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12. September 2018, 20:15 Uhr

Produktshow in Cupertino

Das sind Apples neue iPhones

Aus Cupertino berichtet

Mit einer minutiös getakteten Show hat Apple eine überarbeitete Apple Watch samt EKG-Funktion und drei iPhones vorgestellt - zwei Premium-Geräte und ein Einsteigermodell. Das Fazit: größer, schneller und echt teuer.

Fans der Firma hingen vor dem Livestream, Kritiker kommentierten das Geschehen mit fies-lustigen Sprüchen in den sozialen Netzwerken: So kennt man das von Apple-Präsentationen. Im hauseigenen Steve-Jobs-Theater im kalifornischen Cupertino hat der Konzern am Mittwochabend deutscher Zeit seine neuesten Gadgets vorgestellt, wie immer in Form einer aufwendigen und auf die Minute durchgeplanten Produktshow.

Das kann die Apple Watch Series 4

Zunächst stand die Apple Watch im Mittelpunkt. Ihre nächste, rundumerneuerte Produktgeneration heißt Series 4, sie startet preislich bei 429 Euro. Die Bildschirme der neuen Modelle sind um ein Drittel größer geworden, die Uhr selbst ist dünner als vorher.

Apple nutzt den neu gewonnenen Platz auf den kleinen Bildschirmen vor allem für Ziffernblätter, die weit mehr und detailliertere Informationen darstellen können. Die Rückseite der Watch wird jetzt bei allen Modellen aus Keramik hergestellt, wodurch etwa Sensoren exakter messen können. Der eingebaute Lautsprecher ist laut Apple um 50 Prozent lauter, der neue 64-Bit-Dualcore-Prozessor S4 angeblich doppelt so schnell wie sein Vorgänger.

Die Apple Watch erkennt Stürze, hinzugekommen ist ein Sensor, der Elektrokardiogramme (EKG) aufzeichnen kann. Eine EKG-Messung dauert damit nur 30 Sekunden. Die Apple Watch zeigt sofort an, ob irgendwelche Unregelmäßigkeiten bemerkt wurden. Über längere Zeit gesammelte EKG-Daten lassen sich an den Hausarzt schicken.

Optisch verändert das nahezu randlos in den Rahmen übergehende Display Apples neue Uhr auf frappierende Weise. Erst jetzt wird deutlich, wie sehr die Ränder der früheren Modelle den Bildschirm einengten, wie viel Platz sie weggenommen haben. Es wird jedoch klar, dass Entwickler diesen Raum vorsichtig nutzen sollten. Das Mehr an Platz könnte dazu verführen, den Bildschirm zu überfrachten, den Anwender mit zu vielen Informationen zu überfordern.

Das iPhone Xs kostet mindestens 1149 Euro, es ist wasserdicht

Auf die Smartwatch folgte die Enthüllung neuer iPhone-Modelle, in Form des iPhone Xs und seiner größeren Variante iPhone Xs Max. Sie lassen sich vom 14. September an zu Preisen ab 1149 Euro (Xs) und 1249 Euro (Xs Max) vorbestellen, verfügbar sind die Geräte ab dem 21. September.

Optisch unterscheidet sich das neue iPhone Xs mit seinem 5,8-Zoll-Screen kaum vom Vorgänger. Das Design ist unverändert, Vorder- und Rückseite bestehen weiterhin aus einem speziell gehärteten Glas, das von einem auf Hochglanz polierten Rahmen aus Edelstahl eingefasst wird.

Das iPhone Xs und sein großer Bruder halten dicht, sie sind IP68 klassifiziert. Das bedeutet, dass sie in zwei Meter Wassertiefe mindestens 30 Minuten durchhalten. Neu ist der Farbton Gold: Ein solcher Look ist sicher nicht jedermanns Sache, vor allem in Asien und Russland sind solche Farben aber beliebt.

Das iPhone Xs Max erscheint mit seinem 6,5 Zoll großen Bildschirm auf den ersten Blick regelrecht gewaltig. Tatsächlich aber ist das Smartphone mit seinem nahezu randlosen Bildschirm kaum größer als ein 5,5 Zoll-Smartphone herkömmlicher Bauart. Wie sich das Gerät im Alltag bewährt, bleibt abzuwarten. Seine Bildschirmauflösung beträgt 2688 x 1242 Pixel. Der Speicher ist bis zu 512 GB groß.

Mit den neuen iPhones führt Apple auch einen neuen Smartphone-Prozessor ein, den A12 Bionic. Er ist der erste 7-Nanometer-Chip, sagte Apple-Manager Phil Schiller. So passen 6,9 Milliarden Transistoren auf den Chip. Während der Präsentation wurde vor allem gezeigt, wie die neu gewonnene Leistung dieses Chips Augmented-Reality-Apps voranbringen kann. Solche Apps kombinieren die reale und virtuelle Welt.

Angefasst: Netzwelt-Redakteur Matthias Kremp und das neue IPhone Xr

Eine Neuerung, die auf Gegenliebe treffen dürfte, ist die Dual-SIM-Fähigkeit der neuen Vorzeige-iPhones. Zwei echte, physische SIM-Karten wird man freilich nur in Modelle einsetzen können, die in China verkauft werden. Im Rest der Welt, also auch in Deutschland, wird die zweite SIM als sogenannte eSIM realisiert. Das ist eine SIM, die man umprogrammieren kann, je nachdem, welchen Provider man in welchem Land benutzt. Apple hat diese Technik schon länger in den iPads eingesetzt und bringt sie nun auch in die iPhones.

Die Auflösung der Kameras - hinten zweimal zwölf Megapixel, vorne sieben - hat sich derweil nicht groß verändert. Immerhin baut Apple jetzt neue Fotosensoren ein, die die Bildqualität verbessern sollen. Zudem wurde die Kamera-Software optimiert. Sie verfügt über einen Smart-HDR-Modus, in dem mehrere unterschiedlich belichtete Subbilder zu einem neuen Gesamtbild verrechnet werden. Für lauten Applaus sorgte bei der Präsentation die Möglichkeit, die Tiefenschärfe von Aufnahmen nachträglich zu verändern.

Das kann das Einsteigermodell

Neben den sehr teuren iPhone Xs und Xs Max präsentierte Apple zuletzt noch das vollkommen neue iPhone Xr, das 849 Euro aufwärts kostet. Mit einem 6,1 Zoll-Bildschirm und 1792 x 828 Pixeln folgt es dem Trend zu XL-Smartphones. Genau wie die beiden anderen Modelle hat es keinen Home-Button und setzt statt auf einen Fingerabdrucksensor auf Apples Face ID.

Angetrieben wird das Xr von einem A12-Bionic-Prozessor, dazu ist es mit dergleichen Kamera ausgestattet wie das iPhone Xs, hat allerdings nur ein Weitwinkelobjektiv. Ein Teleobjektiv bietet das Xr nicht. Vorbestellt werden kann das Gerät ab dem 19. Oktober, in den Läden erhältlich ist es vom 26. Oktober an.

Für alle neuen iPhones verspricht Apple im Vergleich zu den Vorgängern längere Akkulaufzeiten. So soll das iPhone Xr anderthalb Stunden länger durchhalten als ein iPhone 8, das iPhone Xs Max angeblich anderthalb Stunden länger als ein iPhone X.

Letztes Mal war's aufregender

Allgemein fiel im Steve-Jobs-Theater in Cupertino auf, dass das Publikum einen weit abgeklärteren Eindruck machte, als bei der Vorstellung des iPhone X im vergangenen Jahr. Viele Gäste waren im Vorjahr dabei, als Apple mit dem X-Modell vergleichsweise viel am iPhone änderte. So kannten sie schon den imposanten Bau, den sich der US-Konzern mit Millionenaufwand tief unter der Erde neben sein neues Hauptquartier gesetzt hat, das wegen seiner kreisrunden Form oft als Ufo bezeichnet wird.

Verändert haben sich seither vor allem die Außenanlagen: Was 2017 trocken und wüstenartig wirkte, ist mittlerweile kräftig begrünt. Man könnte sagen: Apple lässt Gras drüber wachsen.

Mitarbeit: Markus Böhm

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