Arbeitsbedingungen bei Apple-Zulieferer Radioshow zieht Foxconn-Dokumentation zurück

Im Januar schlug ein Radiobericht über Kinderarbeit und gefährliche Giftstoffe in einer iPhone-Fabrik Wellen. Jetzt muss der Sender eingestehen: Vieles was in dem Bericht kritisiert wurde, war frei erfunden. Der Autor gesteht ein, es habe sich nicht um Journalismus gehandelt.

Arbeiter in Foxconn-Fabrik: Wie schlecht sind die Arbeitsbedingungen tatsächlich?
AFP

Arbeiter in Foxconn-Fabrik: Wie schlecht sind die Arbeitsbedingungen tatsächlich?


Die amerikanische Radiosendung "This American Life" hat eine kritische Dokumentation über die Arbeitsbedingungen bei Apples Produktionsfirma Foxconn aus dem Netz zurückgezogen. Mike Daisey, der Autor der Sendung, hatte bei der Schilderung seiner Besuche in einem Foxconn-Werk offenbar stark übertrieben. Einige besonders emotionale Details, etwa über Kinderarbeit und einen Arbeiter mit einer zerquetschten Hand, sollen gar frei erfunden gewesen sein.

Im Radio lief der Beitrag bereits im Januar. Mike Daisey trat darin als Kronzeuge auf, als jemand, der die Zustände vor Ort untersucht und mit Betroffenen gesprochen hat. Die Sendung zog damals eine Reihe kritischer Texte über die Produktion von Lifestyle-Gadgets in China nach sich, etwa in der "New York Times" und dem Fachblog Business Insider". Jetzt warnt der Radiosender: "Achtung, 'This American Life' hat diese Story zurückgezogen".

Schon nach der ersten Ausstrahlung mehrten sich Zweifel an Daiseys Erzählungen. Vor allem "Marketplace"-Autor Rob Schmitz verglich seine Erfahrungen bei Foxconn mit denen Daiseys - und kam öffentlich zu dem Schluss: Daisey lügt.

Zum Stolperstein geriet Daisey ein dummer Fehler: Er gab in seinem Bericht an, mit Opfern eines Giftunfalls geredet zu haben. Der aber hatte sich tatsächlich Tausende Kilometer entfernt von dem Foxconn-Werk ereignet, das Daisey in China besucht hat.

"Das war kein Journalismus, das war Theater"

Rob Schmitz konfrontierte Daisey mit diesem Faktum und der räumte die Falschinformation sofort ein: "Ich dementiere nicht, dass ich im Streben, gehört zu werden, ein paar Abkürzungen genommen habe," sagte Daisey. "Mein Fehler, der Fehler, den ich wirklich bereue, ist, das in der Show als Journalismus dargestellt zu haben. Doch das war kein Journalismus, das war Theater."

Schließlich meldete sich auch noch sein Übersetzer zu Wort: Daisey habe nicht die Wahrheit gesagt. Er habe gelogen bei den Angaben zur Anzahl der Fabriken, die er besucht habe, zu den Arbeitern und Arbeiterinnen, mit denen er sich unterhalten habe und zu einem Treffen mit angeblich bei Foxconn vergifteten Mitarbeitern. Manche der erfundenen Details seien unwichtig, andere wichtig.

Was alles falsch gelaufen ist und wie man nun künftig verfahren werde, erklärt "This American Life" nun in einem Blog-Eintrag. Und vergisst dabei nicht zu erwähnen, dass der Bericht aus China die erfolgreichste "This American Life"-Folge in der Geschichte der Sendung war, die nach eigenen Angaben wöchentlich von 500 Radiosendern an 1,8 Millionen Hörer ausgestrahlt wird. Bis sie aus dem Netz genommen wurde ist die Folge 888.000 Mal heruntergeladen worden. Typisch seien 750.000 Downloads, erklärt der Sender.

Apple hat noch viel zu tun

Apple selbst hat auf die Aufregung um seinen chinesischen Hardware-Produzenten im Januar mit dem Eingeständnis reagiert, dass es um die Arbeitsbedingungen bei seinen chinesischen Partner nicht zum besten stehe. Wenig später ließ Apple Kontrolleure der Fair Labor Association (FLA), ein Zusammenschluss von Unternehmen und Organisationen aus dem privatwirtschaftlichen und öffentlichen Sektor, Untersuchungen in den chinesischen Fabriken durchführen. Die fanden auch tatsächlich "haufenweise Mängel" in Foxconns Riesenfabrik in der Industriestadt Shenzhen.

Eine genau Auflistung ist die FLA bislang aber schuldig geblieben. Ebenso wie Apple sich bisher nicht dazu geäußert hat, wie die von den Inspektoren gefundenen Mängel beseitigt werden sollen.

fko/mak

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insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
chinataxi 19.03.2012
1. da sind wohl ein paar dollar geflossen
Zitat von sysopAFPIm Januar schlug ein Radiobericht über Kinderarbeit und gefährliche Giftstoffe in einer iPhone-Fabrik Wellen. Jetzt muss der Sender eingestehen: Vieles was in dem Bericht kritisiert wurde, war frei erfunden. Der Autor gesteht ein, es habe sich nicht um Journalismus gehandelt. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,822118,00.html
damit apple weiterhin eine weisse weste behält. manipulationen sind bei apple nichts ungewöhnliches: Explodierter iPod: Apple bietet Schweigegeld - n-tv.de (http://www.n-tv.de/technik/Apple-bietet-Schweigegeld-article447079.html)
M. Michaelis 19.03.2012
2.
Zitat von chinataxidamit apple weiterhin eine weisse weste behält. manipulationen sind bei apple nichts ungewöhnliches: Explodierter iPod: Apple bietet Schweigegeld - n-tv.de (http://www.n-tv.de/technik/Apple-bietet-Schweigegeld-article447079.html)
Haben sie dafür irgendwelche Beweise oder Indizien ? Der Sachstand ist nicht der dass Apple manipuliert hat sonder die Reportage manipuliert war. Das erfinden journalistischer Inhalte ist auch weder selten noch ungewöhnlich. Man sollte aufhören immer in platten Gut-Böse Schemata zu denken in der investigative gute Journalisten gegen böse Unternehmen stehen.
Hipster 19.03.2012
3. lol
Zitat von sysopAFPIm Januar schlug ein Radiobericht über Kinderarbeit und gefährliche Giftstoffe in einer iPhone-Fabrik Wellen. Jetzt muss der Sender eingestehen: Vieles was in dem Bericht kritisiert wurde, war frei erfunden. Der Autor gesteht ein, es habe sich nicht um Journalismus gehandelt. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,822118,00.html
Was war noch mal ein "Radio"?
Gnopsi 19.03.2012
4. Umgekehrter Schuh
Zitat von chinataxidamit apple weiterhin eine weisse weste behält. manipulationen sind bei apple nichts ungewöhnliches: Explodierter iPod: Apple bietet Schweigegeld - n-tv.de (http://www.n-tv.de/technik/Apple-bietet-Schweigegeld-article447079.html)
Oder sind da vielleicht vorher ein paar südkoreanische Won geflossen, damit Apple eine schmutzige Weste bekommt? Simsalabim, samsungobong ...
michaxl 19.03.2012
5.
Zitat von chinataxidamit apple weiterhin eine weisse weste behält. manipulationen sind bei apple nichts ungewöhnliches: Explodierter iPod: Apple bietet Schweigegeld - n-tv.de (http://www.n-tv.de/technik/Apple-bietet-Schweigegeld-article447079.html)
Das war zu erwarten, dass sie hier als erster ihre cerebrale Diarrhoe ablassen.
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