn das Schnappen von Pädophilen rechtfertig heutzutage ja alles.
3. ...
VparadoxX 27.09.2012
Zitat von sysopAFPTotalüberwachung auf Raten: Amerikanische Firmen, die Laptops zum Mietkauf anbieten, haben ihre Kunden gründlich bespitzelt. Die geliehenen Rechner spähten Passwörter und Bankdaten aus und machten mit der Webcam heimlich Bilder von den Nutzern. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/amerikanische-leihcomputer-spionieren-laut-ftc-nutzer-aus-a-858347.html
Na mal sehen was noch alles kommt wenn überall die neuen Fernseher in den Wohnungen stehen. Ausgestattet mit Kameras und Mikrofonen. Und ständig mit dem Internet verbunden. Schöne neue Welt.
4. 1984...
hrk23 27.09.2012
..Orwell lässt grüßen....
5. Orwell würde im Grab rotieren
Otto Extremverbraucher 27.09.2012
Wie weit sind wir gekommen? Wie skrupellos ist diese Gesellschaft geworden? Wie abgestumpft sind wir inzwischen als Leser solcher Nachrichten, dass bei einem derartigen Thema gerade mal 5 Kommentare unter dem Artikel stehen?? Zu teure Medikamente - darüber ereifern sich die Massen. Aber dieser Skandal wird achselzuckend und quasi folgenlos für diese Verbrecher hingenommen? Man kann nur hoffen, dass was am 21.12. etwas dran ist. Zum Teufel mit diesem Geschmeiss!
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Schad- und Spähsoftware
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potentiell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.


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