Großbritannien Apple wettert gegen Überwachungspläne

Die Überwachungspläne der britischen Regierung irritieren die großen Tech-Unternehmen. Apple warnt vor einem Dammbruch und Nachteilen für Millionen Kunden - offenbar in Absprache mit weiteren Firmen.

Apple-Geschäft in London (Archivbild): Stellungnahme ans Parlament
REUTERS

Apple-Geschäft in London (Archivbild): Stellungnahme ans Parlament


Der US-Konzern Apple hat vor den britischen Plänen zur Überwachung des Internets gewarnt. Diese könnten weltweit den Technologiesektor hemmen und die Sicherheit für Millionen Kunden herabsetzen. Der Konzern hat seine Einschätzung am Montag schriftlich einem Ausschuss des Londoner Parlaments mitgeteilt, berichteten unter anderem "Financial Times" und BBC.

Den Plänen der konservativen Regierung in London zufolge könnten Geheimdienste und Polizei unter bestimmten Umständen Aktivitäten von Internetnutzern überwachen, ohne dafür eine richterliche Genehmigung zu benötigen. Innenministerin Theresa May begründet das mit dem notwendigen Kampf gegen Terror und organisierte Kriminalität, Datenschützer laufen Sturm gegen den Gesetzentwurf.

Der Wunsch nach Zugriff auf in anderen Ländern gespeicherte Daten werde "erhebliche Teile des Tech-Sektors bewegungsunfähig machen und ernste internationale Konflikte entfachen", zitiert die "FT" aus dem Papier von Apple. Zudem würden andere Länder wahrscheinlich nachziehen, und multinationale Unternehmen würden "gelähmt" durch widersprüchliche Gesetze der Länder.

Müssen Konzerne beim Hacken helfen?

Apple wehrt sich in der achtseitigen Stellungnahme auch gegen eine geplante Verpflichtung für Konzerne, den Behörden beim Dechiffrieren verschlüsselter Inhalte zu helfen. Man wolle etwa beim Dienst iMessage, der eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bietet, keine Hintertür gewähren. Es sei falsch, dass die Sicherheit für Hunderte Millionen Kunden herabgesetzt werde, heißt es.

Außerdem will die britische Regierung die Telekom-Unternehmen dazu verpflichten, den Geheimdiensten beim Hacken von Computern oder Mobiltelefonen verdächtiger Personen aus der Ferne behilflich zu sein. Apple fürchtet, Produkte seiner eigenen Kunden hacken zu müssen, und sieht eine Verlagerung solcher Maßnahmen vom Staat hin zur Wirtschaft.

Die "FT" berichtet, dass auch die Internetriesen Google, Facebook, Twitter, Yahoo und Microsoft dem Parlamentsausschuss eine ähnliche Einschätzung schicken wollen. Diese Interventionen sollen auch dazu dienen, das Vertrauen der Kunden in die Unabhängigkeit der Silicon-Valley-Konzerne zu stärken, das durch Enthüllungen Edward Snowdens gelitten hat. Dies betrifft vor allem den Zugriff auf Daten seitens der NSA und des britischen GCHQ.

Der Gesetzentwurf ist der Versuch der britischen Regierung, auf die Snowden-Enthüllungen zu reagieren und die Geheimdienstbefugnisse neu zu regeln.

fab/dpa



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insgesamt 69 Beiträge
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Seite 1
axcoatl 22.12.2015
1. Was soll dieser sarkastische Titel?
Apple 'wettert' nicht, sondern kritisiert zurecht die Schnüffelpläne der Briten. 99,999% der Bürger werden ausspioniert OHNE irgend einen Grund geliefert zu haben. Dauerhaft, grundlos. Das zu kritisieren ist gut und richtig - und kein 'wettern'.
sag-geschwind 22.12.2015
2. Kein Kampf der Konzerne
Das wäre eigentlich ein Kampf, der seit Jahren von den Bürgern zu fechten wäre. Dazu gehörte an erster Stelle natürlich, Politiker für Karrierismus und Rückgratlosigkeit aus ihren Ämtern zu tilgen ("Bewegungsangebote" im prekären Arbeitsmarkt?). Ist Maas eigentlich zurückgetreten, nachdem die Vorratsdaten jetzt wider seiner Versprechen an die Geheimdienste durchgereicht werden? Nein? Dann war das natürlich die Absicht.
fackelimohr 22.12.2015
3. Der scleichende Weg in die Überwachungsgesellschaft
Letztendlich würde dieser Weg zum Verbot aller Verschlüssungssoftware führen wo der Staat keine Hintertür hat. Mit anderen Worten der Staat beansprucht das Recht immer zu unseren Kommunikationen Zugang zu haben.
j.vantast 22.12.2015
4. Echt jetzt?
Die Unternehmen sollen der Regierung helfen obwohl die keinen Gerichtsbeschluss vorlegt? Das ist klar eine Anstiftung zu einer Straftat. Ach ich Dummerchen, strafbar machen kann sich ja nur ein User aber niemals der Staat. Der Staat darf sich über das Gesetz stellen, die Verfassung brechen etc. Ist ja alles nur zu unserer Sicherheit, nicht wahr?
wortmacht 22.12.2015
5.
Wenn schon einer der größten Datenabgreifer warnt wird's echt ernst. Apple der Datenschützer, das ist echt lustig. Allerdings ist das was die Briten vorhaben ganz nahe an der Aufgabe jedweder Persönlichkeitsrechte. Unschuldsvermutung? Gibt es nicht mehr. Man ist nicht mehr unschuldig, sondern bestenfalls noch nicht schuldig. Oh alter George Orwell, ich möchte lieber in Deinem 1984 leben!
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