EU-Verfahren wegen Android Googles Albtraum wird wahr

Es ist ein direkter Angriff auf Googles Geschäftsmodell: Die EU-Wettbewerbshüter knöpfen sich das Betriebssystem Android vor.

Google-Zentrale in Dublin
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Google-Zentrale in Dublin

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Im Internet etwas suchen = Google benutzen, das definiert fast jeder so. Und Google tut viel dafür, dass das auch auf Smartphones und Tablets so bleibt. Zu viel, findet die EU-Kommission.

Der US-Konzern missbrauche seine dominante Marktposition, schlage Wettbewerber aus dem Feld oder lasse Konkurrenz gar nicht erst entstehen, sagte EU-Wettbewerbskommissarin Margrete Vestager am Mittwoch in Brüssel. Deshalb nimmt die Behörde in ihrem Verfahren gegen den US-Konzern nun auch das Betriebssystem Android ins Visier .

Die zentralen Vorwürfe:

  • Google zwinge die Hersteller von Smartphones und Tablets, ein Paket mit elf Google-Apps vorzuinstallieren, die nicht gelöscht werden können - darunter der Webbrowser Chrome und die Such-App. Das ist Voraussetzung, damit die Hersteller auch Googles Play Store auf ihren Geräten installieren dürfen - ein Muss, denn der Play Store ist der mit Abstand gängigste Weg, weitere Apps herunterzuladen.
  • Die Hersteller von Geräten mit Google-Diensten müssten außerdem eine sogenannte "Anti-Fragmentierungs-Vereinbarung" unterschreiben. Sie verbiete ihnen, Geräte mit abgewandelten Android-Versionen zu verkaufen - obwohl Android ein Open-Source-Betriebssystem ist, das die Entwicklung alternativer Versionen im Grundsatz erlaubt.

"Googles Verhalten schädigt den Verbraucher, indem es Wettbewerb verhindert", sagte Vestager. Und es gehe um viele Verbraucher. "Smartphones spielen eine Schlüsselrolle in unserem Leben", so Vestager. "Auf weltweit 80 Prozent dieser Geräte läuft Android." Zwar sei es kein Problem, wenn ein Unternehme eine dominante Marktposition erreiche. "Aber wenn die Dominanz missbraucht wird, haben wir ein Problem."

Googles Albtraum

Für Google ist die Einbeziehung von Android in das Wettbewerbsverfahren ein echtes Risiko, eine Entwicklung, die der Konzern jahrelang zu verhindern versuchte. Die Rolle von Android steht nicht nur in Westeuropa auf dem Prüfstand. In Russland ist Google erst kürzlich mit dem Versuch gescheitert, eine Entscheidung der russischen Kartellbehörde anzufechten, die auf eine Beschwerde der russischen Suchmaschinenfirma Yandex zurückgeht.

Yandex-Chef Arkadi Wolosch gab bei einer Veranstaltung in Hamburg vor einigen Wochen offen zu, dass sein Unternehmen, einst unangefochtener Marktführer in Russland, Marktanteile an Google verliert. Wolosch begründete das mit der Smartphone-Revolution: "Auf Android-Geräten finden wir eben einfach nicht statt." Google muss nun seine Verträge mit Geräteherstellern in Russland so ändern, dass auch Apps anderer Hersteller vorinstalliert werden dürfen, entschied die Kartellbehörde.

Besser lief es für Google in Kanada: Die dortigen Wettbewerbshüter gaben am Dienstag bekannt, keine weiteren Schritte gegen Google zu unternehmen. Es gebe nicht genügend Hinweise auf eine erhebliche Einschränkung der Konkurrenz. Vestager gab sich davon unbeeindruckt. Manche Behörden urteilten eben anders als andere. "Das ist etwas, was man akzeptieren muss", meinte die Kommissarin.

Positivbeispiel Amazon?

In seinem Blog argumentiert Google, Android sei doch ein freies Betriebssystem, das jedermann, jedes Unternehmen auf seinen Geräten verwenden und modifizieren könne. Amazon - das Unternehmen hat das auf Android basierende Betriebssystem Fire OS entwickelt - wird dabei als prominentes Beispiel genannt.

Ohne Google-Apps und vor allem ohne Googles Play Store, in dem Hunderttausende Apps bereitstehen, verlieren Android-Smartphones und -Tablets für viele Anwender trotzdem ihren Reiz.

Für Amazon, die Google als Beispiel nennt, ist der fehlende Google-Store ein weniger schwerwiegendes Problem als für kleinere Firmen. Der US-Konzern hat seinen eigenen App-Store geschaffen, in dem man sich bedienen kann. So werden Amazons Tablets mit speziellen Apps versorgt und gleichzeitig an Amazons Multimedia-Angebote angebunden. Ein solches Angebot können die meisten Hardware-Hersteller aber nicht bieten: Sie sind auf den Play Store angewiesen.

Erinnerungen an Microsoft

Als Menetekel dürfte Google die diversen Kartellentscheidungen gegen Microsoft vor Augen haben, die in der EU über die Jahre gefällt wurden. Insgesamt musste Microsoft Strafzahlungen von fast drei Milliarden Euro leisten. Google hat jetzt zwölf Wochen Zeit, zu den Vorwürfen der EU-Kommission Stellung zu nehmen. Die Android-Untersuchung ist Teil eines größeren EU-Verfahrens der Kommission. Sie weitete das Verfahren kürzlich auch auf die neue Konzernholding Alphabet aus, deren Teil Google seit vergangenem Jahr ist.

Sollte die Kommission ihre Vorwürfe beweisen können und eine förmliche Entscheidung treffen, droht Google ein Bußgeld von bis zu zehn Prozent eines Jahresumsatzes. Der Jahresumsatz des Unternehmens lag 2015 bei 74,5 Milliarden Dollar. Der einzige, wenn auch schwache Trost für Google: Der Zehn-Prozent-Rahmen wird üblicherweise nicht ausgeschöpft.

Wie eine mögliche Lösung aussehen könnte? "Ganz einfach", antwortete Vestager. "Diese Praktiken müssen aufhören." Doch auch das wäre nicht eben billig für Google. Mit Werbeanzeigen in Android-Apps für die Suche, für die Navigation und für E-Mails generiert der Konzern Umsätze von geschätzten elf Milliarden Dollar pro Jahr.

Googles Senior Vice President Kent Walker kommentierte am Mittwoch: "Wir arbeiten gern weiter mit der Europäischen Kommission zusammen, um deutlich zu machen, dass Android den Wettbewerb fördert und gut für Verbraucher ist."


Zusammengefasst: Die EU-Kommission wirft Google vor, seine dominante Marktposition bei den Handy-Betriebssystemen zu missbrauchen. Das Unternehmen hält diese Kritik für unberechtigt, Android sei schließlich ein freies Betriebssystem. Kann die Kommission ihre Vorwürfe belegen und trifft sie eine förmliche Entscheidung, droht Google ein Bußgeld von bis zu zehn Prozent eines Jahresumsatzes.

Worum geht es im EU-Kartellverfahren gegen Google?
Woran stört sich die EU-Kommission?
Die Wettbewerbshüter sehen gleich mehrere Probleme. Zum einen verstoße der Konzern gegen EU-Kartellrecht, weil er von den Herstellern verlange, die Google-Suche und den Web-Browser Chrome vorzuinstallieren, wenn sie den Play Store installieren wollen. Das bremse den Wettbewerb und schränke die Auswahl für Verbraucher ein. Außerdem sei es unfair, dass Hersteller von Geräten mit Google-Diensten, die eine "Anti-Fragmentierungs-Vereinbarung" unterschreiben, keine Modelle mit von Android abgeleiteten Betriebssystemen verkaufen dürften. dpa
Wie verteidigt sich Google?
Der Konzern kontert, kein Hersteller von Android-Geräten werde gezwungen, Dienste und Apps von Google anzubieten - Verbraucher wünschten sich das aber. Zugleich könnten Hersteller neben Google-Apps auch ohne Einschränkungen weitere Anwendungen und App-Stores vorinstallieren. Außerdem könnten Google-Apps auf dem sogenannten "Homescreen" - der ersten Bildschirm-Ansicht mit den wichtigsten Anwendung - durch andere Anwendungen ersetzt werden. dpa
Verbietet die "Anti-Fragmentierungs-Vereinbarung" Herstellern wirklich, Geräte mit modifiziertem Android zu verkaufen?
Nach eigenen Angaben "bittet" Google die Hersteller, eine solche Vereinbarung zu unterzeichnen. Sie sieht vor, dass Apps gleichermaßen auf verschiedenen Geräten laufen müssten - "denn je mehr Geräte mit nicht kompatiblen Versionen von Android im Umlauf sind, desto schwieriger wird es für die Nutzer herauszufinden, welche Apps auf ihrem Gerät funktionieren und welche nicht". Zugleich gibt es auch ein paar Hersteller, die Geräte ohne Google-Dienste verkaufen. dpa
Wie begründet Google, dass Hersteller elf Google-Apps installieren müssen, wenn sie Google-Dienste anbieten wollen?
Der Konzern erklärt, das sei nötig, um ein Mindestangebot an Apps auf dem Gerät zu haben, weil die Nutzer Googles Dienste sonst nicht vernünftig einsetzen könnten. "Mobile Google-Apps sind so aufeinander abgestimmt, dass sie einander nahtlos ergänzen." So könne ein Nutzer dadurch zum Beispiel eine Datei aus dem Online-Speicherdienst Google Drive an eine E-Mail in der Gmail-App anhängen. Oder eine Kalender-Einladung bearbeiten, ohne Gmail zu verlassen. Die vorinstallierten Apps lassen sich grundsätzlich nicht löschen, damit sie noch da sind, wenn die Geräte in den Werkszustand versetzt werden. dpa
Werden nicht auch auf iPhones Apple-Apps vorinstalliert?
Ja - doch die EU-Wettbewerbshüter sehen keinen Handlungsbedarf, weil Apple sein System nicht an andere Hersteller lizenziert. Außerdem haben die iPhones einen deutlich geringeren Anteil am Smartphone-Markt als Android, das mit Abstand meistbenutzte Betriebssystem. dpa
Welche "finanziellen Anreize" vermutet die EU bei der Vorinstallation der Google-Suche?
Dabei dürfte es darum gehen, dass der Hersteller an den Werbeerlösen beteiligt wird, wenn er nur die Google-Suche vorinstalliert. Zugleich können die Hersteller auf dieses Geld auch verzichten und andere Suchmaschinen einbinden. dpa
Wie könnte eine Lösung im Android-Streit aussehen?
"Ganz einfach", sagt Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager: Die kritisierte Praxis müsse eingestellt werden. Aus Sicht der Kommission hieße das vor allem, die Vorinstallation von Google-Suche und Chrome-Browser dürfe keine Bedingung für die Integration von Google-Diensten mehr sein. Google gab bisher nicht zu erkennen, wie der Konzern entgegenkommen könnte - denn er weist die Vorwürfe grundsätzlich zurück. dpa


insgesamt 124 Beiträge
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Seite 1
obelix236 20.04.2016
1. Es wird auch höchste Zeit,
dass dieses kriminelle Monopol geknackt wird. Auf Smart-Phones muss es genau so wie auf PCs möglich sein, ein frei gewähltes Betriebssystem zu installieren. Dann wird auch die Funktionalität deutlich besser werden. In meinen Augen ist Android das schlimmste Betriebssystem, das je entwickelt wurde. Obwohl es auf Linux basiert, ist die gesamte Bedienung das Letzte.
MartinHa 20.04.2016
2. Und wenn Google jetzt einen auf iPhone macht, ist alles wieder gut?
Mir scheint eine einfache Lösung der Vorwürfe zu sein, dass Google nur noch seine eigenen Smartphones entwickelt und verkauft, und Android nicht mehr an andere lizenziert, so wie es Apple tut. Aber ob das für uns Nutzer wirklich besser ist?
f-rust 20.04.2016
3. hoffentlich setzt sich die EU hier durch.
absolut nervig, dass ich gefühlt ein Dutzend für mich sinnlose Google-Apps drauf habe, die Platz rauben, ofz aktualisiert werden und die ich nicht völlig deinstallieren kann.
mar-kosch 20.04.2016
4.
Jetzt geht der Humbug wieder los, und diesmal mit Google. Wir haben in Europa echte Aufgaben zu lösen - dies hier ist keine. Als es um Windows und Internet Explorer ging, da konnte man Microsoft ja noch zwingen, andere Browser anzubieten. Heutzutage ist die Suchmaschine aber integraler Bestandteil des Gerätes und ist z.B. unzertrennlich mit den digitalen Assistenten (Siri, Cortana, Google) verbunden. Googles Geschäftsmodell konzentriert sich einzig und allein auf das Sammeln und Verkaufen von Daten. Android ist nur Mittel zum Zweck. Google sein Kerngeschäft zu verbieten, macht wenig Sinn. Inzwischen geht Cortana auf Handys und PCs eine enge Symbiose mit Microsofts Browser und der Suchmaschine Bing ein. Und niemanden stört's. Dies alles bringt nichts außer möglicherweise verkrüppelten Betriebssystemen.
Mysticsister 20.04.2016
5. Evil? Nein.
Das ist irgendwie etwas schräg. Google gibt Software her welche es selbst produziert, da steckt Arbeit drin. Andere Hersteller geben ihre Software gar nicht erst her und binden diese, siehe Apple, zwingend an eigene Hardware. Mit Android kann jeder seine Geräte bestücken sofern er sich eben an ein zwei Bedingungen hält, das ist der Preis dafür das andere für mich, als Hardware-Hersteller, diese Software, also Android als Betriebssystem, entwickeln und pflegen. Diese Bedingungen kann ich als Verbraucher mit Leichtigkeit umgehen. Ich kann Apps bei Amazon kaufen wenn mir danach ist, muss dafür aber dafür zb Werbung in Kauf nehmen (underground zb). Ich kann auf weiteren Webseiten Apps laden, gehe aber Sicherheitsrisiken ein, wo Google als Marktplatz versucht mich zu schützen. Ich kann mir einen Browser nach Wahl und auch die Standard-Suchmaschine nach Gusto einstellen, die Google Leiste auf dem Startbild kann ich auch entfernen, bei Purem Android ist das möglich, da es lediglich ein Widget ist. Dafür das Google also sein Android als Open-Source weitgehend zur Verfügung stellt, soll es abgestraft werden, weil andere nicht in der Lage waren oder sind geschlossene Abhängigkeitssysteme wie Amazon zu schaffen? Andere haben eben gerade weit geschlossenere Systeme, und ausgerechnet Amazon als Beispiel anzuführen ist wie den Bock zum Gärtner machen! Versteh einer das, ich nicht. Ein Preis ist immer zu zahlen. Open Source heißt nicht alles um jeden Preis umsonst. Auch bei Linux entscheide ich mich für ein System und bin an Gegebenheiten gebunden. Aber gewiss meinen die meisten Google will die Weltherrschaft und jubeln nun. Wenn es so einfach wäre.
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