Angst vor Revolutionsgeist China blockiert auch Business-Netzwerk LinkedIn

In China ist die Angst der Parteiführung vor dem revolutionären Geist aus der arabischen Welt offenbar groß. Nach Twitter, Facebook und anderen Netzwerk-Seiten wurde nun auch die Businessplattform LinkedIn gesperrt - aus Angst vor dem Suchbegriff "Jasminrevolution".

LinkedIn-Profil von "Jasmine Voice": In China derzeit vielerorts nicht zu erreichen

LinkedIn-Profil von "Jasmine Voice": In China derzeit vielerorts nicht zu erreichen


Peking - Bei LinkedIn geht es normalerweise ums Geschäft: Das Netzwerk ist eine Visitenkarten-Plattform, ein Ort, an dem man neue und alte berufliche Kontakte sammelt, Verbindungen herstellt, über berufliche Fragen diskutiert. Nun aber finden sich dort vereinzelte Diskussionsbeiträge, die dem chinesischen Regime offenbar Sorge bereiten. Unter dem Namen "Jasmine Voice" bekennt beispielsweise ein nach eigenen Angaben "100-prozentiger Chinese", "aufgewachsen mit marxistischer Philosophie", nun sei ein Wendepunkt für ihn erreicht: "Ich werde jetzt zu einem kritischen Andersdenkenden, der sich sehnlichst Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit für sein Heimatland wünscht."

Solche Äußerungen kommen bei der autokratischen Führung der Volksrepublik naturgemäß nicht gut an. Nach Twitter, Facebook und anderen Plattformen, die in China längst nicht mehr zugänglich sind (außer auf Umwegen), hat das Regime der Fachzeitschrift "PC World" zufolge nun auch LinkedIn sperren lassen. Es ist der letzte Schritt in einer ganzen Reihe von Schachzügen, die das Überschwappen der revolutionären Bewegungen aus Ägypten, Tunesien, Libyen und anderswo ins Reich der Mitte verhindern sollen. Ein LinkedIn-Sprecher sagte der "PC World": "Es scheint sich um einen Teil eines breiteren Vorgehens in China zu handeln, das auch andere Sites betrifft."

Suchbegriffe wie "Jasmin Revolution" werden schon seit etwa einer Woche blockiert, etwa auf in China populären Microblogging-Plattformen à la Twitter. In dem Land gibt es eine ganze Reihe sehr populärer Plattformen, die nach ähnlichen Prinzipien funktionieren, etwa unter dem Dach des Internetportals Sina.com. Auch im Social-Networking-Portal Renren.com findet man nichts mehr, wenn man nach "Jasmin Revolution" sucht. Außerdem wurde eine Funktion der Mobilnetze blockiert, die es Nutzern erlaubt, Textnachrichten an mehrere Empfänger gleichzeitig zu verschicken - offenbar in der Hoffnung, damit ad hoc organisierte Protestversammlungen zu erschweren.

Noch am vergangenen Sonntag hatte sich in Peking vor einem Schnellrestaurant in der Innenstadt eine große Menschenmenge gebildet, nachdem über Internet-Plattformen zu Protesten dort aufgerufen worden waren, wie die "New York Times" vor einigen Tagen berichtete. Ein junger Mann, der dort eine Jasminblüte abgelegt habe, sei kurzfristig festgenommen, unter den wachsamen Augen von Journalisten und Fotografen jedoch wieder auf freien Fuß gesetzt worden.

China ist das Land mit den meisten Internetnutzern weltweit: 457 Millionen Chinesen sind online.

cis

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