Überwachung Angebliche Gamma-Werbung für Trojaner aufgetaucht

Die Gamma Group stellt Software her, mit der sich Computer und Netzwerke überwachen lassen. Was die Produkte der Firma können, soll nun eine Präsentation zeigen.

Website von F-Secure: Folien von IT-Unternehmen veröffentlicht

Website von F-Secure: Folien von IT-Unternehmen veröffentlicht


Die finnische Sicherheitsfirma F-Secure hat acht Folien auf seiner Website veröffentlicht, die angeblich von der Gamma Group stammen. Dabei soll es sich um Werbung für Überwachungsprogramme handeln. "Zuletzt sind einige FinFisher-Verkaufsprospekte und -präsentationen online geleakt worden", heißt es in einer kurzen Erläuterung. "Sie enthalten interessante Details zu diesen Tools." Die Gamma Group hat die Echtheit der Folien bislang nicht bestätigt.

Auf den von F-Secure präsentierten Folien, die kein Datum tragen, werden diverse Produkte vorgestellt, etwa die FinUSB Suite. Laut des Folientexts dient dieser USB-Stick dazu, heimlich Daten von Zielsystemen zu gewinnen. Die Analyse des Rechners dauere dabei nur 20 bis 30 Sekunden, heißt es, die dabei gewonnen Daten würden vollständig verschlüsselt. Der Stick eigne sich für den Einsatz durch Haushaltspersonal.

Nicht weniger beunruhigend klingen die Kernfunktionen des sogenannten FinIntrusion Kits. Den Folien zufolge ist diese Software sogar in der Lage, Daten aus SSL-Verbindungen zu extrahieren. So könne der Kit-Nutzer etwa an die Facebook- oder Gmail-Nutzerdaten einer Zielperson gelangen. Sogar Online-Banking-Daten sollen sich auslesen lassen.

Smartphone-Überwachung ebenfalls im Angebot

Für Smartphones hat die Gamma Group ähnliche Software im Angebot. Der entsprechenden Folie zufolge kann der FinSpy Mobile unter anderem ein- wie ausgehende E-Mails aufzeichnen, ebenso den Standort des Nutzers bestimmen. Die Software soll auf BlackBerry-, iOS- und Android-Geräten funktionieren, ebenso auf Windows Phones. F-Secure schreibt, dies sei der erste Hinweis auf Windows-Phone-Malware, der der Firma bekannt ist.

Weitere Produkte, die auf den Folien auftauchen, heißen FinFly Web, FinFly ISP und FinFly USB - letzteres offenbar ein USB-Stick, der nach dem Einstecken in einen Computer mit Windows 2000 oder XP automatisch Software installiert. Bei Netzpolitik.org finden sich noch einige weitere Folien im Gamma-Group-Design, darunter zum Beispiel Skizzen, die die Funktionsweise einiger Produkte erläutern.

Die Gamma Group steht wegen ihrer Überwachungssoftware immer wieder in der Kritik. 2012 etwa gab es Hinweise darauf, dass die Machthaber in Bahrain eine Gamma-Software gegen Oppositionelle einsetzen. Gamma International betont, sich bei seinen Software-Verkäufen an die Exportbestimmungen in Großbritannien, den Vereinigten Staaten und Deutschland zu halten. Im Januar 2013 wurde bekannt, dass das Bundeskriminalamt eine Gamma-Software testet.

Gamma hat bis Dienstagabend nicht auf eine Anfrage von SPIEGEL ONLINE reagiert.

mbö



insgesamt 3 Beiträge
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NETSUBJEKT 03.09.2013
1. Die Produzenten dieses Teufelszeugs gehören in den Knast
Wenn jemand Gegenstände produziert oder modifiziert, so dass anderen damit ein wirtschaftlicher, informeller oder bürgerrechtlicher Schaden zugefügt werden kann, der handelt nicht anders als Leute, die absichtlich Fallgruben graben, Stolperdrähte spannen oder Türklinken unter Strom setzen. Das gilt ebenso für den Rest der Welt: Egal ob in USA, Europa, China, Russland oder sonstwo. Wer wissentlich für seine Regierung oder Privatunternehmen Spyware produziert, die darauf abzielt seine eigenen Mitbürger zu Schaden, sollte sich dessen bewusst sein, dass er moralisch nicht besser ist als die Produzenten von Giftgas. Die Geheimdienste können nur deshalb solche monströsen Infrastrukturen der Ausforschung schaffen und sich -besoffen von ihrem Machtgefühl - über jedes Recht hinweg setzen, weil es diese erbärmlichen Programmierer und Ingenieure gibt, die ihnen das für gutes geld und Schulterklopfen in die Hand geben. Sie mögen in ihrem Arbeitsbereich brilliant sein, aber als Menschen und Mitbürger stellen sie eine grosse Bedrohung für Freiheit, Leib und Leben einer ganzen Zivilisation dar. Und so sollten sie behandelt werden. Diesen Abschaum sollte die Polizei mit Schlagstock und Tränengas an den Haaren aus ihren Büros auf die Strasse schleifen.
chris11114 04.09.2013
2.
Solche Firmen machen die Welt nur unsicher. Skriptkiddies transferier Tausende Euros von ganz normalen Ahnungslosen Leuten und die Firma stellt das Equipment dafür her. Eigentlich sollten sie verklagt werden!!!
xysvenxy 04.09.2013
3. Windows Phone?
Auf der Folie 'FinSpy Mobile' ist das Logo von Windows Mobile zu sehen, nicht das von Windows Phone. Es ist schon seit WP7 nicht möglich dort so einen 'Trojaner' einzuschleusen. Selbst wenn das ginge (es gab da mal einen Hack für WP7 - der allerdings konnte nur über einen Entwicklerzugang direkt aufs Handy geschmuggelt werden, für normale Geräte war auch das unmöglich). Selbst wenn es gelänge über eine manipulierte App eine solche Software auf ein WP Gerät zu bringen würde das nichts bringen da die App in der Sandbox läuft und keine Option hat auf andere Adressräume zuzugreifen. Nicht umsonst gibt es für Windows Phone keinerlei Jailbreaks noch ist irgend etwas über Malware für das betriebssystem bekannt. Damit ist WP definitv sicher als selbst Linux es ist.
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