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Angriff auf Irans Atomprogramm: Stuxnet-Virus könnte tausend Uran-Zentrifugen zerstört haben

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Neue Erkenntnisse über den hinterhältigen Stuxnet-Wurm: Möglicherweise hat die Schad-Software in der iranischen Anreicherungsanlage Natans größere Schäden angerichtet, als das Regime in Teheran eingestehen will. Bis zu tausend Uran-Zentrifugen hat der Virus womöglich auf dem Gewissen.

Mahmud Ahmadinedschad beim Besuch in Natans: "Begrenzte Anzahl der Zentrifugen"? Zur Großansicht
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Mahmud Ahmadinedschad beim Besuch in Natans: "Begrenzte Anzahl der Zentrifugen"?

Hamburg - Das Institute for Science and International Security (ISIS) ist eine renommierte Organisation. Sie wird von diversen Stiftungen und sogar der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA gefördert. Nun sind drei ISIS-Forscher zu einem Schluss gekommen, der dabei helfen könnte, das Rätsel um den geheimnisvollen Stuxnet-Virus zu lösen. Stuxnet, schreiben die Wissenschaftler David Albright, Paul Brannan und Christina Walrond in ihrem Bericht, hat womöglich tausend oder noch mehr iranische Uran-Zentrifugen in der Anreicherungsanlage Natans, gut 300 Kilometer südlich von Teheran, zerstört.

Die Autoren des Forschungsberichts formulieren vorsichtig: "Wenn das Ziel von Stuxnet war, alle Zentrifugen in der Anreicherungsanlage zu zerstören, ist Stuxnet gescheitert. Wenn das Ziel jedoch war, eine begrenzte Anzahl von Zentrifugen zu zerstören und Irans Fortschritte beim Betrieb der Anlage zu hemmen und gleichzeitig die eigene Entdeckung zu erschweren, war die Malware möglicherweise erfolgreich, jedenfalls eine zeitlang."

Dass Stuxnet in Natans Probleme verursacht hatte, gestand Ende November sogar Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad ein. Bei einer Pressekonferenz erklärte er: "Sie haben es geschafft, Probleme mit einer begrenzten Anzahl unserer Zentrifugen zu verursachen, mit einer Software, die sie in elektronischen Bauteilen installiert hatten", sagte Ahmadinedschad Reuters zufolge. Stimmt die ISIS-Einschätzung jedoch, waren die Schäden durchaus umfangreich.

Andere Ursachen für die Ausfälle: unwahrscheinlich

Atomkraft und vor allem die Verbreitung von Nuklearwaffen sind das Spezialgebiet des ISIS-Instituts. In ihrem Bericht stützen sich die drei Autoren auf das Gutachten, das die IT-Sicherheitsfachleute von Symantec über Stuxnet angefertigt haben - und auf Daten aus den Beständen der Atomenergieaufsicht IAEA. Die Behörde veröffentlicht regelmäßig Berichte über Kennzahlen in Nuklearanlagen, über eingesetzte Rohmaterialien, installierte, betriebsbereite und tatsächlich arbeitende Zentrifugen.

Dem ISIS-Bericht zufolge wird in der zweiten Hälfte des Jahres 2009 eine ziemliche Delle in der Ausstattung von Natans deutlich: Etwa 1000 Zentrifugen, etwa zehn Prozent aller dort eingesetzten Geräte, wurden in den Monaten vor dem Januar des Jahres 2010 offenbar außer Dienst gestellt. Möglicherweise weil Stuxnet sein diskretes Zerstörungswerk verrichtet hatte. Die Autoren weisen allerdings explizit darauf hin, dass der massenweise Ausfall auch andere Ursachen haben könnte - schadhafte Bauteile oder ganze Lieferungen fehlerhaft zusammengesetzter Zentrifugen zum Beispiel. Doch das erscheine eher unwahrscheinlich, heißt es in dem Bericht. Die Ausfälle verschleierte Iran dadurch, dass parallel massenweise neue Zentrifugen installiert wurden.

Viel zu viel Uranhexafluorid verbraucht

Das komplexe Schadprogramm, so viel ist mittlerweile klar, hatte mindestens eine konkrete Aufgabe: Die Frequenzen, mit denen die Zentrifugen rotieren, zu manipulieren. Normalerweise müssen die Uranschleudern mit möglichst genau 1064 Hertz laufen, doch Stuxnet schraubte die Umdrehungszahl zunächst auf bis zu 1410 Hertz hinauf und anschließend auf bis zu zwei Hertz hinunter. Wieder und wieder, jeweils im Abstand eines knappen Monats.

Die höchsten Frequenzen, notieren die ISIS-Autoren, liegen sehr nahe an der absoluten Belastungsgrenze dieser Zentrifugen. Würden solche Geschwindigkeiten tatsächlich erreicht, würden die Rotoren der Zentrifugen "vermutlich auseinanderfliegen". Gleichzeitig habe Stuxnet sein zerstörerisches Werk verschleiert: "Jede Angriffssequenz sendet auch Kommandos aus, um die Warn- und Sicherheitskontrollen der Frequenzumrichter abzuschalten, die das Bedienpersonal bei Steigerung oder Reduktion der Geschwindigkeit warnen sollen."

Möglicherweise war das Ziel auch gar nicht, die Zentrifugen sofort zu zerstören, sondern langsam, über einen längeren Zeitraum hinweg, um die Quelle der ständigen Pannen zu verschleiern. In der 15-minütigen Phase, in der die Geschwindigkeit Richtung 1410 Hertz gesteigert werden sollte, sei dieser zerstörerische Zielwert womöglich gar nicht erreicht worden, so die ISIS-Autoren. Dieses Vorgehen sollte die Zentrifugen womöglich nach und nach beschädigen. Diskret.

Ein weiteres Indiz spricht für eine möglicherweise zweigleisige Wirkungsweise: In der zweiten Jahreshälfte 2010 setzte Iran in Natans wesentlich mehr von dem Grundstoff Uranhexafluorid ein, produzierte im Verhältnis zur Menge dieses Rohmaterials aber weniger niedrig angereichertes Uran. Schlussfolgerung der ISIS-Autoren: "Dies könnte darauf hindeuten, dass Irans Zentrifugen in diesem langen Zeitraum nicht effizient anreicherten." Verschwendeten die leiernden Zentrifugen Uranhexafluorid?

Die Tatsache, dass die Entwickler der Schad-Software überhaupt so gezielt auf die Eigenheiten der Hardware eingehen konnten, spreche für detaillierte Vorinformation, so die ISIS-Forscher. Denn zumindest bei der IAEA wisse man gar nicht, welche Frequenzumrichter in Natans eingesetzt werden: "Wenn Stuxnet auf die Anreicherungsanlage zielte, haben seine Autoren Informationen benutzt, die der IAEA nicht vorlagen." Ein weiterer deutlicher Hinweis darauf, dass Stuxnet tatsächlich ein Werk westlicher Geheimdienste sein könnte.

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1. -
semper fi, 26.12.2010
Zitat von sysopNeue Erkenntnisse über den hinterhältigen Stuxnet-Wurm: Möglicherweise hat die Schad-Software in der iranischen Anreicherungsanlage Natans größere Schäden angerichtet, als das Regime in Teheran eingestehen will. Bis zu*tausend Uranzentrifugen hat der Virus womöglich auf dem Gewissen. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,736604,00.html
Ein Computer"virus" besteht meines Wissens aus einer bestimmten Folge von Zahlen ("01100100100101101111..."). Seit wann haben zahlen ein Gewissen? Leute, lernt 'mal Deutsch.
2. Interessante Formulierungen ...
wolfi7777 26.12.2010
... hinterhältigen Stuxnet-Wurm ... hat der Virus womöglich auf dem Gewissen ... Was hat sich der Autor dabei gedacht ?
3. ...
spriessling 26.12.2010
Zitat von semper fiEin Computer"virus" besteht meines Wissens aus einer bestimmten Folge von Zahlen ("01100100100101101111..."). Seit wann haben zahlen ein Gewissen? Leute, lernt 'mal Deutsch.
Hat der Oberlehrer aber gut aufgepasst...mein Gott, haben Sie nichts zum Thema zu sagen!? Ist ja peinlich.
4. Wenn Gewalt nicht hilft...
cingulator 26.12.2010
...hilft Grips. Vernunft schlägt Fanatismus. Falls der Mossad dahintersteckte, dann: Weiter so! Helft euch selbst und ihr helft auch Europa.
5. Nix genaues weiss man nicht
diaula 26.12.2010
Zitat von wolfi7777... hinterhältigen Stuxnet-Wurm ... hat der Virus womöglich auf dem Gewissen ... Was hat sich der Autor dabei gedacht ?
Neue "Erkenntnisse" schon, aber bittschön: alles "möglicherweise" und "vermutlich". Danke. Kaffeesatzlesen kann ich selbst.
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"Virus Bulletin": Die Stuxnet-Konferenz

Schad- und Spähsoftware
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potenziell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.
Irans Atomprogramm
Streit
AP
Iran unterzeichnete 1968 den Sperrvertrag für Atomwaffen . Dieser erlaubt die zivile Nutzung von Nuklearenergie und die dafür notwendige Forschung einschließlich der Urananreicherung .

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit Sitz in Wien kontrolliert die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags; sie erstellt regelmäßig Berichte über das iranische Atomprogramm .

Der Uno-Sicherheitsrat hat in seiner Resolution 1696 vom 31. Juli 2006 Iran erstmals aufgefordert, die Anreicherung von Uran einzustellen; Teheran weigert sich unter Berufung auf den Atomwaffensperrvertrag.

Als Vermittler tritt seit einigen Jahren auch die "EU-Troika" auf, bestehend aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland.

Anlagen
Arak : geplanter Schwerwasserreaktor
Buschehr : Atomkraftwerk, im Mai 2011 nach mehrfachen Terminverschiebungen in Betrieb genommen - zunächst zu Testzwecken. Im September 2011 ging der Reaktor in Regelbetrieb, allerdings noch nicht auf voller Leistung
Isfahan : Forschungsreaktor
Jasd: Uranminen
Natans : Anlage zur Urananreicherung, angeblich mit 6000 Zentrifugen in Betrieb. Im Herbst 2009 gab Iran bekannt, nahe der Stadt Ghom eine zweite Anlage zur Urananreicherung zu besitzen.
Teheran : Forschungsreaktor
Geschichte
1974: Unter Beteiligung von Siemens beginnt bei Buschehr der Bau eines Kernkraftwerks.
1979: Nach der Revolution und der Ausrufung der Islamischen Republik wird das Atomprogramm nicht weiter betrieben.
1980-1988: Im Irak-Iran-Krieg wird der Atomreaktor in Buschehr mehrfach bombardiert und dabei schwer beschädigt.
Neunziger Jahre: Deals auf dem Schwarzmarkt mit Abdul Qadir Khan , Pakistans "Vater der Atombombe"
1995: Abkommen mit Russland zum Wiederaufbau des Atomreaktors von Buschehr
2002: Iranische Oppositionelle im Exil berichten über ein geheimes Atomprogramm.
2003: Iran unterzeichnet das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag (bislang aber nicht vom Parlament ratifiziert).
2006: Der Uno-Sicherheitsrat verlangt in seiner Resolution 1696 erstmals den Stopp der Urananreicherung .
Juli 2008: Iran droht bei einem Angriff auf seine Atomanlagen mit militärischen Gegenschlägen. Das Regime testet Schahab-3-Raketen, die auch Ziele in Israel erreichen könnten.
November 2008: Iran hat nach eigenen Angaben die Zahl seiner für die Urananreicherung benötigten Zentrifugen auf 5000 erhöht.
Juni 2009: Iran hat laut Internationaler Atomenergiebehörde IAEA weitere tausend Gaszentrifugen im Atomzentrum Natans in Betrieb genommen und bisher knapp 1,4 Tonnen niedrig angereichertes Uran produziert.
Mai 2010: Nach Verhandlungen mit dem brasilianischen Präsidenten Lula und dem türkischen Regierungschef Erdogan erklärt sich Iran bereit, schwach angereichertes Uran im Ausland zu tauschen. Wenig später kündigt Teheran an, an der umstrittenen Urananreicherung auf 20 Prozent festhalten zu wollen.
Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat, die EU und die USA beschließen neue Sanktionen gegen Teheran. US-Präsident Obama spricht von den bisher härtesten Sanktionen überhaupt - doch Beobachter bleiben skeptisch, ob die Strafmaßnahmen Erfolg bringen.
Sanktionen
REUTERS
Uno-Sanktionen: Verbot von Waffen- und Nuklearhandel, Einfrieren von Konten, Reisebeschränkungen, verhängt in Resolution 1737 (23.12.2006), Resolution 1747 (24.03.2007), Resolution 1803 (03.03.2008)

Sanktionen der USA: Vollständiger Handels- und Investitionsboykott, beruhend auf Executive Order 12959 von 1995, neue Sanktionen im Juni 2010

Sanktionen der EU: Einschränkungen für Handel und Investitionen, Einfrieren von Vermögen, Reisebeschränkungen, beruhend auf Verordnung (EG) Nr. 423/2007 des Rates (19.04.2007)

Nahost
dpa
Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad erklärt, das israelische "Besatzungsregime" müsse "aus den Annalen der Geschichte verschwinden".
Israelische Politiker, darunter auch Kabinettsmitglieder, sprechen sich für präventive Militärschläge gegen Iran aus.
Personen
Said Dschalili , Atomunterhändler seit Oktober 2007
Yukiya Amano , Generaldirektor der IAEA
Der Verhandlungspoker um die Urananreicherung
Oktober 2009: Vertreter Irans, Deutschlands und der fünf Vetomächte im Sicherheitsrat kommen zu Atom-Gesprächen in Genf zusammen.
November 2009: Die IAEA kritisiert in einer Resolution die jahrelang geheim gehaltene iranische Urananreicherungsanlage bei Ghom. Teheran reagiert mit der Ankündigung, zehn neue Uran-Anlagen zu bauen.
Dezember 2009: Iran testet die Mittelstreckenrakete Sedschil 2. Diese habe größere Zielgenauigkeit als das Vorgängermodell Schahab 3.
2. Februar 2010: Ahmadinedschad zeigt sich bereit, auf einen Vorschlag der IAEA einzugehen, der eine Anreicherung iranischen Urans auf 20 Prozent im Ausland vorsieht. Wenige Tage später rudert er wieder zurück.
7. Februar 2010: Iran verkündet, man habe niedrig angereichertes Uran von 3,5 auf 20 Prozent gebracht und sei in der Lage, es auf 80 Prozent anzureichern. Damit könnten Atomwaffen hergestellt werden.
11. Februar 2010: US-Präsident Barack Obama kündigt als Reaktion umfangreiche neue Sanktionen gegen Iran an.
1. April 2010: Nach langem Widerstand gegen neue Sanktionen ist China bereit, sich an den Verhandlungen über den Text einer verschärften Uno-Resolution zu beteiligen.
25. April 2010: Zur Abwehr neuer Sanktionen besucht Irans Außenminister Manutschehr Mottaki Österreich. Gespräche mit dem Chef der IAEA, Yukija Amano, und Österreichs Außenminister Michael Spindelegger bringen jedoch keinen Durchbruch.
17. Mai 2010: Nach Verhandlungen mit Brasilien und der Türkei lenkt Iran ein und will Uran im Ausland anreichern lassen. Doch die internationale Gemeinschaft reagiert skeptisch auf die Ankündigung.
9. Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat beschließt schärfere Sanktionen gegen Iran. Sie beinhalten weitere Hürden für die iranische Finanzbranche und eine Ausweitung des Waffenembargos. Auch die USA und die EU setzen schärfere Maßnahmen gegen Iran in Kraft.
Januar 2011: Die Atomgespräche zwischen Iran und den westlichen Mächten in Istanbul scheitern. Teheran hatte weiterhin "ein Recht auf Urananreicherung" gefordert.

Republik Iran
Land
REUTERS
Die Islamische Republik Iran ist mit einer Fläche von rund 1,7 Millionen Quadratkilometern fünfmal so groß wie Deutschland. Das Land besitzt nach Russland die zweitgrößten Erdgasreserven der Welt, beim Erdöl steht Iran auf Platz drei und ist derzeit nach Saudi-Arabien der größte Produzent innerhalb der Opec.
Politik
dpa
Seit der Islamischen Revolution von 1979 haben der Revolutionsführer, aktuell Ajatollah Ali Chamenei (Bild), und der Wächterrat die größte Macht im Staat. Der Wächterrat kontrolliert die Kandidaten für Wahlen. Der Regierungschef ist der gewählte Präsident - seit August 2013 Hassan Rohani.
Leute
Corbis
Iran hat rund 75 Millionen Einwohner. Auf dem Uno-Index menschlicher Entwicklung (HDI) für 179 Staaten belegt Iran Platz 76 (Deutschland ist auf Platz 5). Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 73 Jahren (zum Vergleich: Die Lebenserwartung in Deutschland liegt bei 80 Jahren).
Wirtschaft
REUTERS
Die Wirtschaftsleistung pro Kopf betrug 2008 laut einer Schätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) rund 5200 Dollar. Begünstigt vom hohen Ölpreis wuchs die Wirtschaft zuletzt um etwa sechs Prozent. Neben der Arbeitslosenquote, die laut inoffiziellen Schätzungen bei etwa 30 Prozent liegt, ist die Inflation eines der größten wirtschaftlichen Probleme. 2008 soll sie bei fast 30 Prozent gelegen haben, für 2009 rechnet der IWF mit 25 Prozent. Im Jahr 2005 machten Teherans Ausgaben für das Militär laut Uno-Statistiken 5,8 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung aus (Deutschland: 1,4 Prozent).
Menschenrechte
REUTERS
Nach China ist Iran das Land, in dem die meisten Todesurteile vollstreckt werden. Laut Amnesty International wurden 2009 mindestens 388 Menschen hingerichtet, das waren 42 Hinrichtungen mehr als im Vorjahr. Der Uno zufolge saßen 2007 pro 100.000 Einwohner 214 Menschen im Gefängnis (in Deutschland sind es 95). Korruption ist in Iran weit verbreitet. Auf dem weltweiten Index von Transparency International nimmt Iran 2009 bei 180 beobachteten Staaten den 168. Rang ein (Deutschland: 14).

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