Köln - Angeblich ist es Anonymous-Aktivisten gelungen, eine von Pädophilen besuchte Website zu hacken und deren Nutzerdatenbank offenzulegen. Es handele sich um eine "Darknet-Handelsseite für Pädos", wie gulli.com ein angebliches Bekennerschreiben zitiert.
Der veröffentliche Datenbank-Dump umfasst 1589 Benutzernamen, ohne dass zumeist Klarnamen oder Passwörter enthalten wären. In Einzelfällen sind durchaus Realnamen vorhanden, dazu noch E-Mail-Adressen, die Postanschrift, Skype- und Twitter-Namen sowie das Alter der Person. Über den Twitter-Account ArsonAnonymous rief ein Aktivist offen zur Selbstjustiz auf.
Auf den kritischen Einwand, die einmal veröffentlichten Details seien in Strafverfahren schwer als Beweise zu verwenden, antwortete er: "Sobald wir diese Informationen veröffentlichen, wird der Gerechtigkeit genüge getan werden. Wenn nicht vom FBI, dann von der Allgemeinheit."
Schuldig bis zum Beweis des Gegenteils
So wenig Sympathie pädosexuellen Straftätern zukommen dürfte, gibt es dennoch auch einige Zweifel am guten Zweck der Aktion. Das Online-Magazin "Telepolis" weist auf einen bedenklichen Aspekt hin: Es sei in keinem Fall zweifelsfrei erwiesen, dass es sich bei den Enttarnten tatsächlich um Pädokriminelle handele. Hier würden "selbsternannte Sittenwächter" das rechtsstaatliche System, Grundrechte und das Prinzip der Unschuldsvermutung beiseite wischen und Menschen für schuldig bis zum Beweis des Gegenteils erklären.
Es sei ja schon gar nicht klar, ob die genannten Klarnamen überhaupt echt seien und nicht auf dem Wege des Identitätsklaus benutzt würden. Andere stellen grundsätzlich in Frage, ob die Hack-Attacke tatsächlich aus den Reihen von Anonymous begonnen wurde. So finden sich auf der allgemein recht gut informierten Quelle AnonNews bisher kein Hinweise auf die Aktion.
Und ganz grundsätzlich wird der Sinn einer Aktion bezweifelt, die vielfältige Links auf Inhalte von Kinderporno-Seiten veröffentlicht hat. Auch wenn die meisten dieser Links inzwischen wieder gelöscht sind, die Kritik bleibt: "Es gibt ja auch wirklich keinen bescheuerteren Weg zur Bekämpfung der Kinderpornografie als die Veröffentlichung von Links auf Kinderpornos".
meu/lis
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