Guy Fawkes Day Der Anonymous-Aktionstag

Am 5. November häufen sich Hackerangriffe. Der Grund ist ein britischer Feiertag: Die Internet-Guerilla Anonymous betrachtet Guy Fawkes, der im 17. Jahrhundert wegen eines versuchten Terroranschlags auf das englische Parlament hingerichtet wurde, als eine Art Schutzpatron.

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Hamburg - "Remember, remember, the 5th of November", so beginnt das Gedicht über den katholischen Terroristen Guy Fawkes, der gemeinsam mit einer Gruppe von Verschwörern im Jahr 1605 vorhatte, das Parlament in London in die Luft zu sprengen und dabei den König James I. und die anwesenden Parlamentarier zu töten. 36 Fässer Schießpulver hatten die Verschwörer in einem Kellerraum unter dem Parlamentsgebäude versteckt - doch der Plan flog auf. Fawkes selbst wurde gefoltert und auf grausame Weise hingerichtet. Kurze Zeit später verfügte das Parlament, dass der 5. November künftig als der Tag gefeiert werden solle, an dem der König einen geplanten Anschlag unversehrt überstanden hatte.

Heute aber heißt der Tag nicht nach dem geretteten König, sondern nach dem gescheiterten Terroristen. Kinder und Jugendliche in Großbritannien lieben ihn, weil am Fawkes-Tag große Feuer angezündet werden, auf denen rituell Fawkes-Strohpuppen verbrannt werden. Außerdem ist der Fawkes-Tag einer, an dem Feuerwerk abgebrannt werden darf, auch derbere Streiche gehören zum Ritual. Fawkes Day ist ein bisschen wie Karneval, ein bisschen wie Osterfeuer und ein bisschen wie Silvester.

Maske als mächtiges Symbol

Die weißen Masken, die man heute mit der Internet-Guerilla Anonymous verbindet, sind eigentlich Guy-Fawkes-Masken. Der katholische Terrorist ist zu einer Art Ikone der Netzbewegung geworden. Der Weg dahin führt über den Comic-Roman "V wie Vendetta" von Alan Moore und David Lloyd. Der (Anti-)Held der Geschichte ist ein einsamer, rücksichtsloser und grausamer Kämpfer, der es mit einem faschistischen Regime aufnimmt. Stets mit Maske. So beschreibt Moore seinen Antihelden:

"Ich habe es moralisch sehr, sehr vieldeutig gestaltet. Die Kernfrage ist: Hat dieser Typ recht? Oder ist er verrückt? Was denkst du, Leser, darüber? Das erschien mir als der richtige anarchistische Weg: Ich wollte den Menschen nicht sagen, was sie denken sollen. Ich wollte ihnen nur sagen, dass sie denken sollen und dabei einige der kleinen, extremen Ereignisse bedenken, die sich in der Menschheitsgeschichte recht regelmäßig wiederholen."

Im Comic und auch in der Verfilmung von 2006 wird die Maske am Ende aber auch zum Symbol für Solidarität im Kampf gegen Unterdrückung: Als sich das Netz um den einzelnen Attentäter, der Vertreter des Regimes gezielt tötet, immer weiter zusammenzieht, sind die Straßen plötzlich von zahllosen Menschen bevölkert, die allesamt Fawkes-Masken tragen. Für die Behörden wird es so unmöglich, den tatsächlich Gesuchten auszumachen. Das Bild passt gut zum Selbstverständnis der Web-Guerilla mit ihrem Motto "Wir sind Legion".

Dass Anonymous-Anhänger sich tatsächlich mit den Idealen des katholischen Terroristen Fawkes identifizieren, ist unwahrscheinlich. Dann schon eher mit der Comic-Figur. Praktischerweise lässt sich die Grinsemaske im Internet bestellen, es ist ein Merchandising-Artikel der Hollywood-Verfilmung. Rund 100.000 der Masken verkauft der größte Händler, Rubie's Costume, im Jahr, eine genauere Zahl will die Firma nicht nennen. Es existieren aber auch Kopien. Anonymous-Aktivisten haben begonnen, die Maske nachzubauen. Comic-Autor Alan Moore bezeichnet sie als Raubkopien, die er vollkommen gutheiße.

Anonymous-Aktionstag

Die ambivalente historische Figur Fawkes steht heute für eine kompromisslose Auflehnung gegen eine unterdrückerische Obrigkeit. Die Fawkes-Maske wird getragen von Protestierenden im von extremer Jugendarbeitslosigkeit betroffenen Spanien, von den Occupy-Demonstranten vor Banken, von Anonymous-Aktivisten bei ihren Aktionen gegen die Psycho-Sekte Scientology, von Julian-Assange-Unterstützern vor der ecuadorianischen Botschaft in London.

Anonymous-Anhänger haben begonnen, den 5. November auch als ihren persönlichen Feiertag zu behandeln und feiern ihn jährlich mit Hacker-Angriffen und anderen Aktionen, on- wie offline. Dieses Jahr wurden im Vorfeld im Namen von Anonymous und "zu Ehren von Guy Fawkes" beispielsweise die Bilderseite Image Shack, Websites des US-Senders NBC und andere Seiten gehackt, teilweise wurden sie mit Botschaften verunziert, andernorts sollen auch Personendaten veröffentlicht worden sein. Vor dem britischen Parlamentsgebäude soll am Montagabend eine Demonstration stattfinden, und natürlich sollen die Demonstranten dabei Fawkes-Masken tragen.

Nicht jeder in der Szene findet all das richtig oder sinnvoll. "Anonymous ist zu einem PR-Kollektiv geworden, über das jeder Möchtegern-Blackhat-Hacker sich die Presse besorgen kann, die er ohne die Maske niemals bekommen würde", höhnte etwa Veteran Oxblood Ruffin von der legendären Hackergruppe Cult of the dead Cow.

cis/ore



insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
martin-z. 05.11.2012
1. anonymous
Zitat von sysopGetty ImagesAm 5. November häufen sich Hackerangriffe. Der Grund ist ein britischer Feiertag: Die Internet-Guerilla Anonymous betrachtet Guy Fawkes, der im 17. Jahrhundert wegen eines versuchten Terroranschlags auf das englische Parlament hingerichtet wurde, als eine Art Schutzpatron. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/anonymouns-und-der-guy-fawkes-day-a-865277.html
sind zum grossteil keine hacker im eigentlichen sinn, sondern personen mit sehr begrenzten pc fähigkeiten, die programme wie low orbit cannon benutzen. diese programme können ohne pc fähigkeiten von jedermann bedient werden. daher scheitert diese zusammenrottung auch immerwieder, sobald sie auf systeme mit einigermassen vernünftiger sicherheitsstruktur stossen. so wie vor kurzem bei der widerlichen seite kreuz. net wo ein angriff durch anonymous wirkunslos verpuffte.
fawkes5 05.11.2012
2. kreuz.net
Sieht so aus als hätte das jemand als Aufforderung gesehen kreuz.net lahm zu legen. Kreuz.net scheint offline zu sein.
martin-z. 05.11.2012
3. der
server von kreuz.net scheint heute tatsächlich ab und an zu holpern, aber jeweils nur für wenige minuten. jedenfalls war es mir möglich dort auch heute rumzupöbeln. naja vllt gelingt es ja tatsächlich früher oder später diese seite zu fi...en, wünschenwert wäre es ja.
bronck 05.11.2012
4.
Zitat von martin-z.sind zum grossteil keine hacker im eigentlichen sinn, sondern personen mit sehr begrenzten pc fähigkeiten, die programme wie low orbit cannon benutzen. diese programme können ohne pc fähigkeiten von jedermann bedient werden. daher scheitert diese zusammenrottung auch immerwieder, sobald sie auf systeme mit einigermassen vernünftiger sicherheitsstruktur stossen. so wie vor kurzem bei der widerlichen seite kreuz. net wo ein angriff durch anonymous wirkunslos verpuffte.
Das Programm nennt sich Low Orbit Ion Canon.
balubaer 05.11.2012
5. Annonymus braucht
keine vielen Hacker. Es reicht wenn nur eine kleine Handvoll darunter sind. Wichtig ist wofür Annonymus steht und wofür sie eintreten. Wenn Annoynmus nur die 10 Hacker wären die es wirklich können wäre die Gruppe ineffektiv. Man mag von ihnen halten was man will, aber der Grundgedanke dahinter ist schützens- und unterstützenswert.
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