Angst vor Spionage Konzerne sperren Mitarbeitern Facebook-Zugang

Schwere Zeiten für Facebook-Süchtige: Eine ganze Reihe von Dax-Konzernen verbietet im Büro die Nutzung des sozialen Netzwerks. Offiziell aus Sicherheitsgründen - doch die Firmen fürchten wohl auch, dass ihre Angestellten zu viel Zeit vor dem Computer vertrödeln.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg (M.): Weltweit mehr als 500 Millionen Anhänger
AP

Facebook-Chef Mark Zuckerberg (M.): Weltweit mehr als 500 Millionen Anhänger


Düsseldorf - Mehr als zehn Millionen Mitglieder hat Facebook in Deutschland. Doch immer weniger Nutzer können das soziale Netzwerk tagsüber nutzen. Aus Angst vor Sicherheitslücken und Datenspionage haben mehrere Dax-Konzerne ihren Mitarbeitern den Zugang zum sozialen Netzwerk Facebook gesperrt. Das berichtet die "Wirtschaftswoche".

Auch andere populäre Online-Dienste wie der Kurznachrichtendienst Twitter werden von Unternehmen blockiert, heißt es in dem Bericht. "Für den Großteil unserer Mitarbeiter sind viele externe Social-Media-Angebote aus Sicherheitsgründen am Arbeitsplatz nicht zugänglich", teilte etwa die Commerzbank Chart zeigen mit.

"Früher war die E-Mail das beliebteste Einfallstor für schädliche Software, heute sind es soziale Netzwerke", sagte Christian Fuchs vom Sicherheitsspezialisten Kaspersky dem Magazin. Auch HeidelbergCement Chart zeigen blockiert demnach Facebook und Twitter. Bei Volkswagen Chart zeigen sind ebenfalls "verschiedene soziale Netzwerke gesperrt".

Porsche Chart zeigen hatte erst kürzlich die Nutzung von Facebook aus Angst vor Wirtschaftsspionage verboten. Bei E.on Chart zeigen und Linde Chart zeigen gibt es dem Bericht zufolge kein generelles Verbot, doch an einzelnen Standorten wird der Zugriff auf Seiten wie Facebook und YouTube eingeschränkt.

Fotostrecke

28  Bilder
Konzerne: Das sind die 30 Dax-Giganten
In der Vergangenheit war Facebook immer wieder wegen Datenpannen in die Kritik geraten. Das soziale Netzwerk hat weltweit bereits mehr als 500 Millionen Mitglieder. Einer Studie zufolge wird keine Seite in US-Büros öfter abgerufen. Auch in Deutschland ist die Nutzung am Arbeitsplatz beliebt.

Neben Sicherheitsbedenken spielt deshalb bei den Unternehmen auch die Befürchtung eine Rolle, Mitarbeiter könnten ihre Arbeitszeit vertrödeln. Daimler teilte mit, "aus Produktivitätsgründen" könne der Zugang zu sozialen Netzwerken an einzelnen Standorten gesperrt sein.

Laut einer Studie des Sicherheitsdienstleisters Clearswift, aus der die "Wirtschaftswoche" zitiert, rufen 56 Prozent der Deutschen täglich oder nahezu täglich im Büro E-Mails ab, 40 Prozent nutzen Online-Banking. Mehr als jeder Dritte sucht soziale Netzwerke auf, fast jeder Vierte schaut Videos.

Entsprechend fürchten laut der Studie in Deutschland 30 Prozent der befragten Unternehmen negative Folgen für die Produktivität, wenn die Beschäftigten die sozialen Netzwerke uneingeschränkt nutzen können. 56 Prozent der Unternehmen nennen als Hauptgrund für die Sperrung allerdings Sicherheitsbedenken.

böl/AFP

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 60 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
triple-x 24.10.2010
1. Vollkommen richtig
Ob man über FB oder andere soziale Netzwerke effizient spionieren kann, wage ich zu bezweifeln - da gibt es sicherlich wesentlich bessere Möglichkeiten, Festplatten zu kopieren. Aber unter Zeitvertrödelungsgesichtspunkten die Zugänge zu sperren, das halte ich aus eigener Erfahrung für vollkommen richtig. Wenn Kollegen stundenlang mit ebay-Auktionen und FB- oder xxxVZ-Kommunikation beschäftigt sind, während sich die Arbeit stapelt und am Ende des Tages über die Überstunden, die sie machen müssen, klagen oder die Arbeit dann sogar noch an andere abgedrückt wird - dann ist es nur richtig, die Zugänge zu sperren. Im Übrigen ist das Ganze doch ein uralter Hut. Bei uns im Betrieb sind diese Zugänge -mit voller Zustimmung des Betriebsrates- schon lange gesperrt.
Joerg grimm 24.10.2010
2. Moral Panic
Zitat von sysopSchwere Zeiten für Facebook-Süchtige: Eine ganze Reihe von Dax-Konzernen verbietet im Büro die Nutzung des sozialen Netzwerks. Offiziell aus Sicherheitsgründen - doch die Firmen fürchten wohl auch, dass ihre Angestellten zu viel Zeit vor dem Computer vertrödeln. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,724990,00.html
Na ja, die uebliche Panik der alten Knacker im Management wenn was Neues daherkommt. Als ich in den Neunzigern bei einer Firma angefangen habe war Email fuer den normalen Mtarbeiter nicht erlaubt weil man Angst vor Viren, Spionage und Produktivitaetsverlust hatte. Manche Dinge aendern sich nicht.
Susiisttot 24.10.2010
3. Völlig korrekte Entscheidung
jeder Unternehmer tut gut daran, die Internetzugänge der Mitarbeiter auf ein absolutes Minimum zu beschränken. Aber nicht nur Twitter, Facebook oder allgemeines Rumsurfen, vor allem Email ist ein Zeit- und Produktivitätskiller sondergleichen. Dieses Rundsenden von Spassmails mit den diversen Anhängen, die dann nicht nur die eigenen Firma belasten sondern in der Regel auch noch im großen Stil auch an befreudendete Kollegen in anderen Unternehmen verteilt wird. Hier auf das Verantwortungsbewusstsein der Mitarbeiter zu setzen ist reines Wunschdenken.
Eickert11 24.10.2010
4. Konzerne sperren Facebook
Zitat von triple-xOb man über FB oder andere soziale Netzwerke effizient spionieren kann, wage ich zu bezweifeln - da gibt es sicherlich wesentlich bessere Möglichkeiten, Festplatten zu kopieren. Aber unter Zeitvertrödelungsgesichtspunkten die Zugänge zu sperren, das halte ich aus eigener Erfahrung für vollkommen richtig. Wenn Kollegen stundenlang mit ebay-Auktionen und FB- oder xxxVZ-Kommunikation beschäftigt sind, während sich die Arbeit stapelt und am Ende des Tages über die Überstunden, die sie machen müssen, klagen oder die Arbeit dann sogar noch an andere abgedrückt wird - dann ist es nur richtig, die Zugänge zu sperren. Im Übrigen ist das Ganze doch ein uralter Hut. Bei uns im Betrieb sind diese Zugänge -mit voller Zustimmung des Betriebsrates- schon lange gesperrt.
Das sehe ich genau so. Blick zurück zum Zeitung lesen am Arbeitsplatz. Das war doch auch nicht erlaubt. Für die sonstigen Spielereien im WEB ist keine Zeit. War schon erschreckend vor langer Zeit "alle spielen Moorhuhn". Online-Tippgemeinschaften werden dafür nicht verboten. Das ist der Widerspruch in sich. Rauchen ist keine Arbeitszeit im Betrieb, dafür surfen ! Also wurde es Zeit, daß die Geschäftsleitung aufwacht.
Jan B. 24.10.2010
5. ...
Zitat von Joerg grimmNa ja, die uebliche Panik der alten Knacker im Management wenn was Neues daherkommt. Als ich in den Neunzigern bei einer Firma angefangen habe war Email fuer den normalen Mtarbeiter nicht erlaubt weil man Angst vor Viren, Spionage und Produktivitaetsverlust hatte. Manche Dinge aendern sich nicht.
Was hat das mit Panik zu tun? Selbst wenn es nicht um potentielle Spionage geht, kann ich mir schon sehr gut vorstellen, dass Facebook einiges an eigentlicher Arbeitszeit verbraucht. Facebook ist privat und hat beim Job einfach nichts zu suchen. Man wird schon nichts verpassen, wenn man mal 9 Stunden nicht reinschaut.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.