Hafen von Antwerpen Hacker halfen Drogenschmugglern beim Containerklau

Europol hat gemeinsam mit der belgischen Polizei eine Bande von Drogenschmugglern zerschlagen. Die Täter gingen äußerst raffiniert zu Werke: Sie versteckten ihre Fracht in fremden Containern - und engagierten Hacker, um diese Container im Hafen von Antwerpen wiederzufinden.

Hafen von Antwerpen: Container voller Drogen
REUTERS

Hafen von Antwerpen: Container voller Drogen


Antwerpen - Am Anfang standen ein paar verschwundene Container. Reedereien beklagten sich, dass im Hafen von Antwerpen Ladung abhanden kam, auf ungeklärte Weise und mit unbekanntem Ziel. Die Polizei wurde eingeschaltet und schließlich auch Europol. Am Ende der Ermittlungen standen Durchsuchungen in mehr als 20 Wohnungen und Geschäftsräumen. Beschlagnahmt wurden mehr als eine Tonne Kokain, außerdem Waffen, Schutzwesten und ein Koffer mit 1,3 Millionen Euro Bargeld. 15 Verdächtige sitzen in zwei Ländern in Haft und warten auf ihre Prozesse.

Die Bande hatte offenbar jahrelang im großen Stil Drogen aus Südamerika nach Antwerpen geschmuggelt, berichtet die BBC. Dazu nutzte sie Container anderer Unternehmen, in denen die illegale Fracht verborgen wurde, etwa zwischen Holz oder Bananen. Bevor die eigentlichen Eigentümer ihre legale Fracht in Antwerpen abholen konnten, stahlen die Täter die Container - was nur gelang, weil sie stets genau darüber informiert waren, wo auf dem Hafengelände die gerade lagerten.

Als ein Lastwagenfahrer, der mit der Bande nichts zu tun hatte, im Januar unwissentlich mit einem der Container vom Hafengelände fuhr, wurde es für ihn gefährlich: Mitglieder der Bande griffen ihn in der Provinz Limburg im Osten Belgiens mit AK-47-Sturmgewehren an. Doch der Fahrer entkam offenbar unverletzt. Die Polizei vermutet, dass die Täter den Mann für ein Mitglied einer rivalisierenden Gang hielten.

Die Ermittlungen förderten eine neuartige Methode zu Tage: Die Täter hatten über spezielle Foren Hacker rekrutiert, die für sie in die Computersysteme von zwei Firmen im Hafen von Antwerpen eingedrungen waren.

Drogenschmuggler suchten stets nach neuen Wegen, um ihre Ware aus Häfen herauszubringen, erklärte Danny Decraene von der belgischen Polizei der BBC. "In diesem Fall haben sie Hacker angeheuert, hochqualifizierte, intelligente Leute, die viel mit Software arbeiten." Gefunden hätten die Drogenschmuggler ihre Dienstleister offenbar über das Internet. "Es gibt gewissermaßen eine spezialisierte Servicebranche, wo Gruppen aus dem Bereich des Organisierten Verbrechens Hacker mit speziellen Fertigkeiten online rekrutieren können", sagte Europol-Chef Rob Wainwright der BBC.

Zunächst hatten die Täter auf den Rechnern der betroffenen Unternehmen Trojaner eingeschmuggelt, um sich so aus der Ferne Zugriff auf eigentlich gesicherte Informationen über die Bewegungen von Containern auf dem Hafengelände zu verschaffen. Die Trojaner gelangten auf dem üblichen Weg ans Ziel: Angestellte der beiden Unternehmen bekamen auf sie zugeschnittene E-Mails mit unverdächtig wirkenden Anhängen, in denen sich in Wirklichkeit Spionagesoftware verbarg.

Als die Schadsoftware entdeckt und mit Hilfe zusätzlicher Sicherheitssysteme unschädlich gemacht wurde, suchten die Täter einen neuen Zugang: Sie brachen in die Büros der Firmen ein und platzierten dort Schnüffelhardware. Der BBC demonstrierte ein Europol-Beamter ausgetüftelte Systeme - etwa einen Mini-Computer, der sich im Gehäuse einer harmlos aussehenden Mehrfachsteckdose verbarg, einen anderen, der im Festplattenschacht eines Rechners versteckt wurde, sowie kleine USB-Verlängerungen, die als Keylogger zwischen Keyboard und Rechner gesteckt wurden. Fortan konnten damit alle Tastatureingaben mitgeschnitten werden. All die Gerätschaften dienten der Gruppe dazu, stets zu wissen, wo im Hafen sich die Container mit Heroin oder Kokain gerade befanden, die sie in Südamerika losgeschickt hatten.

Mittlerweile, berichtet die BBC, hätten die Containergesellschaften im Hafen von Antwerpen ihre IT-Sicherheit verstärkt.

cis

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