Anfrage bei US-Bundespolizei: Deutsche Ermittler wollten FBI-Trojaner

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Das FBI nutzt seit Jahren Staatstrojaner zur Überwachung Verdächtiger - und deutsche Ermittler wollten offenbar von den US-Spezialisten lernen. Ein Verbindungsmann der Amerikaner klagte 2007 in einer Mail, er habe "schon wieder" eine Anfrage der deutschen Kollegen.

Bundestrojaner-Code: Eine Überwachung kann leicht zur Online-Durchsuchung ausarten Zur Großansicht
dapd

Bundestrojaner-Code: Eine Überwachung kann leicht zur Online-Durchsuchung ausarten

Hamburg - "Peinlich" sei ihm das, schrieb der FBI-Verbindungsbeamte an seine Kollegen in den USA. Er saß in Frankfurt am Main und entschuldigte sich dafür, dass er schon wieder mit einer "Anfrage von den Deutschen" nerven müsse. Die Germans würden sich für die Überwachungssoftware CIPAV interessieren, danach hätten sie explizit gefragt.

Der Verbindungsbeamte schrieb das am 24. Juli 2007 - die E-Mail ist inzwischen bei "Wired" öffentlich zugänglich. Das Datum ist interessant: Am 20. Juli 2007 hatten mehrere Medien über einen Prozess im US-Bundesstaat Washington berichtet, bei dem am Rande bekannt wurde, dass das FBI eine Spionage-Software namens CIPAV nutzt, die aus der Ferne auf den Rechnern von Überwachten installiert werden kann. "Die US-Bundespolizei FBI nutzt bereits die Staatstrojaner, von denen Innenminister Schäuble träumt", fasste SPIEGEL ONLINE damals die Details aus den von "Wired" und "Cnet" veröffentlichten Gerichtsdokumenten zusammen.

Hilfsangebote der FBI-Trojanerexperten

Vier Tage später - dazwischen lag ein Wochenende - hat offenbar ein Kontakt des Frankfurter FBI-Manns nach diesem Trojaner gefragt. Der FBI-Verbindungsbeamte äußert sich in seiner Mail an die US-Kollegen erstaunt über das plötzliche Interesse der Deutschen. Der FBI-Auslandsmann schreibt dem Leiter der Abteilung für Data Intercept Technology und erklärt, warum ihm die erneute Anfrage unangenehm sei: "Nach Ihrer vorangegangenen Hilfe, und nachdem noch niemand unserer deutschen Kollegen auf Ihre Unterstützungsangebote reagiert hat."

Aus diesen Zeilen wird klar: Deutsche Ermittler haben sich mit dem FBI über Überwachungstechnologie ausgetauscht. Und so wie das Schreiben des Verbindungsmanns in Frankfurt klingt, haben die deutschen Kollegen mehr zugehört als beigetragen. Was aber meint der FBI-Kontaktmann mit "Unterstützungsangeboten"?

Das BKA schweigt

Das Bundeskriminalamt hat auf eine Anfrage zur Zusammenarbeit mit dem FBI in Sachen Überwachungssoftware bis zur Veröffentlichung nicht geantwortet.

Aus Berliner Sicherheitskreisen verlautet, dass das BKA für die Online-Durchsuchung selbst - also die mit wesentlich höheren rechtlichen Hürden versehene Komplettausforschung eines Rechners - eine eigene Software-Lösung programmiert hat. Vielleicht mit Hilfe der US-Kollegen? Für die sogenannte Quellen-TKÜ, also das Abhören von Kommunikation per Software auf dem Computer der Überwachten - soll das BKA Software des Unternehmens DigiTask genutzt haben.

Das BKA ist durch einen Abschnitt im Bundeskriminalamtgesetz ermächtigt, Computer in bestimmten Fällen nicht nur zu belauschen, sondern auch komplett zu durchsuchen. Eine Anfrage, wie oft dies bisher geschehen ist, hat das BKA bis zur Veröffentlichung dieses Artikels nicht beantwortet.

Die "Kollegen von nebenan" sollen helfen

Der Staatstrojaner CIPAV konnte offenbar, das geht aus dem Prozess 2007 hervor, über präparierte Websites auf Rechner geschleust werden (Drive-by-Infektion). Die FBI-Spezialisten nutzen Sicherheitslücken im Web-Browser der Zielperson aus, um unbemerkt Zugriff auf den Rechner zu erlangen. Der von den Beamten Überwachte wurde mit einem Link in einer Nachricht auf diese Seite gelockt.

In dem damals bekannt gewordenen Fall protokollierte der FBI-Staatstrojaner die Online-Aktivitäten des Überwachten. Die Beamten wollten ermitteln, ob er Droh-E-Mails an seine Schule schickte. Das Schnüffelprogramm übertrug den Ermittlern aber nicht die Inhalte der Kommunikation. Das FBI dürfte mit Sicherheit auch über Staatstrojaner zur Überwachung von Tastatureingaben und zur Online-Durchsuchung verfügen.

Was aus der Anfrage der "deutschen Kollegen" beim FBI-Verbindungsmann wurde, ist unklar. Fest steht, dass sein Partner in den USA ihm nach zwei Stunden auf die E-Mail antwortete: "Um CIPAV kümmert sich die Abteilung bei uns nebenan." Er setzte die Kollegen gleich in Kopie.

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1. Wie nennt man solche Staaten?
christoph. 14.10.2011
Zitat von sysopDas FBI nutzt seit Jahren Staatstrojaner zur Überwachung Verdächtiger -*nd deutsche Ermittler*wollten von den US-Spezialisten lernen.*Ein FBI-Verbindungsmann in Frankfurt klagt 2007 in einer E-Mail, er habe "schon wieder" eine Anfrage der "deutschen Kollegen". http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,791895,00.html
Wie nennt man Staaten, deren Ermittlungsbehörden sich nicht an Gesetze gebunden fühlen und sich über Urteile des höchsten Gerichts hinwegsetzen? Wie nennt man Staaten, die den Bürgern, vorgeblich im Interesse der "Sicherheit", das Recht absprechen, in Ruhe gelassen zu werden? Ermittlungsbehörden, die den transparenten Bürger wollen, und selber im Dunkeln agieren, Anfragen nicht beantworten, Geheimnisse pflegen. Eines ist ganz sicher: Unter Demokratie laufen solche Staaten nicht!
2. Verdächtig
aklenke 14.10.2011
Man darf wohl getrost davon ausgehen, dass der US-Trojaner wesentlichen umfangreicheren Zugriff auf den jeweiligen Rechner erlaubt. Wer in Deutschland über das vom BVG erlaubte hinaus will, machts sich strafbar. Nur wer wird dieses uín diesem Land verfolgen? Die Behörden sind immer etwas gleicher als gleich.
3. Mag
Hovac 14.10.2011
schon sein, da ist es aber auch nicht verboten so wie hier.
4. das macht alles Sinn
katerramus 14.10.2011
auch der Server in den USA. Vielleicht sollte man das "Ermächtigungsgesetz" für das BKA noch einmal vor den Bundestag bringen! (- nach Neuwahlen ;)) Das passt auch alles wunderbar zu dem EU- Schnüffelprojekt Indect, bei dem Daten aus Kameras, Drohnen, Telefon-, Bank-, Melde- undFacebookdaten zusammengefasst werden mit Gesichtserkennungssoftware. Gestern abend ein Beitrag dazu in Kontraste: http://www.rbb-online.de/kontraste/archiv/kontraste_vom_13_10/steuergelder_fuer.html
5. Noch mehr Funktionen??
Deutscher__Michel 14.10.2011
Zitat von aklenkeMan darf wohl getrost davon ausgehen, dass der US-Trojaner wesentlichen umfangreicheren Zugriff auf den jeweiligen Rechner erlaubt. Wer in Deutschland über das vom BVG erlaubte hinaus will, machts sich strafbar. Nur wer wird dieses uín diesem Land verfolgen? Die Behörden sind immer etwas gleicher als gleich.
Was wäre das denn ihre Meinung nach? Video, Mikrophon einschalten und den Raumüberwachen sowie gefakte Beweise hochladen sowie den gesamten Rechner durchsuchen konnte unserer auch. Mir fällt ehrlich gesagt keine Steigerung ein.. Ausser evtl. eine vernünftige Entwicklung und nicht so eine Amteurhaftige-Softwarestruktur ohne Verschlüsselung etc.
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Schad- und Spähsoftware
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potentiell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.


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