Angebliche Kinderpornografie-Kunden Anonymous startet Online-Pranger

Aufruf zur Selbstjustiz: Selbsternannte Anonymous-Aktivisten veröffentlichten Benutzernamen und Twitter-Konten von knapp 1600 angeblichen Nutzern eines Online-Angebots für Kinderpornografie.

Anonymous-Video auf YouTube: Propaganda der Namenlosen
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Anonymous-Video auf YouTube: Propaganda der Namenlosen


Köln - Angeblich ist es Anonymous-Aktivisten gelungen, eine von Pädophilen besuchte Website zu hacken und deren Nutzerdatenbank offenzulegen. Es handele sich um eine "Darknet-Handelsseite für Pädos", wie gulli.com ein angebliches Bekennerschreiben zitiert.

Der veröffentliche Datenbank-Dump umfasst 1589 Benutzernamen, ohne dass zumeist Klarnamen oder Passwörter enthalten wären. In Einzelfällen sind durchaus Realnamen vorhanden, dazu noch E-Mail-Adressen, die Postanschrift, Skype- und Twitter-Namen sowie das Alter der Person. Über den Twitter-Account ArsonAnonymous rief ein Aktivist offen zur Selbstjustiz auf.

Auf den kritischen Einwand, die einmal veröffentlichten Details seien in Strafverfahren schwer als Beweise zu verwenden, antwortete er: "Sobald wir diese Informationen veröffentlichen, wird der Gerechtigkeit genüge getan werden. Wenn nicht vom FBI, dann von der Allgemeinheit."

Schuldig bis zum Beweis des Gegenteils

So wenig Sympathie pädosexuellen Straftätern zukommen dürfte, gibt es dennoch auch einige Zweifel am guten Zweck der Aktion. Das Online-Magazin "Telepolis" weist auf einen bedenklichen Aspekt hin: Es sei in keinem Fall zweifelsfrei erwiesen, dass es sich bei den Enttarnten tatsächlich um Pädokriminelle handele. Hier würden "selbsternannte Sittenwächter" das rechtsstaatliche System, Grundrechte und das Prinzip der Unschuldsvermutung beiseite wischen und Menschen für schuldig bis zum Beweis des Gegenteils erklären.

Es sei ja schon gar nicht klar, ob die genannten Klarnamen überhaupt echt seien und nicht auf dem Wege des Identitätsklaus benutzt würden. Andere stellen grundsätzlich in Frage, ob die Hack-Attacke tatsächlich aus den Reihen von Anonymous begonnen wurde. So finden sich auf der allgemein recht gut informierten Quelle AnonNews bisher kein Hinweise auf die Aktion.

Und ganz grundsätzlich wird der Sinn einer Aktion bezweifelt, die vielfältige Links auf Inhalte von Kinderporno-Seiten veröffentlicht hat. Auch wenn die meisten dieser Links inzwischen wieder gelöscht sind, die Kritik bleibt: "Es gibt ja auch wirklich keinen bescheuerteren Weg zur Bekämpfung der Kinderpornografie als die Veröffentlichung von Links auf Kinderpornos".

meu/lis

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insgesamt 65 Beiträge
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Seite 1
zickezackehoihoihoi 19.10.2011
1. Wer
Zitat von sysopAufruf zur Selbstjustiz: Selbsternannte Anonymous-Aktivisten veröffentlichten Benutzernamen und Twitter-Konten von knapp 1600 angeblichen Nutzer eines Online-Angebots für Kinderpornografie. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,792650,00.html
gibt diesen selbsternannten Heilsbringern eigentlich das Recht zu solchen Aktionen? Kein normaler Mensch kann Kinderpornographie u.ä. gutheissen. Aber hier einfach brandstifterisch Namen offenzulegen, wo nichts bewiesen ist, erfüllt zunächst mal den Tatbestand der üblen Verleumdung. In meinen Augen ist Anonymus selbst ein Haufen Kleinkrimineller.
ralf_si 19.10.2011
2. .
Interessant, woher die Anonymous-Personen wissen, dass dort Pädo-Fotos gehandelt werden. Wegen Mundpropagande? Oder haben sie zumindest einige selbst betrachtet? Wer kann sicher sein, dass nun die Fotos nicht nach wie vor von den Hack-Spinnern wegen angeblicher "Beweisführung" gespeichert werden...
Leser161 19.10.2011
3. Hmm
Leute zu deanonymisieren passt irgendwie nicht zu einer Organisation namens Anonymous. Und dann auch noch das Thema Pädophilie, dass ja normalerweise wo Überwachungsbefürwortern thematisiert wird. Naja, lassen wir uns überraschen, vielleicht kommt ja noch was raus...
avollmer 19.10.2011
4. Nicht der erste Fall
Zitat von sysopAufruf zur Selbstjustiz: Selbsternannte Anonymous-Aktivisten veröffentlichten Benutzernamen und Twitter-Konten von knapp 1600 angeblichen Nutzer eines Online-Angebots für Kinderpornografie. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,792650,00.html
Das gleiche hatten wir schon einmal mit der Link-Liste zu den geblockten Seiten mit STOPP-Schild aus Skanidnavien.
angst+money 19.10.2011
5. stimmt
So sehr mein innerer Empörungshund im ersten Moment über solche Meldungen jubelt - wenn jemand unschuldig auf einer solchen Liste landet, wer hilft ihm dann? Menschen, die sich für "die Guten" halten waren mir schon immer zuwider.
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